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Legende: Video Tierquälerei bei Bell-Lieferant abspielen. Laufzeit 05:08 Minuten.
Aus 10vor10 vom 07.08.2019.
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Deutscher Truthahn-Skandal Coop-Tochter wegen Tiertransporten in der Kritik

Der Schweizer Fleischverarbeiter Bell wird wegen rücksichtslosen Truthahn-Transporten in Deutschland kritisiert.

Truthähne werden brutal gepackt, mit Schwung in einen Transporter geworfen und Flügel oder Hälse dabei eingeklemmt. Diese schockierenden Bilder zeigt ein Video des deutschen Vereins Soko Tierschutz. Danach werden die Tiere über 500 Kilometer von Ungarn nach Deutschland gefahren. Die Vorwürfe des Vereins: Tiermisshandlungen bei der Verladung und lange Transporte unter grösster Hitze.

Das Pikante dabei: Die verantwortliche Süddeutsche Truthahn AG gehört der Coop-Tochterfirma Bell und ist ein wichtiger Lieferant für den Schweizer Grossverteiler.

Das bayrische Umweltministerium erklärte gegenüber dem Sender ZDF: «Wir haben nach Bekanntwerden der Vorwürfe die beteiligten Behörden gebeten den Sachverhalt aufzuklären und wollen in Zukunft natürlich Kontrollen durchführen.»

Nadja Brodmann vom Zürcher Tierschutz hat sich für «10vor10» das Videomaterial vom Truthahn-Transport angeschaut und ist schockiert.

Legende: Video Nadja Brodmann, Zürcher Tierschutz: «Solch ein Umgang ist nicht akzeptabel» abspielen. Laufzeit 00:17 Minuten.
Aus News-Clip vom 07.08.2019.

Nicht nur die Behandlung, sondern auch der lange Transport sei für die Truthähne eine Belastung. Zwar dürfen auch in der Schweiz Tiere stundenlang transportiert werden, jedoch muss bei den Schweizer Transportboxen darauf geachtet werden, dass sie genug Platz haben. Denn insbesondere bei hohen Temperaturen können zu dicht gepackte Boxen zu Hitzestau und im schlimmsten Fall zum Tod der Tiere führen.

Die Süddeutsche Truthahn AG, die 2016 von Bell übernommen wurde, stand schon früher in der Kritik. So wurde 2014 die schlechte Haltung der Truthähne angeprangert. Damals wurde auch Coop als Partner der deutschen Firma kritisiert. Coop versprach die Einführung von «besonders tierfreundlichen Stallhaltungssystemen» (BTS) in allen Betrieben, die Fleisch von Deutschland in die Schweiz liefern.

Legende: Video Aus dem Archiv: Was tun Migros und Coop gegen Qualmast? abspielen. Laufzeit 13:58 Minuten.
Aus Kassensturz vom 24.06.2014.

Heute betont Coop, dass die BTS-Standards für ihr Fleisch zu 100 Prozent umgesetzt wurden – die Süddeutsche Truthahn AG ist aber noch immer einer von ihren Lieferanten. Wie die Statistik von der Eidgenössischen Zollverwaltung (EZV) zeigt, stammt das Trutenfleisch in der Schweiz vor allem aus Ungarn und Deutschland.

Statistik zum Import von Truthahn-Produkten.
Legende: Truthahn-Produkte in der Schweiz stammen hauptsächlich von vier Ländern. SRF

Bell reagiert auf die Recherchen der deutschen Tierschützer: Man habe unangemeldete Kontrollen bei den ungarischen Aufzuchtsbetrieben angeordnet und den betroffenen Betrieb vorläufig gesperrt.

Auf Anfrage von «10vor10» betont Bell, dass nur wenige der in Süddeutschland geschlachteten Truten aus Ungarn stammen würden. Alle ungarischen Betriebe würden von einer unabhängigen Stelle kontrolliert.

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48 Kommentare

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  • Kommentar von Jeanôt Cohen  (Jeanot)
    Immer, ja immer, wenn es um die Tötung geht, gibt es grausame Situationen. Das sind keine Ausnahmen! Das ist die Genozid an Millionen von Tieren auf grausamste weise. Menschen die Tag um Tag müssen töten, werden automatisch grausam. Die müssen die Tieren so als ob sie nichts wert sind behandeln, damit sie damit fertig werde. Da töten schädlich für die psyche ist.
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  • Kommentar von A. Keller  (eyko)
    Jetzt beglückt man uns mit Billigfleisch aus Südamerika, was soll man dazu sagen? Müssen Lebensmittel um die halbe Welt gekarrt werden? Seit Jahren werden in Brasilien riesige Waldflächen gerodet, wertvoller Regenwald verschwindet für immer. In diesem Land werden Kleinbauern vertrieben oder ermordet, Rinderbarone sind nicht zimperlich, wenn sie ihre Interessen durchsetzen wollen. In Argentinien wird der Boden intensiv mit Glyphosat behandelt, ganze Landstriche sind schon vergiftet. Kontrolle??
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  • Kommentar von Beppie Hermann  (Eine rechte Grüne)
    Entsetzen über diese traurige Geschichte ist berechtigt, aber wohl morgen bereits wieder vergessen. Und es geht ja nicht nur um diese Truthähne, sondern ebenso um den Fleischimport allgemein von ca 77'000 t/Jahr (Statista) samt Folgen, um den Import von ca 30'000 t Fleisch betäubungslos geschächteter Tiere/Jahr inkl.Aushebelung des Schächtverbots, um etwa 1Mio t Futtermittelimport/Jahr samt Folgen. Das Zeug wird nicht umsonst importiert,es wird gekauft u.landet direkt od.indirekt auf dem Teller.
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    1. Antwort von A. Keller  (eyko)
      Ändern kann sich das nur, wenn die Schweiz kein Fleisch mehr importiert, Zu oft haben wir von Leid der Tier gehört, sei es aus Osteuropa oder Südamerika. Das wird mit dem Freihandelsabkommen Mercosur nur noch schlimmer, das immer mehr Billigfleisch exportiert wird. Wir machen uns mitschuldig am Tierleid und Abholzung des Regenwaldes. Viele werden sich noch an die Pferdefarmen erinnern. Tierquälerei in höchster Stufe. Osteuropa kennt kein Tierwohl - Geld ist wichtiger. Deshalb Importe stoppen.
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