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Exil-Iranerin in der Schweiz Grosse Sorge: Wenn sich Freunde und Verwandte im Iran befinden

In der Schweiz lebende Iranerinnen und Iraner verfolgen die Entwicklungen im Nahen Osten genau – mit grosser Besorgnis.

In ihren Gedanken und Gefühlen sind in der Schweiz lebende Iranerinnen und Iraner oft in der früheren Heimat. Trotz Waffenstillstand sind die Aussichten im Krieg im Nahen Osten ungewiss, die Lage bleibt angespannt.

Nahaufnahme von geschlossenen Augen mit grünem und rotem Lidschatten.
Legende: Die Exil-Iranerin Saghi Gholipour fordert, dass sich die Schweizer Aussenpolitik für die Menschen im Iran einsetzt. Keystone/Boris Roessler

Sie sei «ein bisschen erleichtert, aber noch immer sehr besorgt» – so die zwiespältige Stimmungslage von Saghi Gholipour. Die Exil-Iranerin ist Mitgründerin von «Free Iran Switzerland» und engagiert sich für die iranische Zivilgesellschaft.

Ich habe von einer Bekannten gehört, dass die Stimmung auf den Strassen sehr schauerlich ist. Man hat Angst, etwas Falsches zu machen. Man hat Angst, einen Misstritt zu machen.
Autor: Saghi Gholipour Exil-Iranerin und Aktivistin

«Das ist natürlich gut, wenn keine Bomben mehr fallen und keine Raketen mehr fliegen. Dennoch: Die iranische Bevölkerung leidet weiterhin unter dem Regime und das ist die ganz grosse Gefahr für die Menschen im Iran», sagt Gholipour.

Ein islamistisches Regime, vor dem auch ihre Familie in den 80er-Jahren geflüchtet war, als sie noch ein Kleinkind war.

Kontroverse Meinungen in der Diaspora

Die 42-jährige Politikwissenschaftlerin hat den amerikanisch-israelischen Krieg gegen den Iran von Anfang an abgelehnt.

Die Meinungen in der iranischen Diaspora sind durchaus kontrovers: Manche Iranerinnen und Iraner haben den Krieg ausdrücklich begrüsst. Auch solche im Bekanntenkreis von Saghi Gholipour. Viele seien jetzt aber ernüchtert.

Menschen protestieren auf der Strasse mit Bannern gegen US-Imperialismus.
Legende: Menschen haben in Zürich am Mittwoch gegen den Krieg im Iran demonstriert. Keystone/Claudio Thoma

«Die anfängliche Freude über die Angriffe auf den Iran wird immer leiser. Auch diese Euphorie – jetzt passiert etwas, jetzt wird das Regime gestürzt –, das ist alles viel leiser geworden», sagt sie.

Denn obwohl bei US-amerikanischen und israelischen Angriffen auch hochrangige Führungspersonen des Iran getötet wurden, scheint das Regime doch noch fest im Sattel zu sitzen. Saghi Gholipour zeigt ein Video, auf dem ein bärtiger Mann mit strenger Miene spricht.

«Wir haben hier einen Regimeangehörigen, der sagt: ‹Eltern, schickt eure Kinder auf die Strassen, damit sie echte Männer werden.› Also damit sie in den Krieg gehen und sich dort opfern für das Regime.» Das entspricht dem für das Regime typischen Märtyrerkult.

Hinrichtungen nehmen wieder zu

Im Iran selbst herrsche ein Klima der Angst. «Ich habe von einer Bekannten gehört, dass die Stimmung in den Strassen und in den Städten sehr schauerlich ist. Man hat Angst, etwas Falsches zu machen. Man hat Angst, einen Misstritt zu machen. Die Regimeangehörigen patrouillieren die ganze Zeit auf den Strassen und schüchtern die Menschen ein», sagt Saghi Gholipour.

Die iranisch-stämmigen Menschen in der Schweiz leben deshalb in grosser Sorge um ihre Freunde und Verwandten im Iran. Denn in den letzten Wochen hat die Zahl der Hinrichtungen im Iran wieder stark zugenommen. Menschen, die sich in irgendeiner Form gegen das Regime geäussert haben, sind in Gefahr. Selbst Minderjährigen drohe die Todesstrafe.

Zwei Personen stehen in einem verlassenen Raum.
Legende: «Ich war schon immer überzeugt, dass ein Regime-Change nicht über Krieg kommen kann. Ich glaube, dass es wichtig ist, dass die Veränderung von innen kommt. Natürlich braucht es Unterstützung von aussen – aber nicht so», sagt Saghi Gholipour. Keystone/Francisco Seco

Sie scrollt durch ihren Instagram-Account – und bleibt bei einem Beitrag hängen, der die Fotos von vier jugendlichen Gesichtern zeigt. «Sie warten auf ihre Hinrichtungen. Das bricht mir immer wieder das Herz, überhaupt diese Meldungen zu sehen – diese Zukunft, die zerstört wird, diese Leben, die zerstört werden. Das ist immer wieder ein ganz schreckliches Gefühl.»

Ihre Schicksale sollten auch die Menschen in der weit entfernten Schweiz nicht unberührt lassen. Für diese Menschen müsse sich die Schweizer Aussenpolitik einsetzen, fordert Saghi Gholipour. Und sie will trotz allem die Hoffnung auf einen demokratischen Iran nicht aufgeben. Auch wenn die Umstände gerade sehr dramatisch sind.

Echo der Zeit, 10.04.2026, 18 Uhr; bitd

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