- Luxusautos sind ein begehrtes Ziel von Autodieben – und das immer öfter auch in der Schweiz, wie eine Recherche von «10 vor 10» zeigt.
- Dahinter stecken häufig junge Täter aus Frankreich, die im Auftrag krimineller Gruppen über die Grenze kommen.
- Laut dem Bundesamt für Polizei (Fedpol) gab es allein im laufenden Jahr bereits 180 solcher Fälle.
Etwa in Oberentfelden im Kanton Aargau: Dort brachen zwei junge Franzosen in die Garage eines Autohändlers ein, stahlen zwei BMWs und verunfallten wenig später auf der Flucht vor der Polizei. Diese nahm die Männer im Alter von 17 und 19 Jahren fest. Es ist kein Einzelfall.
Junge Täter, meist aus Frankreich, brechen in Garagen ein, stehlen die Schlüssel und flüchten mit teuren Autos. Die Recherche zeigt: ein neues Phänomen. Die Zahl der Fälle ist dieses Jahr massiv angestiegen – laut Fedpol liegt sie bei rund 180.
Angeworben auf Social Media
Die Fälle folgen einem Muster. «Bei der Täterschaft handelt es sich vorwiegend um minderjährige französische Staatsangehörige mit maghrebinischem Hintergrund», sagt Kathrin Wettstein, Mediensprecherin der Kantonspolizei Aargau.
Die Täter würden auf den sozialen Medien angeworben, reisten mit dem ÖV in die Schweiz und würden zum Beispiel via Snapchat von den Auftraggebern angeleitet, wie sie die Tat ausüben sollen. Oft würden die Ziele bewusst ausgewählt, etwa, indem online die Angebote der Autohändler ausgekundschaftet werden.
Bei der Täterschaft handelt es sich vorwiegend um minderjährige französische Staatsangehörige mit maghrebinischem Hintergrund.
Meist handelt es sich um Junglenker mit wenig Erfahrung und hohem Fluchttrieb, infolgedessen sie waghalsige Manöver eingehen, wie Kathrin Wettstein weiter sagt. Entsprechend chaotisch verläuft die Flucht oftmals. Das Ziel: so schnell wie möglich nach Frankreich.
Behörden stehen vor Herausforderung
Die Flucht läuft über Kantons- oder Landesgrenzen. Für die Polizei ist das Eingreifen schwierig. Unter der Führung des Fedpol bündeln die Kantone ihre Anstrengungen in einer Taskforce. Man arbeite mit Hochdruck an der Bekämpfung des Phänomens, stehe aber erst am Anfang, so das Fedpol.
Das Phänomen gilt als eine Erscheinungsform organisierter Kriminalität, wie das Fedpol sagt. Die Art und Weise, wie Personen rekrutiert und die Taten verübt würden, sei bereits aus anderen Ländern wie Frankreich bekannt. «Organisierte Kriminalität kennt keine Grenzen», schreibt das Fedpol. Die Tätergruppen nutzten Grenzen gar eher als Vorteil.
Autodiebstahl als lukratives Geschäft
Fahrzeugdiebstähle stellen schon länger eine lukrative Einnahmequelle für die organisierte Kriminalität dar. Obwohl die Zahl der Diebstähle in vielen EU-Staaten offenbar stabil bleibt, werden laut Fedpol immer weniger Fahrzeuge wiedergefunden. Dies deute auf die Verlagerung von Einzeltätern hin zu professionell organisierten kriminellen Gruppen hin, die mithin auch auf Bestellung bestimmte Fahrzeuge für Kunden in den Zielländern stehlen.
Die Täterschaft setzt gemäss Fedpol vermehrt auf Hightech-Werkzeuge, um sich Zugang zu Fahrzeugen zu verschaffen und Sicherheitsvorkehrungen zu umgehen. Die nötigen Geräte sowie das Anwendungswissen seien leicht online zu finden.
Organisierte Kriminalität kennt keine Grenzen.
Die meisten Autodiebstähle stehen darüber hinaus in engem Zusammenhang mit Dokumentenbetrug zur Neuregistrierung gestohlener Fahrzeuge und dem Handel mit Ersatzteilen. So würden etwa Ersatzteile aus gestohlenen Fahrzeugen ausgebaut und online verkauft.