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Atomausstieg – wie weiter?
Aus Tagesschau vom 20.12.2019.
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Mühleberg ist vom Netz Die Schweiz muss aufpassen, dass ihr Strom nicht schmutziger wird

Die Abschaltung des ersten Schweizer Atomkraftwerks ist der Vollzug eines historischen politischen Entscheids: 2011, nur zwei Monate nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima, entschied die damalige Frauenmehrheit im Bundesrat, aus der Atomkraft auszusteigen. Ein solcher Entscheid wäre kaum mehr denkbar bei der heutigen Zusammensetzung des Bundesrates, sind sich viele Beobachter einig.

2017 segnete dann auch das Stimmvolk den Atomausstieg mit der Energiestrategie ab. Es ist allerdings ein langsames Ende der Atomkraft. Solange die Kraftwerke Beznau, Gösgen und Leibstadt als sicher eingestuft oder nachgerüstet werden, dürfen sie am Netz bleiben.

«Langsame Zeitgenossen»

Gerade im Nachbarland Deutschland, das bis 2022 die letzten AKWs abschalten will, löste der helvetische Ausstieg oft Kopfschütteln aus. Die Schweizer seien halt langsame Zeitgenossen, resümierte der «Spiegel».

Doch im Klimajahr 2019 zeigt sich immer deutlicher, dass der langsame Abschied von der Atomkraft wohl der richtige ist. Nur wenige Länder in Europa produzieren so wie die Schweiz nahezu klimaneutralen Strom: dank 58 Prozent Wasserkraft und 33 Prozent Atomkraft. Die Produktion aus Solarzellen, Windkraftwerken und anderen erneuerbaren Energien macht in der Schweiz laut Bundesamt für Energie erst magere sechs Prozent aus. Zum Vergleich: Deutschland kommt mittlerweile auf 40 Prozent Öko-Strom. Etwa gleich viel produziert der nördliche Nachbar aber mit klimaschädlichen Kohle- und Gaskraftwerken.

Der Ausbau von Solarstrom geht voran, aber nur langsam. Der Zubau von Wasser- und Windkraftwerken ist schwierig, es gibt Umweltbedenken. Die Schweiz ist also noch nicht bereit, ganz aus der Atomkraft auszusteigen. Nur schon die Abschaltung von Mühleberg könnte zu mehr Import von Kohlestrom aus Deutschland führen, prognostiziert der Wirtschaftsdachverband Economiesuisse. Und die Wirtschaft ist kaum bereit, nur teuren Öko-Strom im Ausland einzukaufen.

Bevölkerung muss mitziehen

Der Bundesrat will nun den Ausbau der erneuerbaren Energien ankurbeln. Mit einem neuen Energiepaket, das auch den Ausbau der Wasserkraft finanziell stärker unterstützen wird. Doch die finanziellen Anreize bringen nur wenig, wenn die Bevölkerung nicht mitzieht. Klimaschutz bedeutet in einzelnen Fällen auch Abstriche beim Landschaftsschutz: Man muss sich wohl damit abfinden, dass in einzelnen Bergtälern neue Staumauern gebaut werden.

Wenig realistisch ist die Idee, die AKWs mit Stromsparen zu eliminieren. Wenn die heutigen Benzinautos in naher Zukunft mehrheitlich elektrisch fahren, wird der Stromverbrauch wohl nochmals deutlich ansteigen.

Um zu verhindern, dass der Schweizer Strom mit jedem AKW, das vom Netz geht, nicht schmutziger wird, muss der Ausbau der erneuerbaren Energien nun also forciert werden.

Andy Müller

Andy Müller

SRF-Bundeshausredaktor

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Andy Müller ist Bundeshausredaktor des Schweizer Fernsehens. Zuvor war er Themenplaner und stellvertretender Redaktionsleiter von 10vor10. Er arbeitet seit 2007 für SRF.

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66 Kommentare

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  • Kommentar von Irtimid Wonnoque  (Irtimid W.)
    ich möchte mal gern sehen, was eine kW/Stunde im Endeffekt für die ganze Betriebsdauer des Panels kosten wird, eingeschlossen Inbetriebnahme, Wartung, Entsorgung sowie mit Berücksichtigung von beim Markboom zu anzunehmendem Erdschätzenpreisanstieg. Die Solarzellen werden schließlich nicht von Gott erschaffen, sondern überwiegend in China im Zuge komplexer chemischen und physikalischen Prozesse produziert, welche Energie, Ressourcen, CO2-Ausstoß und andere chem. Abfälle voraussetzen.
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  • Kommentar von Walter Foletti  (Walter Foletti)
    Dem Volk wurde empfohlen, die AKW‘s abzuschalten. Absolut unvorbereitet. Das war ein Schnellschuss aus der Hüfte „geschossen“, denn ein Ersatz für den Stromausfall gab es weder damals noch heute!
    Die CH spart EL- Energie wo immer möglich, aber dies wird mit immer mehr E-Autos, E-Bikes, Handys PC’s, Zuwanderung etc.. etc., gleich wieder wett gemacht!
    Fazit: Strom muss importiert werden und zwar von AKW‘s aus und von Kohlekraftwerken aus D!
    Ist es das was das CH-Volk wollte?
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  • Kommentar von Charles Morgenthaler  (ChM)
    Ich habe mal überschlagsmässig nachgerechnet, welche Fläche an modernen Solarzellen nötig wären, um damit die Energie zu erzeugen die aus Mühleberg jetzt fehlt. Es wären deutlich über 40 Quadratkilometer. Nicht eingerechnet dabei, die notwendigen Lücken für Wartung und Unterhalt. Die nötige Leistung würde zudem nur an Spitzentagen, im Sommer, während wenigen Stunden erreicht. So betrachtet ist es wohl Wunschdenken unsere AKW durch PV Anlagen ersetzen zu können.
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