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Sind Schweizer AKWs vor Hochwasser sicher?
Aus Rendez-vous vom 22.02.2021.
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Extremhochwasser und AKW Könnte es auch in der Schweiz ein Fukushima geben?

  • An der Aare liegen diverse Städte und mehrere Atomkraftwerke.
  • Als Folge der Reaktorkatastrophe von Fukushima hat der Bund eine Gefahrenanalyse bei Extremhochwasser erstellt.
  • Das Fazit: Überflutete AKW in der Schweiz sind bei sehr seltenen Ereignissen möglich.

Bei einem Extremhochwasser an der Aare, das durchschnittlich alle 100'000 Jahre vorkommt, würden die Areale verschiedener Kernkraftwerke sowie anderer kritischer Infrastrukturen teils meterweise überflutet. Zu diesem Schluss kommt eine neue Studie des Bundes.

Kernanlagen metertief unter Wasser

Mit der neuen Studie «Extremhochwasser an der Aare» der Forschungsanstalt WSL wollen sich die Behörden und Betreiber verschiedener kritischer Infrastrukturen möglichst gut für ein sehr seltenes Ereignis rüsten. Sie liefert die Basis für weitere Schutzmassnahmen. Es liegen nun für das Einzugsgebiet der Aare Daten über Gefährdungen bis 100'000-jährliche Hochwasserereignisse vor.

Im Extremfall sind gemäss der durchgeführten Simulation vor der Aaremündung in den Rhein Spitzenabflüsse von mehr als 7000 Kubikmeter pro Sekunde möglich. Das entspricht dem Zwölffachen des mittleren Abflusses.

Die Studienverantwortlichen rechneten die Folgen von Rutschungen, Verstopfungen bei Brücken durch Schwemmholz, Ufererosionen, das Brechen von Dämmen oder menschliches Versagen bei der Bedienung der Wehranlagen mit in die Gefährdungsanalyse ein.

Ein Fukushima in der Schweiz?

Ein Fukushima in der Schweiz?
Legende: Checkpoint vor verwüstetem AKW Fukushima Keystone

Vier Bundesämter und das Nuklearsicherheitsinstitut Ensi stellten am Montag neue Gefährdungsanalysen für die Kernkraftwerke Mühleberg/BE, Gösgen/SO und Beznau/AG sowie für das Paul Scherrer Institut in Villigen/AG und die Stadt Olten/SO vor. Auslöser für die Untersuchung war die Nuklearkatastrophe im japanischen Fukushima im März 2011. Damals wurden grosse Mengen an radioaktivem Material freigesetzt.

Bei einem 100'000-jährlichen Hochwasser stünden die KKW Beznau und Gösgen rund 1.1 Meter unter Wasser. Auch das Gelände des abgeschalteten Kernkraftwerks Mühleberg würde bei einem extrem seltenen Hochwasser knapp einen Meter hoch überflutet.

Das PSI-Gelände in Villigen sowie das Gebiet um den Bahnhof Olten würde dagegen nur überflutet, wenn Brücken durch Schwemmholz verstopft würden. Geschähe dies, stünde der Bahnhof Olten bis zu 3.1 Meter unter Wasser.

Keine unmittelbaren Massnahmen notwendig

Die für die Sicherheitsanalysen der Kernkraftwerke relevanten Wasserspiegellagen liegen laut dem Ensi in einem ähnlichen Bereich wie in den bisherigen Analysen. Die Betreiber der Kernanlagen werden nun dennoch aufgefordert, ihre Sicherheitsanalysen auf Basis der neuen Studie zu überarbeiten.

AKW entlang der Aare
Legende: SRF

Das Bundesamt für Energie (BFE) wird die Betreiber der Stauanlagen unter Bundesaufsicht auffordern, die bestehenden Nachweise der Hochwassersicherheit im Lichte der neuen Erkenntnisse zu überprüfen. Zudem sollen ähnliche Simulationen nun auf die Einzugsgebiete weiterer grosser Fliessgewässer angewendet werden.

Die Ergebnisse werden anschliessend den zuständigen Behörden und den Anlagenbetreibern zur Verfügung gestellt mit dem Ziel, den Hochwasserschutz von kritischen Infrastrukturen bei Extremereignissen zu überprüfen und gegebenenfalls zu verbessern.

Video
Schutz gegen Hochwasser bei Schweizer Nuklearanlagen
Aus Tagesschau vom 22.02.2021.
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SRF 4 News, 22.02.2021, 11 Uhr;

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58 Kommentare

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  • Kommentar von Hanspeter Flueckiger  (Hpf)
    Hätte, hätte, Fahrradkette
  • Kommentar von Richard Limahcer  (Limi)
    Zitat aus dem Bericht im Kapitel 19 Ausblick: "Es ist abzuklären, ob die Erkenntnisse aus den neuen Klimaszenarien für die Schweiz (CH2018) allenfalls berücksichtigt werden sollten. Dabei ist auch deren Auswirkungen auf die Extremwertstatistik zu untersuchen." Wie weit wurde die Klimaerwärmung berücksichtigt?
  • Kommentar von Patrik Müller  (P.Müller)
    Diese Studie befeuert meine Phantasie. Gibt es auch Strategien wie mit einem Klimawandel im Bereich hundertausen Jahre umgegangen wird? Denn in einer solchen Zeitspanne erlebte unsere Gegend 2 Eiszeiten. Luzer, Zürich hunderte Meter unter Eis. Da ist also eine bekannte, relativ hohe Eintretenswahrscheinlichkeit.