- Das Kinderspital Zürich verzeichnete 2025 einen traurigen Rekord. Die Zahl der bestätigten Kindesmisshandlungen stieg auf 570 Fälle.
- Körperliche Misshandlung war mit 231 Fällen die häufigste Form.
- Wenn es den Eltern nicht gut gehe, gehe es den Kindern auch nicht gut, sagt der Leiter der Kinderschutzgruppe des Kinderspitals.
Fast jeden zweiten Tag wird am Universitäts-Kinderspital ein Kind mit schweren Misshandlungen aufgenommen. 2025 waren es 40 Fälle mehr als im Vorjahr, das entspricht einem Anstieg von 7.5 Prozent.
Die Gesamtzahl der betreuten Verdachtsfälle erreichte mit 732 einen neuen Höchststand.
Körperliche Gewalt am häufigsten
Mit 231 Fällen bildete die körperliche Misshandlung die häufigste Kategorie. Das Spektrum reicht von oberflächlichen Verletzungen bis zu schweren Misshandlungen mit Todesfolge.
Der Leiter der Kinderschutzgruppe, Georg Staubli, sagt: «Wir haben unsere Zahlen mit den Zahlen an anderen Orten verglichen und überall zeigt sich dasselbe Bild.» Offenbar seien viele Eltern überfordert und das sei nicht einfach ein Phänomen, das mit Corona zu tun habe, wie man das bis vor Kurzem vermutet habe.
Die Eltern stehen unter grosser Belastung
Wenn es den Eltern nicht gut gehe, gehe es den Kindern auch nicht gut, sagt Georg Staubli. Der Anstieg der Zahl der Kindsmisshandlungen sei Ausdruck davon, dass Eltern unter grosser Belastung stünden.
In den meisten Fällen sei es eine Überforderung mit allem, das auf die Eltern einprassle. Wenn es den Eltern nicht gut gehe, dann hätten sie auch keine Energie für ihre Kinder. Und das führe schneller zu einer Misshandlung.
Es sei also nicht so, dass man aufmerksamer gegenüber Misshandlungen geworden wäre. Die Misshandlungen hätten tatsächlich zugenommen. Auch andere Statistiken zeigten, dass körperliche Gewalt wieder zunehme.
Bei der Kindererziehung kann es zu Konflikten kommen
Die Schwere der Fälle zeigt sich auch an den 154 stationären Hospitalisierungen. Weil das Kinderspital einen 24-Stunden-Betrieb mit Notfall habe, kämen auch die schwersten Fälle von körperlichem und sexuellem Missbrauch hierher, so Georg Staubli weiter. Kinder erziehen sei extrem schwierig. Deshalb sei es wichtig, dass anerkannt werde, dass es zu Konflikten kommen kann.
Die ganze Gesellschaft müsse hinschauen. Es gebe viele Stellen, die helfen könnten, aber sie müssten noch bekannter gemacht werden, ist Georg Staubli überzeugt. Und wenn man verzweifelt sei, sei es wichtig, dass man sich das eingestehe und Hilfe suche.