Zum Inhalt springen

Header

Audio
Diskussion um Flug-Fleisch: «Der Kunde hätte es in der Hand»
Aus Espresso vom 05.11.2019.
abspielen. Laufzeit 05:35 Minuten.
Inhalt

Diskussion um Flug-Fleisch «Der Kunde hätte es in der Hand»

Das eingeflogene Aktionsfleisch von Coop sorgt für Diskussionen. Und regt an zu Fragen zur Klimabilanz von Fleisch.

Die Aktion dürfte manch einen Kunden überzeugt haben: Grossverteiler Coop hat kürzlich Rinds-Entrecôte für 4.50 Franken pro 100 Gramm verkauft. Oder 100 Gramm Lamm-Nierstück für nicht einmal vier Franken. Das Fleisch stammte aus Uruguay, Australien, Neuseeland und England – importiert per Luftfracht.

«Kunde kann frei entscheiden»

Coop importiert also edle Fleischstücke per Flugzeug und verschleudert sie dann hier zu Aktionspreisen. Dabei betont der Detailhändler doch immer wieder, wie sehr ihm Nachhaltigkeit und Ökologie am Herzen liege.

Gegenüber dem SRF-Konsumentenmagazin «Espresso» argumentiert das Unternehmen mit dem Kundenbedürfnis: «Als Vollsortimenter bieten wir eine grosse Vielfalt an Produkten an. So können unsere Kunden frei entscheiden, welche Produkte am besten ihren Bedürfnissen entsprechen.» Zudem werde der CO2-Ausstoss aller Flugtransporte von Produkten «mit hochwertigen Kompensationsprojekten» kompensiert.

Der Bericht von «Espresso» gab in den Online-Kommentaren zu reden. Eine Auswahl:

  • «Die Haltung von Coop finde ich eigentlich richtig. Es ist nicht Aufgabe eines Grossverteilers, die Kaufentscheidungen der Konsumenten über eine Einschränkung des Angebots zu steuern und ausländisches Entrecôte gar nicht mehr anzubieten.»
  • «Es stimmt nicht, dass die Kundschaft das will. Wenn die edelsten und stark nachgefragten Fleischstücke zum halben Preis auf den Markt geworfen werden, dann schafft man damit erst die Nachfrage.»
  • «Also ich freue mich über günstige Preise.»
  • «Statt mit fragwürdigen CO2-Kompensationen das eigene Gewissen zu beruhigen, könnte dem Konsumenten auch begreiflich gemacht werden, dass nicht immer alles zu jeder Zeit erhältlich sein kann.»
  • «Wie so oft: Der Kunde hat (hätte) es in der Hand.»

Was ist «besser»: Flugzeug oder Schiff?

Die Diskussion in den Online-Kommentaren drehte sich aber auch um die Frage, ob der Import per Schiff in Bezug auf die Klimabilanz nicht noch schädlicher wäre: «Mit Frachtschiffen, die mit Schweröl betrieben werden, wäre der ökologische Schaden noch um ein Vielfaches höher», stellte etwa ein User fest.

Eine umfassende Untersuchung zur Ökobilanz von Fleisch hat das landwirtschaftliche Forschungs-Institut Agroscope im Jahr 2012 gemacht. Fazit: «Bei importiertem Fleisch spielten die Transportwege nur eine relativ geringe Rolle. Eine Ausnahme bilden Flugtransporte», hier seien die negativen Auswirkungen auf die Umwelt deutlich höher.

Sabine Lerch von der Stiftung Biovision bestätigt: «Wenn man schon etwas aus Übersee transportieren muss, ist das Schiff die umweltfreundlichere Wahl.» Das hänge mit der riesigen Menge zusammen, die ein solches Schiff transportieren könne: «Dadurch minimiert sich die Belastung pro Produkt.» Allerdings: «Wir empfehlen, ganz auf Importfleisch zu verzichten – auch im Restaurant.» Dem Argument, dass so die Nachfrage nicht mehr gedeckt werden könnte, hält die Expertin für nachhaltigen Konsum entgegen: «Wir sollten unseren Fleischkonsum sowieso um einen Drittel oder die Hälfte reduzieren.»

Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

44 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Andreas Schick  (Andreas Schick)
    Die Rechnung ist einfach: wenn wir importiertes Fleisch kaufen, schaden wir nicht nur dem Klima sondern fallen unseren Bauern, welche notabene mit unseren Steuergeldern subventioniert werden, in den Rücken. Würden wir Konsumenten auf diesen Import-Blödsinn verzichten, könnten unsere Bauern wieder anständige Landwirtschaft betreiben und müssten auch weniger subventioniert werden. Was Coop und Migros (Denner!!) hier unter dem Deckmantel der Nachfrage (Weshalb Aktion?) betreiben, ist Unsinn.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Junior Cruz  (Fagg_U)
    Bald wird man nichts mehr einfliegen müssen, da in Zukunft künstliches Fleisch gezüchtet wird. Das wird die Nahrungsmittel-Industrie und Landwirtschaft auf den Kopf stellen! Einige werden sich eine andere berufliche Tätigkeit suchen müssen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Reto Derungs  (rede)
    Grundsätzlich muss man wissen, dass hinter all diesen importierten Lebensmittel Arbeitsplätze stecken. Das ist nicht nur beim Fleisch so, sondern auch bei Bananen, Ananas, Kokosnüssen etc. Ich bin viel in der Karibik und sehe, dass die Bauern mit ihren Familien und Mitarbeitern auf den Export ihrer Produkte angewiesen sind. Hochwertige Qualitätsprodukte die schnell verderben werden im Frachtteil der Ferienflieger wie "Edelweiss" in die Schweiz geflogen. Der Flieger fliegt sowieso.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Christian Bossard  (ChreguB)
      Ich glaube Ihnen gerne, dass die dortigen Produzenten auf den Export angewiesen sind. Leider ist es nur so, dass die hiesigen Produzenten genauso auf den Absatz angewiesen sind. Warum also Waren die hier hergestellt werden können nicht von nier kaufen?
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Reto Derungs  (rede)
      Na ja, gemäss "LeTemps" sind fast 50 % der Schweizer Lebensmittel importiert. Und sie werden dann importiert, wenn die einheimische Produktion nicht ausreicht. Die hiesigen Produzenten sind bei weitem nicht in der Lage, den Bedarf zu decken. Auch die CO2-Bilanz ist interessant. So hat ein aus Argentinien importierter Apfel eine bessere CO2-Bilanz als ein einheimischer Apfel, der in energieintensiven Kühlhäusern gelagert wird. Zu diesem Thema erschien im GEO eben erst ein interessnter Beitrag.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen