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Verband der Veranstalter fordert einheitliche Regelungen
Aus 10vor10 vom 11.08.2020.
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Fällt die 1000er-Regel? «Wir haben noch immer keine Ahnung, wie es weitergeht»

Der Bundesrat befasst sich an seiner ersten Sitzung mit den Massnahmen gegen Corona – auch bei Grossveranstaltungen. Erstmals tritt die ganze Event-Branche vereint an die Regierung heran. SRF liegt das Positionspapier des Branchenverbandes SMPA vor. Verbandspräsident Christoph Bill sagt, was die Veranstalter vom Bundesrat erwarten.

Christoph Bill

Christoph Bill

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Christoph Bill ist Präsident der Swiss Music Promoters Association SMPA. Der Branchenverband vertritt kleine und grosse Eventpromotoren, die nach eigenen Angaben rund 80 Prozent der in der Schweiz verkauften Konzert-, Show- und Festival-Tickets absetzen. An Events der SMPA-Mitglieder treten jährlich über 3000 KünstlerInnen auf, womit mehr als fünf Millionen Zuschauer erreicht werden.

SRF News: Die Höchstgrenze für Veranstaltungen könnte nun fallen – oder durch den Bundesrat bestätigt werden.

Christoph Bill: Wir wollen endlich Klarheit! Zurzeit gilt die 1000er Grenze bis Ende August. Wenn sie aufgehoben würde, kommen wir erst gegen drei Monate später mit solchen Veranstaltungen in die Gänge, denn diese Vorlaufzeit braucht jeder Veranstalter – mindestens. Planung heisst, einen Zeithorizont zu haben. Den haben wir seit März nicht mehr.

Wir wollen eine schweizweit einheitliche Regelung für alle Kultur-Events. Heute herrscht ein Dschungel.

Was fordern Sie konkret?

Der Bundesrat soll alle 14 Tage die Situation prüfen, und uns sagen, was in drei Monaten gelten wird. Nur so können wir planen, nur so kann man vernünftigerweise eine Veranstaltung hochziehen. Entscheide alle paar Monate sind für uns Gift! In dieser Unsicherheit kauft kaum jemand ein Ticket – da kommt ein fast nicht berechenbares, wirtschaftliches Risiko dazu.

Ihr Positionspapier ist zwei Seiten lang. Was erwarten Sie noch?

Wir wollen eine schweizweit einheitliche Regelung für alle Kultur-Events. Heute herrscht ein Dschungel für Veranstaltungsbewilligungen. Von Kanton zu Kanton, selbst von Gemeinde zu Gemeinde gibt es unterschiedliche Regelungen.

Die wichtigsten Forderungen der SMPA

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  1. Schweizweit einheitliche Regelung für Events
  2. Planungssicherheit auf drei Monate hinaus im 14- Tagesrhythmus.
  3. Der Erwerbsersatz – der am 16. September ausläuft – muss nicht nur verlängert werden, sondern mindestens sechs Monate über das Ende der Massnahmen laufen.

Das geht den Schulen auch so...

Ja, aber sie gehen nur an einem Ort zur Schule oder zum Coiffeur. Veranstalter der Eventbranche haben mit verschiedenen Kantonen und dutzenden Gemeinden zu tun! Nehmen Sie die Tournee von 77 Bombay Street. Die ist auf Oktober/November geplant. Stand heute muss der Veranstalter für fast jeden Halt ein eigenes Schutzkonzept erarbeiten: Am einen Ort gelten nur die Bundesvorgaben, an einem anderen hat der Kanton eigene und am dritten redet auch noch die Gemeinde mit.

Um Schutzkonzepte kommt auch die Event-Branche nicht herum.
Ja, aber wir möchten im Dialog mit einer Stelle endlich generelle Konzepte entwickeln können, die dann überall gelten. Zum Beispiel bezüglich der Unterscheidung von Indoor- und Outdoor-Veranstaltungen. Einfach eine Höchstzahl zu haben nützt nichts.

Haben Sie Schutzkonzepte beim Bund hinterlegt?

Ja, aber ich nehme an, in der Flut aller Konzepte sind unsere irgendwo auf einem Stapel gelandet.

Wie sieht Ihr Dialog mit BAG aus?

Lange gab es gar keinen. Erst letzten Freitag konnten wir mit Vertretern des Bundes zusammensitzen. Und das war gut.

Hat man Ihnen etwas versprochen?

Nein. Es gab eine erste Auslegeordnung, und wir konnten immerhin unsere Positionen darlegen.

Alle unsere Mitglieder haben Kurzarbeit beantragt.

Sie wollen auch den Erwerbsersatz und die Kurzarbeit verlängert haben – weit über ein Ende der Coronakrise hinaus. Warum?
Die Event-Branche kann nicht ab Tag X wieder Geld verdienen. Bis man wieder Geld verdienen kann, braucht es ziemlich lange – auch, wenn die Corona-Massnahmen dereinst ganz aufgehoben werden. Von allen unseren Mitgliedern – das sind 44 Agenturen – haben alle Kurzarbeit beantragt.

Wie klappte es bisher?

Wir haben die Ausfallentschädigung des Bundes, aber der Topf ist viel zu klein. Die Erwerbsersatzordnung ist sehr wichtig, läuft aber Mitte September aus. Wir haben jetzt Mitte August und bis heute immer noch keine Ahnung, wie es weitergeht. Leider bin ich nicht optimistisch, denn die Probleme werden immer grösser.

