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Auf das «9-Euro-Ticket» fahren in Deutschland alle ab
Aus 10 vor 10 vom 25.05.2022.
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Deutsche Neun-Euro-ÖV-Tickets Ist ein verbilligtes ÖV-Billett auch in der Schweiz denkbar?

In Deutschland gibt es ab Juni ein «9-Euro-Ticket» im ÖV, um den hohen Energiepreisen entgegenzuwirken. In der Schweiz fordern erste linke Politiker eine ähnliche Reduktion der Billettpreise. Die ÖV-Verbände stehen der Idee jedoch kritisch gegenüber.

Ab Anfang Juni bis Ende August soll in Deutschland ein «9-Euro-Ticket» für den öffentlichen Verkehr gelten. Das verbilligte Billett ist Teil eines Entlastungspakets, zu dem auch ein befristeter Benzinrabatt gehört.

Das ist im «9-Euro-Ticket» enthalten

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Im Juni, Juli und August sind ÖV-Billette in Deutschland für neun Euro pro Monat erhältlich. Das Ticket ist im gesamten öffentlichen Nah- und Regionalverkehr – also in S- und U-Bahnen, Trams, Büssen und Regionalzügen – gültig. Jedoch gilt es nicht im Fernverkehr.

Das Angebot kann jeder in Anspruch nehmen und gilt unabhängig vom Einkommen. Kinder unter sechs Jahren fahren kostenlos mit. Auch ausländische Touristen können von den reduzierten Billetten profitieren.

Damit will die deutsche Bundesregierung die Bürger und Bürgerinnen entlasten, die sich wegen der steigenden Energiepreise mit höheren Kosten konfrontiert sehen.

Linke Politiker fordern Sonder-Sparbillette

Auch in der Schweiz solle eine Vergünstigung des ÖV eingeführt werden, um den hohen Benzinpreisen entgegenzuwirken, findet Nationalrat Matthias Aebischer (SP/BE). Er fordert ein Sondersparbillett, weil in der aktuellen Krise nicht das Autofahren günstiger werden solle, sondern die Nutzung des öffentlichen Verkehrs. «Deshalb finde ich die Idee des 9-Euro-Tickets super – das könnte in der Schweiz eine Tageskarte für den Sommer sein.» Wer diese dann braucht und zu welcher Zeit, könne man noch diskutieren.

Ich finde die Idee des 9-Euro-Tickets super – das könnte in der Schweiz eine Tageskarte für den Sommer sein.
Autor: Matthias Aebischer Nationalrat (SP/BE)

Bei der Frage der Finanzierung sei entscheidend, ob die Vergünstigungen für bestehende ÖV-Nutzende gelten soll – oder ob es möglich sei, Autofahrende auf den öffentlichen Verkehr umzusteigen, sagt Aebischer. So gebe es zusätzliches Geld und der Bund könne auch mithelfen. «Statt Benzin und Diesel günstiger zu machen, soll der Bund so etwas machen.» Sein Anliegen will der SP-Nationalrat nächste Woche an den Bundesrat richten.

Wenig begeisterte ÖV-Verbände

Ueli Stückelberger, Direktor des Verbands öffentlicher Verkehr (VÖV), ist wenig begeistert von einem Sondersparbillett. «Wir haben ein gutes Angebot und wir wollen eine nachhaltige Lösung – das 9-Euro-Ticket ist es sicher nicht.»

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Ueli Stückelberger: «Sondersparbillette wären keine gute Lösung für die Schweiz»
Aus News-Clip vom 25.05.2022.
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Auch für den Verkehrs-Club der Schweiz (VCS) ist die Einführung eines befristeten Sonder-Sparbilletts keine gute Option. «In der Schweiz haben wir ein gut funktionierendes ÖV-System und wir haben viele Angebote, die schon funktionieren», sagt Geschäftsführer Andreas Gautschi. Mit dem verbilligten ÖV-Ticket würden viele Fragen aufgeworfen – zum Beispiel wäre nicht klar, für welche Strecken es gelten soll und für welche nicht. Ausserdem wäre nicht klar, was mit den bestehenden Abos passiert. «Es macht deshalb aus unserer Sicht keinen Sinn, mit so einer Hauruckübung zusätzliche Unklarheiten zu schaffen.»

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Andreas Gautschi: «In der Schweiz haben wir viele Angebote, die schon funktionieren»
Aus News-Clip vom 25.05.2022.
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Die Branchenorganisation des öffentlichen Verkehrs, Alliance SwissPass, bezeichnet gegenüber SRF die Finanzierung eines stark rabattierten Fahrausweises nach dem Vorbild des 9-Euro-Tickets als höchst unrealistisch. Vor allem vor dem Hintergrund der Coronakrise, als weniger Personen den ÖV nutzten und der Kostendeckungsgrad dadurch deutlich sank.

In der Schweiz dürfte es, wie es auch in Deutschland erwartet wird, zu Hauptverkehrszeiten oder an (touristischen) Hotspots rasch zu Auslastungsproblemen kommen.
Autor: Alliance SwissPass Branchenorganisation des öffentlichen Verkehrs

Zudem sei die Auslastung der Transportmittel im Tagesverlauf grossen Schwankungen unterlegen. «Deshalb dürfte es in der Schweiz, so wie auch in Deutschland erwartet, zu Hauptverkehrszeiten oder an (touristischen) Hotspots rasch zu Auslastungsproblemen kommen. Ein Angebotsausbau wäre unvermeidbar, unter der Voraussetzung, dass dieser überhaupt machbar ist», schreibt Alliance SwissPass auf Anfrage.

Die ÖV-Verbände wie auch Matthias Aebischer sind sich aber in einem Punkt einig: Ziel müsse es sein, dass mehr Autonutzer den öffentlichen Verkehr nachhaltig nutzten.

10 vor 10, 23.05.22, 21:50 Uhr

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86 Kommentare

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  • Kommentar von SRF News (SRF)
    Liebe Community, vielen Dank für Ihre Meinungen. Wir wünschen einen schönen Abend. Liebe Grüsse, SRF News
  • Kommentar von Walter Matzler  (wmatz)
    Offenbar stört der hohe Benzinpreis viele Autofahrer nicht. Anders kann ich mir die kilometerlangen Staus heute auf den Schweizer Strassen nicht erklären. Ausserdem sollen auch in den Zügen Richtung Süden Sitzplätze rar gewesen sein. Zumindest meine Meinung: Es besteht kein überhasteter Handlungsbedarf.
  • Kommentar von Martin Scheidegger  (Martin Scheidegger)
    @Daniel Gion: on-demand im ÖV ist kein Witz, das seit vielen Jahren Tatsache, um ländliche Gegenden auch vom ÖV profitieren zu lassen. Ortsverkehre, die dort halten, wo auch ein Bedarf besteht, statt leer durch die Gegend zu fahren.
    Züge und Trams sind für die Massen sinnvoll. Für die ländlichen Gebiete Busse, immer mehr kleinere Elektrobusse. Das ganze System muss aufeinander abgestimmt sein.