Zum Inhalt springen

Header

Video
Bildungspolitiker fordern baldige Öffnung der Schulen
Aus 10vor10 vom 15.04.2020.
abspielen
Inhalt

Digitale Schule «Es gibt immer Kinder, die den Anschluss verpassen»

Kurz bevor der Bundesrat mögliche Lockerungen der Corona-Massnahmen kommuniziert, tauchen immer mehr Forderungen auf. Eine davon: Die Schulen müssten so bald wie möglich geöffnet werden, weil der Fernunterricht für viele Schülerinnen und Schüler nicht oder zu wenig gut funktioniere.

Schwer hätten es insbesondere jene Kinder und Jugendlichen, die auch im normalen Schulunterricht nicht so gut lernen könnten – und jene, die von den Eltern weniger Unterstützung im Fernunterricht bekommen würden. Etwa weil die Eltern arbeiten müssten, keine gute Schulbildung hätten oder nicht gut Deutsch sprechen würden.

«Schule kann soziale Unterschiede ausgleichen»

Für den Basler Erziehungsdirektor Conradin Cramer ist das Problem gross und dringend: «Die Schule hat eine wichtige Integrationsfunktion und kann soziale Unterschiede ausgleichen. In der Schulklasse sind alle gleich. Beim Fernunterricht ist das nicht so. Es gibt die, die mehr Möglichkeiten haben, sich zurückzuziehen in einer Wohnung. Und es gibt die, die diese Ruhe einfach nicht finden in einer kleinen Zweizimmerwohnung, wo sie zu viert leben.»

Wegen der Corona-Massnahmen gehe die Schere auf, sagt Stephan Huber, Professor an der Pädagogischen Hochschule Luzern. Huber hat in einer gross angelegten Befragung die Herausforderungen des Fernunterrichts untersucht. So erwartet Regierungsrat Cramer vom Bundesrat, dass die Schulen eine hohe Priorität haben bei der Lockerung der Corona-Massnahmen.

Zusätzliche Förderung reicht nicht immer

Viele Lehrkräfte seien sehr engagiert für den Fernunterricht, sagt Thomas Minder, Präsident des Verbands Schweizerischer Schulleiterinnen und Schulleiter. Zudem würden alle viel lernen über Digitalisierung. So ist der Fernunterricht auch für manche Schüler eine Bereicherung oder ein Ersatz. Aber eben nicht für alle. Minder: «Es gibt immer Kinder, die den Anschluss verpassen. Es ist uns wichtig, uns um sie zu kümmern und sie nicht zurückzulassen. Das ist jetzt die grosse Herausforderung – und weil die Schülerinnen und Schüler nicht anwesend sind, ist es für uns nun doppelt schwierig.»

Das merkt auch Lehrer Christian Beck-Wörner von der Basler Sekundarschule St. Alban. Er bietet seinen Klassen zusätzliche Fragestunden per Videokonferenz und ist telefonisch für seine Schülerinnen und Schüler erreichbar, wenn Fragen zum Schulstoff oder technische Probleme auftauchen. Diese zusätzlichen Angebote würden oft helfen und den Fernunterricht besser machen – aber nicht immer. «Wir haben die Erfahrung gemacht, dass das in den Klassen bei etwa zwei bis drei Schülern nicht funktioniert», sagt Beck-Wörner. In solchen Fällen helfe auch der Kontakt zu den Eltern oft nicht mehr.

Herausforderung für die Eltern

Der Fernunterricht ist auch für viele Eltern ein Aufwand, manchmal gar eine Belastung. Rund ein Drittel der Eltern findet es eine «echte Herausforderung», die Kinder zu Hause bei den schulischen Aufgaben zu unterstützen. Zu diesem Schluss kommt der Schul-Barometer – eine gross angelegte Befragung von Stephan Huber, Professor an der Pädagogischen Hochschule Zug.

Man hat nie einen Moment für sich, hört häufig: Mami, Mami, Mami!

Ähnlich geht es Jagica Matic. Sie ist Mutter von drei schulpflichtigen Kindern und arbeitet Teilzeit. Mit Fernunterricht sei es strenger geworden für sie: «Man hat nie einen Moment für sich, hört häufig: Mami, Mami, Mami!» So sei sie am Abend viel müder – und sie freue sich, wenn die Schule wieder öffne. Heute Donnerstag, 16. April, kommuniziert der Bundesrat, wie es mit den Schulen weitergeht.

Schliessen

Jederzeit top informiert!

Wir informieren laufend über die aktuelle Entwicklung und liefern Analysen zum Coronavirus. Erhalten Sie alle wichtigen News direkt per Browser-Push. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

6 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Elisabeth Mcdonald-Doenz  (Elisabeth)
    Der Klassenunterricht mit 19 Mitschülern in der Grundschule ist weit weg vom idealen Umfeld für ein Kind mit Legasthenie. Die Lehrpersonen und Heilpädagogen geben ihr möglichstes um die Schule als possitive Erfahrung für unser Kind zu gestalten. Doch die jetzige Lage zeigt es uns.
    Mit flexible Arbeitseinteilung mit Pausen, Bewegung, kreativem Schaffen und Kopfarbeiten auf 6 Stunden pro Arbeitstag verteilt, lernt unser Kind und ist zufriedener dabei.
    Schule im Klassenverbund belastet es mehr.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Christel Roth  (Christelco)
      Ich kann mich da nur anschliessen. Unser Kind ist auch in der gleichen Situation.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Sabine Zerban  (Sabine Z.)
    Ich werde den Eindruck nicht los, dass ein grosses Problem hier die Scheu mancher Lehrer vor digitalen Medien das eigentliche Problem ist. Nur selbstgemachte Lernvideos zur Verfügung stellen und an 2 Halbtagen im Videochat erreichbar sein, reicht halt nicht. Mir fehlt, dass auch Schule kreativ neu gedacht wird. Youtube ist voll mit guten Erklärungen, die Zeit kann man sich sparen und besser in den sozialen Kontakt mit den Schülern investieren.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Manuela Fitzi  (Mano)
    "Man hat nie einen Moment für sich, hört häufig: Mami, Mami, Mami!" - Am Anfang des Home Schoolings hat SRF eine alleinerziehende Mutter, Wissenschaftlerin porträtiert. Die hat ihren Kindern erklärt, dass sie nicht die Nerven hat, ständig zu ihnen zu springen. Die Kinder haben es begriffen. Also das ständige "Mami, Mami, Mami" ist keine Sache der Schule. Das ist Erziehungssache bzw. Sache der eigenen Organisiertheit. Man sollte das nicht mit Lerndefiziten im schulischen Bereich vermischen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen