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Die «Flüger» am Himmel fehlen: Die Reportage aus der Flughafenstadt Kloten
Aus Regionaljournal Zürich Schaffhausen vom 20.04.2021.
abspielen. Laufzeit 06:08 Minuten.
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Die Flughafenstadt leidet In Kloten fehlen die «Flüger» am Himmel

Die Zürcher Flughafenstadt macht Millionenverluste, so wie die Luftfahrt. Wie geht Kloten mit dem Klumpenrisiko um?

Es ist wenig los, vormittags, im Zentrum von Kloten. Der Platz vor dem grossen, grauen Stadthaus ist beinahe leer, ein paar Pensionierte sind unterwegs zum Einkaufen. Dann donnert ein Flugzeug über die Häuser: Wegen der Bise starten die Maschinen in Richtung Osten, direkt über der Stadt mit ihren knapp 20'000 Einwohnern.

Die «Flüger» sind selten geworden: 2020 sind 60 Prozent weniger Flugzeuge in Kloten gelandet oder gestartet als im Vorjahr. Das spüren die Menschen, die hier leben oder arbeiten: «Es ist ruhiger geworden», findet etwa ein Rentner-Pärchen. «Man freut sich richtig, wenn wieder einmal einer kommt», sagt der Mann. Und die Frau: «Wir wohnen seit 1970 hier, die Flüger haben uns nie gestört, aber jetzt fehlen sie.»

«Nur noch acht Flüge im Monat»

Die Klotenerinnen und Klotener und ihr Flughafen: Viele arbeiten in der Luftfahrt, sind Pilotinnen oder Flugbegleiter, beim Bodenpersonal oder im Verkauf. Fast alle in Kloten kennen jemanden, der unter den wirtschaftlichen Folgen der Krise leidet. «Eine Nachbarin hat ihren Job verloren und noch nichts Neues», erzählt eine Passantin. Eine andere sagt: «Eine befreundete Flight Attendant hat nur noch acht Flüge im Monat, das ist schon sehr wenig.»

Viele, die in der Flugbranche arbeiten, sind derzeit in Kurzarbeit, zittern um ihren Job oder haben ihn bereits verloren. Die Verunsicherung spürt auch René Huber, seit 1994 im Klotener Stadtrat, seit 2006 Stadtpräsident. «Das alles ist nicht ganz einfach zu verkraften», sagt der SVP-Politiker in seinem Büro hoch oben im Stadthaus. Seine Hauptsorge aber gilt nicht der Luftfahrt, sondern der finanziellen Situation Klotens.

Mann steht auf Balkon
Legende: «Wir müssen uns auf eine Durststrecke einstellen», sagt René Huber, Stadtpräsident von Kloten. Damian Grunow/SRF

Während viele andere Gemeinden trotz Krise mit einem Plus abgeschlossen haben, hat Kloten 2020 Minus gemacht. Am Schluss der Rechnung stehen mehr als 20 Millionen Franken Verlust. Denn die Stadt Kloten leidet mit ihrem Flughafen: Die Fluggesellschaft Swiss und die Flughafenbetreiberin Flughafen AG sind die grössten Steuerzahler. Wenn es ihnen schlecht geht, spürt Kloten das.

Diesem Klumpenrisiko waren sich die Stadtoberen schon vor der Pandemie bewusst. Vor drei Jahren begann der Klotener Stadtrat damit, Reserven anzulegen. 17,5 Millionen Franken sind bereits in diesem Topf. Zuwenig, sagt Stadtpräsident René Huber: «Unser Ziel war 90 Millionen Reserve, davon sind wir weit entfernt, die Krise kam quasi zu früh.»

Stadt schliesst Pflege-Wohngruppen

Darum bleibt Kloten nur noch Sparen. 7 Millionen Franken jährlich ist das Ziel, 88 Sparmassnahmen hat der Stadtrat angesagt. So schliesst er zum Beispiel zwei Pflegewohngruppen. Auch um eine Steuererhöhung werde Kloten nicht herumkommen, sagt René Huber voraus, der 2001 beim Swissair-Grounding noch Finanzvorsteher war.

Für den heutigen Stadtpräsidenten ist klar, dass es noch eine Weile geht, bis sich die Flugbranche erholt, bis seine Stadt aufatmen kann: «Wir müssen uns auf eine Durststrecke einstellen», sagt René Huber und blickt aus dem Fenster, in den leeren Himmel über Kloten.

Regionaljournal Zürich Schaffhausen, 15.04.21, 17:30 Uhr;

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20 Kommentare

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  • Kommentar von Alois Keller  (eyko)
    Es ist doch schön, dass es am Himmel ruhiger geworden ist. Gut für die Umwelt und die Gesundheit. Weniger schön für Betroffene, die ihren Arbeitsplatz verloren.
    1. Antwort von Ueli Lang  (Wochenaufenthalter)
      Die Betroffenen haben jetzt ja saubere Luft und die Liebe zum Leben werden Sie sicher auch noch irgendwo finden, nicht wahr! Also wo sind die Probleme?
  • Kommentar von Matt Frei  (sense against mainstream)
    @Küng
    Was heisst hier "Fluglärm geplagt"? Man wohnt dafür billiger als anderswo.
  • Kommentar von Thomi Furrer  (Thömi)
    Es macht mich betroffen zu lesen, wieviele Personen, dass unter den eingebrochenen Exzessen der Fliegerei leiden. Einmal mehr zeigt sich, worauf es dem Turbokapitalismus ankommt. Geld vor dem Menschen und dessen Gesundheit.
    1. Antwort von Matt Frei  (sense against mainstream)
      Nichts "Turbo Kapitalismus".
      Bei uns wollen allen nur noch Wohlfühl-Romantik, viel Freizeit und nicht mehr arbeiten. Die Zukunft wird aber leider durch die jungen aufstrebenden Generationen in Asien mit gewohntem 18 Stunden Arbeitstag ohne Absicherung bestimmt werden. Die interessiert die Schweiz und das untergehende Abendland in Westeuropa überhaupt nicht. - Mit unserer Einstellung schaffen wir uns selbst ab und niemand sonst auf der Welt, die einfach weitergeht, wird dies interessieren.
    2. Antwort von Ernst Küng  (NestorBS)
      Genau so ist es. Aber nun dürften sich doch auch die Fluglörmgeplagten freuen, oder?
    3. Antwort von Ueli Lang  (Wochenaufenthalter)
      @T.Furrer
      Die kleine dumme Frage ist einfach, was der Ihr vielgeschmähter Turbokapitalismus so alles in Ihrem Leben mitfinanziert und ob Sie persönlich wirklich in der Lage sind darauf zu verzichten? Ich nehme nämlich nicht an, dass Sie zu jenen gehören, die ihr Geld im Schweisse ihres Angsichts am Turbokapitalismusmarkt verdienen müssen, sondern eher zu denen die entweder von den Steuern auf dem Turbokapitalismus oder irgendwelchen Umverteilungsmassnahmen leben oder profitieren!