Das heisst?

Dass Existenzen kaputtgehen, Entlassungen kommen.

Wenn Sie einen Wunsch freihätten an den Bundesrat, dann …

Dann soll er mit wirtschaftlicher Unterstützung die kulturelle Vielfalt der Schweiz retten.

Das Gespräch führte Michael Perricone.

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58 Kommentare

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  • Kommentar von Martin Müller  (Nonaeol)
    Niemand sollte verantwortlich gemacht werden. Gesundheit ist ein rares Gut und es gibt kein Recht auf Gesundheit, da sich dieses Recht nicht durchsetzen liesse. Krankheit und Tod gehören zum Leben genauso wie Geburt und Gesundheit. Es gibt keine Garantie auf Gesundheit.
    Mit Geld die Eventbranche zu unterstützen ist gut und recht, nur nützt das nichts, wenn es der Branche nicht erlaubt wird, Geld zu verdienen. Irgendwann ist alles Unterstützungsgeld aufgebraucht. Was dann?
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  • Kommentar von Urs Barrer  (Barrer)
    Nun wer braucht denn überhaupt Grossveranstaltungen ausser die Veranstalter, die damit ihr Geld verdienen wollen?
    Ich komme gut ohne Grossveranstaltungen durchs Leben!
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  • Kommentar von Franz Giger  (fjg)
    Wenn man von der Anzahl Erkrankten und Verstorbenen ausgeht besteht in der Schweiz längst keine Pandemie mehr. Also, blitzartig zurück zur Normalität + zwar nicht zur neuen PseudoNormalität.
    Die Aussichten sind jedoch verheerend. So wie es aussieht werden wir die ewige Pandemiebewirtschaftung haben. Dem Staat wurde die Macht gegeben + er nützt diese Freiheit bis in die kleinste Ritze aus, was jedoch bedeutet, dass dem Bürger massiv Freiheit genommen wird.
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    1. Antwort von Georg Fischer  (SGF)
      @fjg:Leider gehen Sie von den falschen Zahlen aus wenn es um die Entwicklung von Corona in der Schweiz geht.Immer und immer wieder.Normal rational Denkende,Gott sei Dank immer noch in der Mehrheit,lehnen Ihre unqualifizierten Thesen,ja sogar Beschuldigungen, mal für mal ab i.d.R.grossmehrheitlich ab.Das würde mir,an Ihrer Stelle,zu denken geben.
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    2. Antwort von Franz Giger  (fjg)
      lieber Herr Fischer, zu denken geben mir eher diejenigen, die gar nicht mehr über das nachdenken was ihnen täglich vorgebetet wird. Und, konkret müssten sie mir bitte darlegen, welche von mir geschilderten Zahlen falsch sein sollen.
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    3. Antwort von Lilian Albis  (...)
      @fjg: "dass dem Bürger massiv Freiheit genommen wird."? ERNSTHAFT? Ja, wir sind ein bisschen eingeschränkt und müssen an manchen Orten diese blöden Masken tragen, es gibt keine Grossanlässe. Aber all das würde ich trotzdem nicht annähernd als massive Einschränkungen bezeichnen.
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    4. Antwort von Mark Stalden  (Mark)
      Ja Herr Giger 274 Neue Fälle an einem Tag und sie erzählen uns es ist Vorbei. Alles klar.
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    5. Antwort von Ernst von Allmen  (MEVA)
      Herr Giger
      Sie habe noch nicht gemerkt dass es langsam aufwärts geht. Heute 274
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    6. Antwort von Lothar Drack  (spprSso)
      @SFG gerne stimme ich Ihnen zu. Allerdings: Nicht alle hier sind für rationale Argumente zugänglich.
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    7. Antwort von Peter Hahnau  (Peter Hahnau)
      @Lilian Albis: es sind ja nicht nur die Masken, die mir die Freiheit nehmen, unbekümmert mit dem ÖV auf einen Berg oder über einen See oder mit dem Zug zur Arbeit zu fahren. Ich darf z.B. nicht mehr anonym in Restaurant/Beiz/ Club/Kino. Ich darf nicht ohne anschliessende Quarantäne-Drangsalierung in viele Länder reisen.
      Das sind in der Tat massive Einschnitte in meine Freiheit.
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    8. Antwort von Peter Keller  (keller536)
      Herr Giger, wo wird denn Ihnen „massiv Freiheit genommen“? Ich jedenfalls fühle mich durch die Corona-Massnahmen zwar ein wenig eingeschränkt, aber durchaus frei. Die wesentlichen Freiheiten und Rechte (Menschenrechte, Bürgerrechte, Meinungsäusserungsfreiheit, usw.) sind doch kaum eingschränkt, anders als in andern Weltregionen.
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    9. Antwort von Lothar Drack  (spprSso)
      Heieiei, Herr Hahnau, das sind tatsächlich gewaltige Einschnitte und Kümmernisse, die Sie da herbeizerren! Es gibt sogar Länder, wo Sie mit Bombenhagel und Heckenschützenbeschuss rechnen müssen und nicht mit heiler Rückkehr Sie rechnen können, in der Tat, massivste Einschränkungen gibt es auf dieser Welt!
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