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Soll der Bund wieder das Heft in die Hand nehmen?
Aus Echo der Zeit vom 29.12.2021.
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Explodierende Fallzahlen «Den richtigen Moment treffen – mit den richtigen Massnahmen»

Trotz der steil nach oben zeigenden Infektionskurve der Coronafälle in der Schweiz sieht der Bundesrat derzeit keinen Handlungsbedarf – auch wenn aus einigen Kantonen andere Töne kommen: So fordert etwa der Genfer Gesundheitsdirektor den Bund zum Handeln auf, und auch der Kanton Luzern will ein Machtwort des Bundes.

Lukas Engelberger, der Präsident der Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren (GDK), spricht über die Gründe, warum noch keine Entscheide gefallen sind.

Lukas Engelberger

Lukas Engelberger

Präsident Gesundheitsdirektorenkonferenz

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Lukas Engelberger ist seit Juni 2020 Präsident der Schweizerischen Gesundheitsdirektorenkonferenz. Zudem ist er seit 2014 Vorsteher des Gesundheitsdepartementes von Basel-Stadt.

SRF News: Muss der Bund jetzt nicht wieder die Führung übernehmen?

Lukas Engelberger: Angesichts der rekordhohen Fallzahlen gibt es in den Kantonen eine zunehmende Besorgnis. Damit stellt sich die Frage nach weiteren Massnahmen. Bund und Kantone müssen also prüfen, ob der aktuelle Massnahmen-Mix noch stimmt. Das ist nicht ganz einfach, da wir noch nicht wissen, wie sich die neue Omikron-Variante des Coronavirus auf die Situation in den Spitälern auswirkt.

Wir wissen noch nicht, wie sich die neue Omikron-Variante auf die Situation in den Spitälern auswirkt.
Autor:

Sollte man angesichts der sich verschlechternden Situation nicht sowieso etwas tun – damit man auf der sicheren Seite bleibt?

Auch ein zu frühes oder zu starkes Einschreiten verursacht Schäden – und es wird in der Bevölkerung nicht verstanden. Man muss den richtigen Moment mit den richtigen Massnahmen treffen. Und dafür fehlen uns im Moment noch Informationen.

Gesundheitsminister Alain Berset meldet sich:

Täuscht der Eindruck, man tue jetzt nichts, weil man noch nicht parat ist?

Das würde ich tatsächlich nicht so sehen. Bund und Kantone können in sehr kurzer Zeit zusätzliche Massnahmen verabschieden. So gelten ab dem Schulstart in der nächsten Woche in zahlreichen Kantonen strengere Regeln.

Falls sich die Situation nicht entspannt, werden wir sehr bald über nationale Einschränkungen sprechen müssen.
Autor:

Vermutlich werden wir auch über Einschränkungen bei den Grossveranstaltungen reden müssen – das liegt in der Kompetenz der Kantone. Und falls sich die Situation nicht entspannt, werden wir früh im nächsten Jahr über nationale Einschränkungen sprechen müssen.

Infektionszahlen steigen stark an

In manchen Kantonen fehlt die Infrastruktur für die Booster-Impfungen. Warum wurde das System nicht früher hochgefahren, nachdem seit Längerem klar war, dass die dritte Impfung nötig sein wird?

Die Ausgangslage ist für die Kantone sehr unterschiedlich. Trotzdem kann man sagen, dass die Booster-Kampagne gut in Fahrt gekommen ist.

Allerdings: Wenn alles in Ordnung wäre, würde der Genfer Gesundheitsdirektor jetzt nicht Alarm schlagen...

Es kann keineswegs gesagt werden, dass alles in Ordnung ist – das wäre auch eine völlig falsche Vorstellung zum Ende des Pandemiejahres 2021. Wir stecken noch mittendrin, die neue Variante Omikron ist mit viel Unsicherheit verbunden. Es geht jetzt darum, die Situation sehr eng mitzuverfolgen und dabei insbesondere die Lage in den Spitälern im Auge zu behalten. Daraus müssen wir dann die Konsequenzen ziehen.

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Omikron: Wirtschaft erwartet tausende Ausfälle am Arbeitsplatz
Aus 10 vor 10 vom 29.12.2021.
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Als Laie hat man den Eindruck, die Kantone seien vom Entscheid, den Booster schon nach vier Monaten zuzulassen, überrascht worden.

Es bleibt niemandem viel Zeit, sich wirklich vorzubereiten. Die Erkenntnisse ändern laufend. Dabei ist die Verkürzung der Frist für den Booster nach der Zweitimpfung von sechs auf vier Monate ein Musterbeispiel. Solche Entscheide gehören aber zur Krise und zur Pandemie – doch alle tun dabei ihr Bestes. Voraussehen lässt sich die Entwicklung eben nur sehr schwer.

Engelberger zum Vorwurf der fehlenden Kommunikation

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Legende: Keystone

«Wir müssen aufpassen, dass wir die Leute nicht mit zu häufiger politischen Kommunikation ermüden und einen Gewöhnungseffekt verursachen. Wir müssen dann kommunizieren, wenn wir effektiv neue Massnahmen zu verkünden haben. Und das mit entsprechender Vehemenz.»

Allerdings hat Israel schon lange vor der Schweiz mit dem Boostern begonnen...

Es gibt immer Länder, die mit Blick auf einzelne Aspekte schneller oder besser unterwegs sind. Doch insgesamt können wir sagen, dass sich die Schweiz in der Pandemie bisher nicht so schlecht geschlagen hat.

Werden wir in diesem Jahr noch etwas von Ihnen hören?

Ich wünsche mir, dass Sie erst im nächsten Jahr wieder von mir hören werden.

Das Gespräch führte Beat Soltermann.

Echo der Zeit, 29.12.2021, 18:00 Uhr;

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241 Kommentare

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  • Kommentar von SRF News (SRF)
    Liebe Community. Wir schliessen die Debatte für heute und wünschen einen schönen Abend. Liebe Grüsse, SRF News
  • Kommentar von Marina Zingg  (openyourmind)
    Hoffentlich vertreibt das warme Wetter das Virus für eine gewisse Zeit.
    Warum der BR die Feiern rund um das Silvester nicht verbieten will, ist nicht nachvollziehbar.
    Auf alle Fälle erhalten wir das Resultat in der ersten Januarwoche. .
    1. Antwort von Philipp Notter  (Phil1)
      @Zingg: Die Veranstalter (und Teilnehmer) der Feiern rund um Silvester wissen nach 2 Jahren Corona Pandemie selbst gut, welches Risiko vertretbar ist. Das ist nicht Aufgabe des BR.
    2. Antwort von Simon Hof  (SimonBS)
      @Zingg
      Auch wenn Sie es gerne hätten. Der Bundesrat schreibt mir nicht vor wann und wo und mit wie vielnen ich mich an Silvester treffen werde. Einen guten Rutsch und ein schönes Silvester. :-)
    3. Antwort von Michael Fuchs  (mfuchs)
      @Philipp Notter. Ich schätze Herr Hof illustriert gut, wie weit es um das verantwortungsbewusste Handeln jedes einzelnen her ist, da bleibt nicht viel hinzuzufügen.

      Ausser vielleicht, @Simon Hof: Doch, das tut er. 10, falls jemand ungeimpft ist, sonst 30 drinnen, und 50 draussen.
    4. Antwort von Esther Jordi  (ejejej)
      Herr Hof, da hat doch gestern ein User gemeint, er wüsste nicht, wie ich darauf kommen würde, dass sich die Menschen nicht konsequent an die Massnahmen halten würden. Ihr Kommentar beantwortet seine Frage.
  • Kommentar von Mark Rickenbacher  (RickMa)
    @SRF: Nebst der Recherche über die Demographie der Covid-19-Patienten auf der IPS, die Herr Schwarzentrub um 18:03 wünscht, wäre es auch sehr interessant zu wissen zu welchen Teilen Covid-Patienten auf der IPS auch tatsächlich wegen SARS-CoV-2 behandelt werden. Medien in England haben aufgedeckt, dass rund 1/3 zwar positiv getestet aber nicht wegen Corona auf der IPS ist. Vielleicht können Sie das mit in die Recherche nehmen, das wäre zur Relativierung ein wissenswerter Punkt.
    1. Antwort von Philipp Notter  (Phil1)
      Grüezi Herr Rickenbacher
      Finde Ihr Vorschlag absolut unterstützungswert. Eine schärfere Trennung der Fälle auf der IPS wäre gerade in Anbetracht der sehr kritischen Situation hilfreich. Wo drückt der Schuh wirklich...
    2. Antwort von SRF News editor
      Lieber Herr Rickenbacher & Herr Notter, wir haben den Vorschlag ebenfalls aufgenommen. Besten Dank und liebe Grüsse, SRF News