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Die Corona-Disziplin bröckelt
Aus Info 3 vom 18.05.2020.
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Feiern, bis der Arzt kommt Sehenden Auges in die zweite Welle?

Gassen werden zu Partymeilen, in Parks liegen Menschen dicht an dicht, kaum Masken im ÖV: Fachleute sind in Sorge.

Das schöne Wochenende war verlockend und auch die kommenden sommerlich warmen Tage sind es: raus gehen in die Bar oder den Park, das Einkaufscenter oder den See.

So gingen am Wochenende an vielen Orten die Coronaregeln vergessen: an der Zürcher Bahnhofstrasse etwa oder in der Basler Ausgangsmeile, der Steinenvorstadt.

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Unmut nach Partynacht in Basel
Aus Tagesschau vom 17.05.2020.
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Ein Verhalten wie in der Steinenvorstadt sei bedauerlich, sagt der Basler Sicherheitsdirektor Baschi Dürr: «Es wäre so schade, wenn alles umsonst wäre, was wir erreicht haben.» Dürr fürchtet eine grosse nächste Welle, wenn sich die Leute nun nicht mehr an die Massnahmen halten. «Wir appellieren nach wie vor an die Eigenverantwortung der Bevölkerung. Damit steht und fällt das ganze Management rund um die Coronakrise.»

Wir konnten ein Massenaufkommen von sehr schweren Fällen verhindern. Deswegen fehlt uns ein wenig die Erfahrung der schweren Auswirkungen dieses Virus
Autor: Christiane MeierZürcher Kantonsärztin

Die Polizeidirektion der Stadt Basel erwägt nun temporäre Absperrungen für die kommenden Tage, etwa von Parks und öffentlichen Plätzen.

Bussen und Schliessungen drohen

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Bussen und Schliessungen drohen

Der Basler CVP-Regierungsrat Lukas Engelberger ist Vizepräsident der Gesundheitsdirektorenkonferenz der Kantone. Er hatte keine Freude an den Bildern von diesem Wochenende und verspricht für seinen Kanton Nachbesserungen: «Lösungen können insbesondere verbesserte bauliche Massnahmen sein.» Bars, Restaurants und Geschäfte hätten mit Plexiglaswänden und Abstandsvorrichtungen improvisieren müssen. «Das lässt sich bestimmt noch verbessern.»

Aber auch die Sensibilität und die Disziplin in der Bevölkerung müssten verbessert werden. «Allenfalls müssen Sanktionen ausgesprochen werden.» Dabei denkt Engelberger an Bussen, und – wenn nötig – auch an Schliessungen.

Auch die Läden lockten

An anderen Orten in der Schweiz erfreuten sich die Menschen ebenfalls am schönen Wetter und strömten in die wieder geöffneten Läden, oft ohne Abstände einzuhalten. Die Disziplin in der Bevölkerung lasse nach, beobachtet die Zürcher Kantonsärztin Christiane Meier. Sie hat eine Erklärung dafür: Die Krise habe die Schweiz nicht so stark getroffen wie befürchtet.

«Wir konnten einen Massenaufkommen von sehr schweren Fällen verhindern. Deswegen fehlt uns ein wenig die Erfahrung der schweren Auswirkungen dieses Virus. Ich glaube, im Moment nimmt man es etwas auf die leichte Schulter», sagt Meier. Denn das Virus könne sich rasch wieder ausbreiten.

Seepromenade in Lausanne
Legende: Menschen drängten sich am Wochenende Schulter an Schulter: im Ausgang, im Einkaufszentrum, an den Seen (wie hier in Lausanne). Und nun kommen zwei weitere verlängerte Wochenenden. Die Polizei bereitet sich auf schwierige Tage vor. Keystone

SBB plant Kampagne fürs Maskentragen

Auch in den Zügen zeigt sich, dass sich Reisende nicht sehr defensiv verhalten. Die SBB bestätigt, dass nur eine Minderheit der Fahrgäste eine Maske trägt, obwohl das empfohlen wird, wenn sich die Waggons stark füllen.

Die Bundesbahnen planen deshalb eine Kampagne, sagt Sprecher Reto Schärli – mit folgender Aussage: «Eine Schutzmaske gehört heutzutage dazu, wenn man im ÖV unterwegs ist. Und man trägt sie auf jeden Fall, wenn die Abstände nicht eingehalten werden können. Dann ist Reisen im ÖV sicher möglich.»

«Zweite Welle ist nicht vorprogrammiert»

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Die Corona-Disziplin hat an manchen Orten arg nachgelassen. Die Fachwelt ist in Sorge und spricht von Leichtsinn. Gerade auch, weil diese Woche wieder frühsommerlich warm und damit verlockend ist. Ist damit eine zweite Welle vorprogrammiert? «Nein», sagt SRF-Wissenschaftsredaktor Daniel Theis. Denn vorprogrammiert sei in dieser Pandemie nichts. «Der weitere Verlauf hängt aber stark von unserem Verhalten ab.»

Die letzten zwei Monate zeigten für Theis vor allem eines: Die Massnahmen haben gewirkt. Nun wurden einige davon gelockert. «Und wir begegnen uns anders als noch vor der Pandemie.» Die offene Frage sei nun, wie stark noch gelockert werden könne, und wie nahe wir uns kommen dürften. «Klar ist, dass man den Zwei-Meter-Abstand einhalten sollte. Die Leute werden hier ein bisschen nachlässig», so Theis. Wie schlimm das sei, wisse man aber noch nicht: «Da muss man offen sein. Aber: Je mehr Abstand, desto besser sind wir vor einer Ansteckung geschützt.»

