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AKW Mühleberg wird eine Grossbaustelle
Aus Schweiz aktuell vom 15.12.2020.
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Ein Jahr nach der Abschaltung Das AKW Mühleberg ist wegen der Stilllegung eine Grossbaustelle

Von aussen sieht das Atomkraftwerk aus wie immer. Im Innern des Maschinenhauses wähnt man sich aber auf einer Grossbaustelle. Einer mit strengen Sicherheitsvorkehrungen. Wir dürfen die Halle erst betreten, als wir Schutzanzüge, Handschuhe und Helme tragen. Wir befinden uns jetzt in der sogenannten kontrollierten Zone.

Es hat grosse Löcher im Boden.
Legende: SRF

Hier standen bis vor kurzem noch die tonnenschweren Turbinen, angetrieben vom Wasserdampf. Sie wurden vor einigen Wochen von einer Spezialfirma abtransportiert. An sie erinnern nur noch grosse Löcher im Boden.

Das erste AKW der Schweiz das stillgelegt wird

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2013 verkündete die BKW, dass sie das Kernkraftwerk Mühleberg im Jahr 2019 endgültig vom Netz nehmen werde. Die jährliche Produktion entspricht rund 5 Prozent des gesamten Schweizer Strombedarfs. Basis für diese Entscheidung waren allerdings nicht Proteste. Mehrmals hat sich das Volk für Kernkraft ausgesprochen. Aber: Der Betrieb lohne sich nicht mehr, so die BKW.

Am 20. Dezember um Punkt 12.30 Uhr wurde dem KKW der Stecker gezogen. Mühleberg ist das erste Schweizer AKW, das seinen Betrieb einstellt. Für den Energiekonzern sei die Stilllegung das grösste Projekt seit dem Bau des Werks vor rund 50 Jahren.

Wie die Stilllegung funktioniert

Im Maschinenhaus wird aber nicht nur Material abtransportiert, es entsteht auch Neues. Wie etwa eine Trockenstrahl-Box. «In dieser Anlage wird die Oberfläche von ausgebautem Material abrasiv abgearbeitet, am Schluss bleibt nur noch Metall übrig», erklärt Stefan Klute, Gesamtprojektleiter Stilllegung bei der BKW.

Alles was auf dem Metall war, Farbe, mögliche radioaktive Kontamination, gehe weg und werde als radioaktiver Abfall entsorgt, so Klute weiter. Im Moment ist die Anlage noch im Testbetrieb.

Das Material wird trockengestrahlt.
Legende: SRF

Möglichst viele Teile, die im AKW abgebaut werden, sollen hier von ihrer Radioaktivität befreit werden. Insgesamt sind bereits über 3000 Tonnen abmontiert und abtransportiert worden.

Auf der anderen Seite des Maschinenhauses bereitet sich ein Team darauf vor, ein Loch in die Wand zu brechen. «Wir werden das Maschinenhaus öffnen, das ist so etwas wie eine heilige Kuh, denn damit begehen wir einen doppelten Zonenbruch», erklärt Bauleiter Iven Elsasser mit einem Grinsen.

Das ist unsere heilige Kuh.
Autor: Iven ElsasserBauleiter

Damit meint er, dass sich die kontrollierte Zone nach aussen verschiebt, wenn die Mauer aufgemacht wird. Hier entsteht eine neue Station; Material, das gereinigt wurde, wird hier gemessen, ob es nicht mehr radioaktiv ist.

Etwa 10 Minuten später ist es vollbracht, ein grosses Loch klafft in der Wand. Elsasser ist zufrieden. «Auf einer normalen Baustelle wäre so etwas eine leichte Sache. Aber hier müssen wir auch die nukleare Sicherheit beachten», so Elsasser.

Im Maschinenhaus hat es ein Loch.
Legende: SRF

Auch Projektleiter Stefan Klute ist froh, dass alles nach Plan gelaufen ist. Denn die Pandemie ist eine grosse Herausforderung für die BKW im ersten Jahr der Stilllegung des AKW. «Damit hat keiner gerechnet, das war die grösste Herausforderung für uns», sagt Klute. Aber sie seien trotz Personalengpässen im Zeitplan.

Keine normale Baustelle

Der Zeitplan sieht für die nächsten drei Jahre den Rückbau der stark radioaktiven Teile im Reaktorgebäude vor. Die Tests für diese Arbeiten seien gerade am Laufen, erklärt Stefan Klute. «Die Teile werden unter Wasser zerschnitten und verpackt, wegen ihrer hohen Radioaktivität», führt Klute aus. Sie hofften, dass sie im Januar damit beginnen könnten.

Bis Ende 2024 müssen dann auch die Brennstäbe aus dem Gebäude entfernt sein. Im Moment befinden sie sich in einem mit Wasser gefüllten Lagerbecken. Später werden sie ins Zwischenlager in Würenlingen AG gebracht.

Abtransportiert werden im Moment auch schwere Maschinen aus dem Maschinenhaus. Während unseres Besuchs ist das ein Hochdruck-Vorwärmer, der zu der Turbinen-Generatoren-Gruppe gehörte. Mit dem Hebekran wird er durchs Gebäude befördert und dann auf einen Lastwagen geladen, um nach Schweden transportiert und dort eingeschmolzen zu werden.

Blick ins Maschinenhaus.
Legende: SRF

Auch auf unserem Weg aus dem Maschinenhaus müssen wir einem strengen Protokoll folgen. In einer Schleuse wird gemessen, ob wir zu viel Radioaktivität abbekommen haben. «Keine Kontamination» meldet die Computerstimme. Zum Glück.

Schweiz aktuell, 15.12.20, 19:00 Uhr

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11 Kommentare

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  • Kommentar von Beat Reuteler  (br)
    @ Gubser: Wir haben immer noch wesentliche Überschüsse an Bandstrom. Das ist primär daran ersichtlich, dass die Pumpspeicherwerke immer noch zur Hauptsache in der Nacht pumpen und am Tag turbinieren. Sie können das auch auf fast jeder Stromrechnung ablesen: In der Nacht ist der Strom immer noch billiger als am Tag. Und überall dort wo immer noch Widerstandsheizungen in Wassererwärmern benützt werden, schaltet das EW diese per Rundsteuerung in der Nacht ein. =>Wir könnten ohne Beznau auskommen.
  • Kommentar von Beat Reuteler  (br)
    @Schaltegger: Seit 2011, also im Zeitraum von ca. 10 Jahren wurden in der CH Kapazitäten mit einem Potenzial von ca. 2500 GWh jährlich an Solarstrom installiert. Weitere sogenannt erneuerbare Quellen wie Windkraft, KVA's, Biomasse-Werke usw. zusammen haben nochmal so viel. Da bis jetzt noch keine Steigerung des Verbrauchs durch Wärmepumpen und E-Autos messbar ist, könnte Beznau I rasch und ohne wesentliche Importsteigerung abgeschaltet werden. Trotzdem müssten wir schneller machen mit PV.
  • Kommentar von René Balli  (René Balli)
    Ein tiefer Einblick in den vermeintlich billigen Atomstrom.