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Energiewende Luzerner Hauseigentümer hadern mit der Solarpflicht

Der Kanton Luzern ist punkto Solarenergie deutlich weiter als andere. Doch nun gibt es ausgerechnet dort Zweifel am Solarausbau.

Im Kanton Luzern ist die Solarstromleistung pro Kopf gut doppelt so hoch wie im nationalen Durchschnitt. Vor allem in den ländlich geprägten Gebieten sind zahlreiche grosse Dächer von Bauernhöfen und Gewerbegebäuden mit Photovoltaikanlagen ausgerüstet. Zudem hat das Parlament 2024 beschlossen, dass bei Neubauten und Dachsanierungen Solarzellen obligatorisch sind.

Luzern ist damit bezüglich Energiewende auf gutem Weg. Doch nun gerät die Solarpflicht unter Druck: SVP und FDP stellen sie in Vorstössen im Kantonsparlament in Frage.

Solarstrom zu einem guten Preis verkaufen? Das erweist sich nun als Illusion.
Autor: Damian Hunkeler Kantonsrat FDP/LU

Denn, so sagt FDP-Kantonsrat Damian Hunkeler: «Für die Hauseigentümer sind Photovoltaikanlagen eine teure Investition. Viele erhofften sich, dass sie ihren Strom immerhin zu einem guten Preis verkaufen können. Doch das erweist sich nun als Illusion.»

Hintergrund des Unmuts ist eine neue Regelung, die am 1. Januar 2026 schweizweit in Kraft tritt. Neu dürfen Hauseigentümerinnen und -eigentümer höchstens noch 70 Prozent der Maximalleistung ihrer Photovoltaikanlage ins Stromnetz einspeisen.

Preise für Solarstrom sind im Keller

Zusätzlich verstärkt wird die Unzufriedenheit vieler Luzerner Eigenheimbesitzerinnen und -besitzer durch die Centralschweizerischen Kraftwerke CKW, dem grössten Energieversorger im Kanton. Die CKW kauften Privaten den überschüssigen Solarstrom lange zu überdurchschnittlich hohen Preisen ab.

Arbeiter installiert Solarmodule auf einem Dach.
Legende: In den letzten Jahren machten hohe Strompreise und gleichzeitig sinkende Kosten bei Solarmodulen die Installation von Photovoltaikanlagen sehr attraktiv. KEYSTONE/URS FLUEELER

Dieses Jahr senkte die CKW den Preis für Solarstrom von Privaten aber deutlich. «Damit sind viele Besitzer einer Solaranlage nicht zufrieden», sagt FDP-Kantonsrat Hunkeler, der auch Präsident des Luzerner Hauseigentümerverbands ist. «Man hat den Leuten etwas anderes versprochen.»

Zeitweise zu viel Solarstrom im Sommer

Einspeisebeschränkungen und tiefere Preise: CKW-Direktor Martin Schwab verteidigt diese neue Praxis. Der privat produzierte Solarstrom im Stromnetz werde zum Problem, vor allem an sonnigen Sommertagen. «Zeitweise wird so viel Solarstrom produziert, dass das Netz an seine Grenzen kommt», sagt er.

Private dürfen nicht damit rechnen, dass sie den Solarstrom verkaufen können.
Autor: Martin Schwab Direktor Centralschweizerische Kraftwerke CKW

Um mit den Strommengen fertig zu werden, müsste das Netz ausgebaut werden. «Doch das ist teuer. Und es macht keinen Sinn, denn diesen Strom braucht im Sommer niemand», sagt Schwab. Besser sei es, dafür zu sorgen, dass nicht unnötig viel Solarstrom ins Netz gerate.

Das funktioniere nur mit Beschränkungen – und einem Umdenken der Hauseigentümerinnen und -eigentümer: «Solarstrom ist gut, aber er sollte vor Ort verbraucht werden. Private dürfen nicht damit rechnen, dass sie ihn einem Energieversorger verkaufen können.»

«Selber brauchen zahlt sich am meisten aus»

Auch Matthias Egli, Geschäftsführer des Branchenverbands Swissolar, appelliert an die Hausbesitzerinnen und -besitzer, den Fokus nicht zu stark auf den Verkauf ihres Stroms zu richten. «Den eigenen Strom selbst nutzen, bevor man ans Einspeisen denkt – das zahlt sich am meisten aus», empfiehlt er.

Mann installiert Wärmepumpe an Hauswand.
Legende: Unter anderem mit einer Wärmepumpe lässt sich der auf dem Dach produzierte Solarstrom vor Ort nutzen. Keystone/GAETAN BALLY

Mittlerweile seien auch Batterien günstig geworden, mit denen sich der zur Mittagszeit gewonnene Strom speichern und erst abends verbrauchen lasse.

Für Egli gibt es darum keinen Grund, warum die Luzerner Solarpflicht fallen und das Tempo des Solarausbaus gedrosselt werden sollte – trotz tieferer Einspeisevergütung. Zumal der Bundesrat Ende November festgelegt hat, dass der Anteil der Solarenergie am Schweizer Strommix weiter wachsen soll: von heute 14 Prozent auf rund das Doppelte bis 2030.

Rendez-vous, 30.12.2025 12:30 Uhr ; 

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