Zum Inhalt springen

Header

Audio
Doch kein Geisterdorf Mitholz?
Aus HeuteMorgen vom 24.09.2021.
abspielen. Laufzeit 01:39 Minuten.
Inhalt

Ehemaliges Munitionsdepot Nicht alle Bewohner von Mitholz müssen gehen

Also doch kein Geisterdorf Mitholz: Es wird Bewohnerinnen und Bewohner geben, die wählen können, ob sie bleiben wollen.

    Mitholz im Berner Oberland werde zum Geisterdorf - 160 Menschen müssten in rund zehn Jahren ihr Heim für zehn Jahre verlassen. Das war bisher das Bild zur Räumung des ehemaligen Munitionsdepots der Armee. An einem Informationsanlass hat das VBS am Donnerstagabend diesen Eindruck jedoch relativiert.

    Wer Mitholz ganz sicher verlassen muss und wer doch bleiben kann, das werde sich Mitte 2022 klären. Bis dahin will das VBS das Gebiet in verschiedene Gefahrenzonen für die gesamte Zeit der Vorbereitungsarbeiten und der Räumung verbindlich unterteilt haben.

Video
Aus dem Archiv: Zeitbombe Munitionsdepot Mitholz
Aus Rundschau vom 25.08.2021.
abspielen

«Damit sollen die Eigentümerinnen und Eigentümer wissen, ob sie dauerhaft wegziehen müssen oder ob sie sich überlegen können, in Mitholz zu bleiben», sagt Adrian Goetschi, Projektleiter im VBS für die Räumung des Munitionsdepots. Wer sehr nahe am explosiven Schutt wohne, der müsse sicher dauerhaft weg.

Räumung des ehemaligen Munitionsdepots wird konkret

Box aufklappen Box zuklappen

Sichtbarster Teil der Vorbereitungsarbeiten wird sein, dass vor dem felsigen Hügel, in dem sich das frühere Munitionslager befindet, Wald gerodet wird. Das ist die Voraussetzung dafür, dass ab Mitte 2024 der Schuttkegel und der vorderste Teil der Felskuppe beseitigt werden kann.

Schutt und Fels müssen weg, weil sich unter ihnen der Bahnstollen befindet, in dem bis 1947 Munition ins Lager gebracht wurde. Das VBS will diesen verschütteten Stollen aus geologischen Gründen und aus Gründen der Arbeitssicherheit freilegen.

Dies teilte das Eidgenössische Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) am Donnerstag mit. Anfang 2022 will das VBS mit den Rodungen beginnen, zwischen Anfang 2022 und 2024 mit den anderen Arbeiten.

Im Innern der Anlage will das VBS ein Hochdruck-Tor und einen Hochdruck-Pfropfen einbauen. Diese sollen verhindern, dass bei einer Explosion der Druck nach aussen entweicht und wie 1947 Tod und Verwüstung verbreitet.

Das VBS sieht aber auch einen entfernteren Bereich vor, wo Wohnen erlaubt bleibe. Wie gross diese Zone ist, welche Häuser sie umfasst und wie viele Menschen in dieser Zone leben, ist noch nicht klar. Die Menschen dort müssten aber höchstens temporäre Evakuierungen aushalten.

Adrian Goetschi vom VBS bat jene, die in der Zone weiter weg vom Munitionsdepot leben, zu Geduld. Es gebe, wenn es die Sicherheit erlaube, Möglichkeiten freiwillig zu bleiben. Wer das ansonsten leere Dorf, den Baulärm und den Staub aber nicht schlucken wolle, der dürfe Mitholz trotzdem verlassen.

Was ist in Mitholz passiert?

Box aufklappen Box zuklappen

Im Zweiten Weltkrieg war in Mitholz ein unterirdisches militärisches Munitionslager gebaut worden.

1947 flogen Teile des Munitionsdepots in die Luft. Neun Personen starben bei der Explosion.

2018 kamen Experten zum Schluss, dass die vom Lager ausgehende Gefahr grösser ist als zuvor angenommen.

2020 beschloss der Bundesrat, dass das ehemalige Munitionslager der Armee in Mitholz definitiv geräumt wird.

Die effektiven Räumungsarbeiten starten nach 2030. Während rund zehn Jahren müssen viele Bewohnerinnen und Bewohner von Mitholz aus Sicherheitsgründen das Dorf verlassen.

«Wir werden alle Liegenschaften von den Betroffenen, die diese Zone verlassen wollen, kaufen», so Goetschi vom VBS. Zum Gehen gezwungen werde aber niemand. «Wir werden in dieser Zone keine Zwangsmassnahmen umsetzen, wenn das die Betroffenen nicht wollen.»

SRF 4 News, 24.09.2021, 06:00 Uhr;

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

15 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Aktuell sind keine Kommentare unter diesem Artikel mehr möglich.

