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Herausforderung Digitalisierung: Ältere Glarnerinnen und Glarner haben Mühe mit der Online-Steuererklärung
Aus Regionaljournal Ostschweiz vom 05.04.2022.
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Digitalisierung in Glarus Online-Steuererklärung: Seniorinnen und Senioren tun sich schwer

Im Kanton Glarus kann die Steuererklärung seit diesem Jahr online ausgefüllt werden. Nicht alle sind davon begeistert.

Anfang Jahr erhielten die Glarnerinnen und Glarner Post vom Steueramt. Mitgeschickt wurden dieses Mal aber nicht Steuererklärungen und Unterlagen aus Papier, sondern lediglich ein Brief mit Zugangsdaten und einer Anleitung. Der Grund: Als erster Kanton in der Ostschweiz setzt Glarus ab sofort voll auf die Online-Steuererklärung.

Zwar kann man die Steuererklärung nach wie vor in Papierform einreichen, man muss sie dafür aber extra beim Steueramt bestellen. Das Ziel ist klar und von der Landsgemeinde auch so beschlossen: Möglichst viele Glarnerinnen und Glarner sollen die Steuererklärung online ausfüllen. Ende März lief die offizielle Einreichefrist ab, die Umstellung scheint geglückt: Von den bereits eingereichten Steuererklärungen wurden neun von zehn digital eingereicht, heisst es auf Anfrage beim kantonalen Steueramt.

Steuererklärungen: Digital vs. Online

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Einen digitalen Weg, die Steuererklärung auszufüllen, kennen alle Kantone in der Schweiz. Die meisten stellen dafür eine spezielle Software zur Verfügung, welche die Steuerpflichtigen auf der entsprechenden Webseite herunterladen können.

Das bedeutet indes nicht, dass man die Steuererklärung auch online einreichen kann. In den meisten Fällen muss man sie nach dem Ausfüllen noch ausdrucken und unterschreiben, auch Belege lassen sich in manchen Kantonen noch nicht digital erfassen.

In den Kantonen Bern, Jura, Nidwalden, Solothurn, Uri, Waadt, Zürich und neu eben auch in Glarus kann man die Steuererklärungen hingegen online erfassen. Man braucht dafür keine Spezialsoftware, sondern lediglich Internet und ein persönliches Konto.

Und so funktioniert das neue System: Mit den zugeschickten Zugangsdaten registriert man sich einmalig und füllt die Steuererklärung ab dann jeweils online aus. Allfällige Belege wie den Lohnausweis oder die Krankenkassenabrechnung fotografiert man mit dem Smartphone und reicht sie ebenfalls online ein. Eine Unterschrift ist nicht mehr nötig.

Überforderung bei den Seniorinnen und Senioren

Das alles soll den Steuerpflichtigen das Leben leichter machen – vorausgesetzt man hat einen Internetanschluss und einen Computer, ein Tablet oder ein Smartphone. Fehlt ein entsprechendes Gerät oder der Umgang damit, ist die Umstellung von Papier auf Online anspruchsvoller.

Gerade Seniorinnen und Senioren bereite das Ausfüllen der Steuererklärung zuweilen Mühe. Dass dies nun nur noch online geschehen soll, sei eine weitere Hürde, sagt Peter Zimmermann von Pro Senectute Glarus. «Bei uns sind die Anfragen jener gestiegen, die die Steuern bis jetzt selbst gemacht haben und nun überfordert sind oder das Online-Ausfüllen gar nicht mehr lernen wollen.»

Es gehört zur Eigenverantwortung der Seniorinnen und Senioren, am Ball zu bleiben
Autor: Peter Zimmermann Geschäftsstellenleiter Pro Senectute Glarus

Seit bald 20 Jahren bietet Pro Senectute Glarus einen Steuererklärungsdienst an. Zehn Freiwillige, alle ebenfalls pensioniert, füllen Betroffenen die Steuererklärung aus, sofern diese einfache Finanz- und Vermögensverhältnisse haben. Kompliziertere Fälle verweisen sie an Treuhänder, die man keinesfalls konkurrenzieren will.

Eigenverantwortung zeigen

Mit der Online-Steuererklärung mache der Kanton Glarus einen weiteren grossen Schritt in Richtung Digitalisierung von staatlichen Angeboten und Leistungen. Letztes Jahr sei es die Online-Anmeldung für die Corona-Impfung gewesen, dieses Jahr die Online-Steuererklärung: «Der Digitalisierungs-Zug nimmt Fahrt auf und ich habe Verständnis dafür, dass dies bei älteren Menschen Angst auslösen kann», sagt Zimmermann.

Es sei deshalb wichtig, dass die Behörden bei der Kommunikation einer digitalen Neuerung auch an die ältere Mitbevölkerung denken. Die Seniorinnen und Senioren hingegen hätten auch Bringschuld. Das Alter dauere schliesslich immer länger, da kämen noch viele digitale Herausforderungen. «Es gehört zur Eigenverantwortung der Seniorinnen und Senioren, am Ball zu bleiben», sagt Zimmermann. Den Digitalisierungs-Zug aufheben könne schliesslich niemand – aber schauen, dass man den Anschluss nicht ganz verpasse, das schaffe jede und jeder.

Regionaljournal Ostschweiz, 4.4.22, 17:30 Uhr ;

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