Eine Kampagne reiche nicht aus, kritisiert der Zugpersonalverband. Er fordert eine Maskenpflicht, auch zum Schutz der Kondukteure, die in ihrem Arbeitsalltag mit zahlreichen Menschen Kontakt haben müssen und deshalb stark exponiert sind.

Nachlässigkeit führt dazu, dass die Gefahr steigt, dass die Schraube wieder angezogen wird. Der Kampf gegen das Coronavirus hat die erste Phase erfolgreich überwunden, aber eine ebenso entscheidende, noch längere Phase steht bevor.

Info 3 vom 18.05.2020, 12:00 Uhr

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140 Kommentare

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  • Kommentar von Stephan Probst  (Stephan Probst)
    Grundsätzlich hält sich die Mehrheit der Bevölkerung an die Vorgaben des Bundes. Sollte der Sicherheitsabstand nicht eingehalten werden können so sind Masken zu tragen. Dies trifft nach meiner Meinung nicht nur im ÖV zu, auch sollte die Empfehlung beim Einkaufen und in den Schulen gelten sobald die 2m nicht eingehalten werden können. Steigen die Fallzahlen wieder ist eine generelle Maskenpflicht unumgänglich.
    Geniessen wir die schönen Tage und halten uns an die Empfehlungen.
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    1. Antwort von Marlies Artho  (marlies artho)
      St.P.wenn jemand mit der Maske Probleme hat,(Atemnot),was empfehlen Sie diesen Menschen? Oder welche die, wo die Maske unter der Nase tragen da zu wenig frische Luftzufuhr. Was nützen Masken wenn man mit Händen im Gesicht herum fuchtelt, weil die Maske verrutscht usw. Im ÖV wo es eng wird ok. Auch ist es oft schwierig, da die Empfehlungen manchmal nicht ganz klar kommuniziert werden. Wie z.B. Masken nützen nicht, so frage ich mich ja auch betreffend Hygiene beim abziehen dieser Masken.
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  • Kommentar von Steffen Ziegler  (Steffen_36)
    Etwas passt nicht zusammen. Bei jedem Interview zur Partymaile in Basel reden sich die Verantwortlichen raus keiner ist zuständig. Ob Polizei oder auch Gastroverband. "Die Wirte sind keinen Polizisten".
    Der Gastroverband hat ein Corona Konzept erstellt auf Grund dessen sie wieder öffnen durften. Damit sind sie 100% in der Verantwortung Ihr Konzept durchzuziehen. Wenn es nicht klappt müssen sie Ihr Konzept überarbeiten oder dort eben Schliessen wo es nicht angewendet werden kann.
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    1. Antwort von Marlies Artho  (marlies artho)
      St. Ziegler sind Sie der Meinung man könne jede Verantwortung auf andere schieben, habe ich Sie richtig Verstanden. Nach so langer Schliessung von Menschen, ist es wahrscheinlich fast unmöglich so viele Menschen auf einmal im Überblick zu haben. Vielleicht wären Sie ja fähig all diese Menschen zu Kontrollieren und zu recht zuweisen :-(. Darum noch einmal, wer die Verantwortung für sich selbst übernimmt, mit Vorsicht, Umsicht, Rücksicht und Anstand, wäre es vielleicht kein Problem.
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    2. Antwort von Marlies Artho  (marlies artho)
      St. Ziegler denke diese Wirte werden bestimmt von der entsprechenden Behörde aufgefordert um nach zu bessern, wo sie versagt haben. Wenn Sie ein Restaurant haben und auch führen, so wissen Sie ja bestimmt wie dies manchmal funktionieren kann, wenn ein gross Ansturm kommt.
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  • Kommentar von Markus Kotthaus  (Alcheringa)
    Man sollte doch erst mal gelassen bleiben und abwarten anstatt nach der Ordnungsmacht zurufen. In der Vergangenheit hat sich noch jede noch so schlimme Grippewelle im Mai ausgelaufen. Die Schweinegrippe, MERS, SARS, Influenza 17/18, usw. waren auch schlimm. Habe ich alles direkt an der "Front" miterlebt. Aber es ist immer ohne 2te Welle vorbei gegangen!!! Bitte, bitte entspannt bleiben.
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    1. Antwort von Steffen Ziegler  (Steffen_36)
      Gelassen reagiert und abgewartet hat man in Ischgl auch. Zu lange und zu abwartend.
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    2. Antwort von Marlies Artho  (marlies artho)
      M.K. selber bin ich auch der Meinung, bevor man von einer Ungewissheit warnt (2. Welle), sollte man einfach vorsichtig sein, jedoch nicht in Euphorie fallen. Wieviel wurde schon voraus prophezeit und es traf nicht so ein, wie man es prognostizierte. Leider sind auch Wissenschafter, Virologen keine Götter, um alles genauestens vorher zu sehen. Jeder Mensch weiss ja auch nicht, ob er am nächsten morgen gesund aufwacht. Das ganze Leben ist doch ein Risiko, um ehrlich zu sein, für Jung und Alt.
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    3. Antwort von Marlies Artho  (marlies artho)
      St. Ziegler finden Sie wirklich wo die Fallzahlen gesunken sind, könne man dies mit Ischgl vergleichen? Zudem wird es immer wärmer und so wie ich hörte, hat der Virus weniger Chance. Mehr Gottvertrauen aufbauen, vielleicht nicht nur auf andere schauen, was falsch, was richtig sei, sondern selber so Leben wie man es für richtig hält, mit Vorsicht, Umsicht und Rücksicht. Nicht die Polizei, Gastrobetriebe usw. beschuldigen, sondern jeder Mensch hat die Möglichkeit bei sich selber anzufangen.
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