  • Kommentar von Thomas Leu  (tleu)
    @ Ueli von Känel: So geht das nicht. Erstens war es kein Reduit, sondern ein Munitionsdepot. In einem Krieg brauchen Sie unvorstellbare Mengen Munition, wenn Sie nicht nach zwei Wochen kapitulieren wollen. In Gebirgsländern lagert man das am besten in Bergstollen. Zweitens wusste 1939 niemand wie der zweite Weltkrieg ausgeht. Aufgrund der schlecht gerüsteten CH-Armee hatte man keine andere Wahl, als den Gebirgskampf. Drittens kann man historische Ereignisse nur aus dem damaligen Kontext werten.
    1. Antwort von Albert Planta  (Plal)
      Die Schweiz könnte wegen der Appeasement-Politik gegenüber dem Reich Schlimmeres verhindern. Die Schweiz geschäftete bis weit ins Jahr 1945 mit dem Reich.
    2. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Albert Planta: Sie sagen es! Zusätzlich wäre das Gebirgsland Schweiz für Deutschland nur unter hohen eigenen Verlusten einzunehmen gewesen. Da dachten die Deutschen, dass sie zuerst Frankreich und Russland erobern, denn danach wäre es für die Schweizer Armee eine Unmöglichkeit gewesen, ein vollständig umzingeltes Land zu verteidigen. Zum Glück für uns und Europa ging der Plan nicht auf. Auf jeden Fall schaute jede Regierung Europas, auch die Schweizer Regierung, zuerst für die eigenen Bürger.
  • Kommentar von Peter König  (Vignareale)
    Das Réduit war nicht sinnlos.uvk
    Die Munition wurde Nicht vorschriftsgemäß eingelagert mit Zünder auf Bomben und Granaten
    Die Zunder missen getrennt vom Sprengstoff gelagert werden EMD nicht Truppe
    1. Antwort von Felix Zwicky  (Radiohörer)
      Zünder separat lagern lernt man im Sprengkurs in der ersten Lektion, und in der Offiziersschule sollte dieses Fachwissen bei jedem! und jeder! zum Grundwissen gehören. Das war auch vor dem 2. Weltkrieg so.
  • Kommentar von Ueli von Känel  (uvk)
    Das ist das bittere Resultat eines wohl sinnlosen Reduits. Was hätte es der Mehrzahl der Leute genutzt, einige Reduit-Täler bis zum letzten Mann, der wohl gefallen wäre, zu verteidigen? Eine Kapitulation wäre im Fall der Fälle wohl weniger verlustreich gewesen. Frankreich hat sich ja auch nicht zum Mont Blanc zurückzuziehen versucht. Ich vermisse hier eine nicht verurteilende, aber kritische Verarbeitung dieses Reduits.
    1. Antwort von Tobias Hofer  (Tobias Hofer)
      Ich vermisse die Anerkennung der Tatsache, dass Frankreich besetzt wurde und zigtausende Tote zu beklagen hatte, während die Schweiz mit ihrer Reduitstrategie glimpflich davon kam.
    2. Antwort von Alfred Reist  (Fredi)
      Wie gut, dass Sie es heute besser wissen, als damals unsere Väter.
    3. Antwort von Hans-Peter Meier  (FromAnotherWorld)
      Also die grosse ganze Strategie als Gesamtheit der Schweiz im zweiten Weltkrieg zu kritisieren, grenzt nun wirklich an eine Frechheit, vergleichen Sie doch die Strategien und Resultate unserer Nachbarsländer...
    4. Antwort von Ruedi Schwarzenbach  (oktagon)
      uvk ist halt ein Reduit-Kritiker ;-) Ich finde das berechtigt.
    5. Antwort von Ueli von Känel  (uvk)
      An alle hier: Natürlich finde ich, dass jeder Tote in Frankreich einer zu viel war. In jedem Fall schrecklich.
      Falls ich - angenommen -105-jährig wäre und ich sogar selber am Reduit beteiligt gewesen wäre und ich jetzt kritisiert würde, dann würde ich hoffentlich dafür gerade stehen wollen und kritikfähig sein.
    6. Antwort von Ueli von Känel  (uvk)
      Ergänzung an alle: Ich wohnte 14 Jahre in der Nachbargemeinde, und ich kenne persönlich Betroffene und indirekt Betroffene, sei es im Blick auf die Katastrophe von 1947 und die jetzige Entwurzelung entsprechender Mitholz-Bewohner. Darum weiss ich, wo die Not dort Bewohner drückt.
    7. Antwort von Sam Brenner  (Sam Brenner)
      Mal ganz nüchtern und dogmalos betrachtet, was hatte die CH damals für Optionen als der kauzige Schmalschnautzträger völlig durchdrehte:
      1. Fahne einziehen und sich den Faschos hingeben
      2. Sich einigeln, möglichst gut drohen, hoffen und warten bis die Braunen:
      a) verloren haben oder
      b) dann halt als letzte eingenommen werden
      Zusammengefasst: effizient "gespielt", mit dem Minimum das Maximum erreicht, aber dies dann zum nationalen Heldentum zu erheben wäre wohl doch etwas anmassend.
    8. Antwort von Hans König  (Hans König)
      Herr von Känel: Ihre Meinung und Aussage ist ein Schlag ins Gesicht von allen denjenigen, welche während dem 2. Weltkrirg bereit gewesen wären, unser Land zu verteidigen. Die Entschlossenheit und Entscheidung von General Guisan ein Reduit zu bauen, hat die Schweiz vor einem Angriff der Nazi (Hitler) bewahrt. Ihre Ansicht ist beschämend und verletzend.
    9. Antwort von Sam Brenner  (Sam Brenner)
      HK: Beschämend ist es immer noch so zu tun, als hätte die Reduit Strategie auch nur irgend etwas dazu beigetragen, die damalige Braune Flut abzuwehren und einzudämmen. Die hat uns kleiner CH (vermutlich, wir wissen es nicht genau) den Hintern gerettet. Im etwas grösseren Kontext als der CH darf das sehr wohl kritisch betrachtet werden. Wer das nicht erträgt lebt vermutlich in einer Dogma-Blase.