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Ende der gedruckten Ausgabe Traurige letzte Redaktionssitzung bei «Le Matin»

Am Samstag erscheint die letzte gedruckte Ausgabe der Westschweizer Tageszeitung. Ein schwieriger Moment für die Redaktion.

Legende: Video Zeitung «Le Matin» wird eingestellt abspielen. Laufzeit 02:03 Minuten.
Aus Tagesschau vom 20.07.2018.

Am Samstag erscheint die letzte Ausgabe der Westschweizer Tageszeitung «Le Matin» auf Papier. Künftig wird die Zeitung nur noch im Internet publiziert. Es sei ein schwieriger und trauriger Moment, die Reaktion werde aber ihre Arbeit bis zum Ende tun, sagt der scheidende Chefredaktor Grégoire Nappey:

«Trauer kann unterschiedlich sein. Wenn jemand stirbt, weil man es erwartet hat, weil er alt war, dann ist dies oft einfacher zu ertragen. Wenn aber ein dramatisches Element dazu kommt, ist es schwieriger. Letzteres trifft auf uns zu.»

Letzte gedruckte Zeitung

Die letzte gedruckte Ausgabe soll etwas Besonderes werden. Sie wird gemäss Nappey eine Zeitung der Leserschaft, die mit Fotos ins Zentrum gerückt wird. Ebenfalls im Fokus steht die Belegschaft, denn jeder Journalist darf sich im Blatt mit einem selbstgewählten Text verabschieden.

«Le Matin» ist die meistgelesene Zeitung der Romandie. In den 1970er-Jahren setzte das Blatt auf investigativen Journalismus. Damals trug sie noch den Namen «Tribune le Matin». Die Boulevard-Themen kamen erst in den 1980er-Jahren.

Tamedia beendete Vermittlung

Der Zürcher Tamedia-Verlag hat am Donnerstag die Vermittlung durch die Waadtländer Kantonsregierung im Konflikt mit den Angestellten für beendet erklärt. Stattdessen wollte sich der Konzern auf ein weiteres Vorgehen mit der kantonalen Schlichtungsstelle für kollektive Arbeitskonflikte konzentrieren. Dabei geht es primär um den Sozialplan.

Allerdings bestreiten Journalisten und Gewerkschaften, dass die Sozialpartner die Mediation in gegenseitigem Einvernehmen verlassen haben, wie dies der Tamedia-Verlag mitgeteilt hat. Der Austritt von Tamedia aus der Mediation sei einseitig und ohne Vorankündigung erfolgt.

Auch die Waadtländer Regierungspräsidentin Nuria Gorrite zeigt sich enttäuscht. Es brauche zur Mediation zwei Partner am Tisch, sagte sie nach dem abrupten Abbruch durch Tamedia. Erst vor einigen Tagen habe man sich geeinigt, Alternativen vertieft abzuklären.

Tamedia begründete die Einstellung der gedruckten Ausgabe von «Le Matin» mit den seit 20 Jahren anhaltenden Verlusten. Im vergangenen Jahr lag das Defizit von «Le Matin» bei rund 6,3 Millionen Franken, über die letzten zehn Jahre gesamthaft bei 34 Millionen Franken.

Eine Institution verschwindet

Für Peter Rothenbühler, der «Le Matin» mehrere Jahre lang als Chefredaktor mitgeprägt hat, verschwindet mit der Printausgabe eine Institution im Welschland. Denn «Le Matin» war in seiner Einschätzung mehr als der «Blick» in der deutschsprachigen Schweiz.

«Er wurde überall und in allen Bevölkerungsschichten gelesen. Und es war die unabhängigste Zeitung, die sich eine gewisse Frechheit erlauben konnte. Auch gegenüber der Regierung, gegenüber den wichtigen Leuten und das haben die Leser geschätzt», erklärt Rothenbühler.

Kleinredaktion für Digital-Ausgabe

Künftig soll die digitale Ausgabe von einer 15-köpfigen Redaktion verfasst werden. Mit der Einstellung von «Le Matin» auf Papier droht 41 Mitarbeitern der Verlust des Arbeitsplatzes.

Der ehemalige Chefredaktor Rothenbühler prognostiziert trotz der Digital-Ausgabe für den «Le Matin» ein Tod auf Raten: «Die Idee, dass der ‹Matin› online weiterlebt, hat keine Zukunft, weil die Redaktion, die dafür zur Verfügung gestellt wird, viel zu klein ist.»

Zudem gebe es schon die grosse Online Redaktion von «20minutes». Und 20minutes online funktioniere sehr gut. «Das wäre eine dumme Konkurrenz, wenn man ‹Le Matin› online weiterleben lassen würde.»

Legende: Video Peter Rothenbühler zur digitale Ausgabe von «Le Matin» abspielen. Laufzeit 00:23 Minuten.
Aus Tagesschau vom 20.07.2018.

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9 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Fürer (Hans F.)
    Es ist leider Realität, dass immer weniger Leute eine gedruckte Zeitung kaufen oder abonnieren und dass deshalb auch die Inseratenaufträge abnehmen. Und kann es nicht verwundern, dass ein Verlag weiterhin Jahr für Jahr Millionen Franken Verluste für so ein Produkt wegsteckt, mag es von der Qualität her noch so gut sein.
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  • Kommentar von Charles Dupond (Egalite)
    Die "Vermittlung" der VD-Regierung war fuer Tamedia nur ein Mittel zum Streikbruch bis zur Einstellung der Postille. Dann wurden nicht nur die Arbeitnehmer und die Gewerkschaften, sondern gar eine Kantonsregierung mit der Macht des Staerkeren mit einer kaltschneuzigen Frechheit sondergleichen in die Wueste geschickt. Die Gewerkschaften sollten die Lehre daraus ziehen, wenn gar Kantonsregierungen nur zum Streikbruch, statt der Findung von Loesungen aufs schaendlchste missbraucht werden....
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  • Kommentar von Rolf Bolliger (rolf.bolliger@quickline.ch)
    Als GA-Besitzer sitze ich sehr viele Stunden pro Jahr in den Zügen oder Bussen. Als Zeitschriftenleser oder einfach Landschafts-Geniesser, gehöre ich zu einer äusserst kleinen Minderheit! 80-90% der Reisenden hat das kleingeschriebene iPhon oder Tablet ohne Unterbruch vor den Augen und die Finger bewegen sich laufend! Dass in dieser Realität immer mehr Medien-Unternehmen fusionieren oder keine Printmedien mehr produzieren, ist eine logische Folge dieses veränderten "Marktes" und Verhalten!
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    1. Antwort von Albert Planta (Plal)
      Haben sie den Artikel nicht gelesen? Felix Rothenbühler gibt der Onlineversion von le matin keine Chance:-(
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