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Statt in die Ferien in die Quarantäne
Aus Espresso vom 28.10.2020.
abspielen. Laufzeit 02:43 Minuten.
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Ferientage nachholen Was passiert bei Corona-Quarantäne statt Ferien?

Eine Frau muss statt in die Ferien in die Quarantäne. Die Ferientage kann sie nachholen, sagt der Arbeitsrechtler.

Der Flug war gebucht, die Koffer fast fertig gepackt. Doch am Abend vor der Abreise erhält die Frau einen Anruf von ihrem Arbeitgeber: Es gab einen Corona-Fall im Team. Sie müsse in Quarantäne. Aus den Ferien in Griechenland wird nichts. Stattdessen muss die Frau die Zeit alleine zuhause verbringen. Die Frau wendet sich an «Espresso» mit der Frage: Was geschieht mit meinen fünf Ferientagen, die in die Quarantänezeit fallen? Kann ich diese zurückfordern?

Es ist unbestritten, dass es bei Ferien um den Erholungswert geht.
Autor: Roger RudolphProfessor für Arbeitsrecht Uni ZH

«Eine klare gesetzliche Grundlage fehlt für diesen Fall», sagt Roger Rudolph, Professor für Arbeitsrecht an der Universität Zürich. Aber dennoch sei der Fall klar. Es sei unbestritten, dass es bei Ferien um den Erholungswert gehe. Dazu gebe es auch Gerichtsurteile.

«Quarantäne gilt nicht als Ferienbezug»

Ferien hätten nicht nur den eigentlichen Erholungswert zum Ziel. «Also, dass ich mich vom Arbeitsstress erholen kann», erklärt der Arbeitsrechtsexperte. Es gehe auch um eine gesellschaftliche Komponente, um einen sozialen Aspekt. Dazu gehöre, dass man sich mit Freunden treffen oder seinen Hobbys nachgehen könne.

Wenn jemand hingegen auf behördliche Anordnung tagelang zuhause bleiben müsse, dann sei dieser Zweck nicht erfüllt, sagt Rudolph: «Und deshalb ist für mich klar: Eine Quarantäne gilt nicht als Ferienbezug.»

Die Hörerin kann die Ferientage aus der Quarantänezeit also nachholen, so das Fazit des Professors. Dasselbe gilt, wenn jemand mit dem Coronavirus infiziert ist und in die Selbstisolation muss. Auch in diesem Fall ist der gesetzliche Erholungswert der Ferien nicht erfüllt. Unabhängig davon, ob jemand nun einen schweren oder leichten Verlauf der Infektion hat.

Im Ausnahmefall kann der Chef die Ferien streichen

Und was gilt, wenn jemand anderes in der Firma in Quarantäne muss? Kann der Chef deshalb meine Ferien streichen oder mich sogar aus den Ferien zurückrufen, damit ich einspringe? Grundsätzlich dürfen einmal bewilligte Ferien bezogen werden, sagt Roger Rudolph. Es gebe aber Ausnahmen, wenn der Arbeitgeber übergeordnete Interessen geltend machen kann: «In einer solchen Situation geht dieses Interesse vor, so dass jemand die Ferien doch nicht antreten oder sogar aus den Ferien zurückkommen muss.»

Dabei gehe es um ausserordentliche Situationen, wie aktuell die Coronakrise, erklärt Arbeitsrechtsexperte Rudolph: «Wenn man dringendst auf Mitarbeitende angewiesen ist, weil andere ausfallen, dann kann das im Ausnahmefall zulässig sein.»

Arbeitgeber muss Kosten bezahlen

Wichtig sei, dass der Arbeitgeber in einem solchen Fall sämtliche Kosten übernehmen müsse, beispielsweise für Stornierungen oder einen Rückflug. Und selbstverständlich kann der oder die betroffene Angestellte die ausgefallenen Ferientage nochmals beziehen.

Die wichtigsten Informationen zum Coronavirus:

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Espresso, 28.10.2020, 8.13 Uhr

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Stein  (Hans Stein)
    Soll uns das Stockfoto zum Artikel suggerieren, dass man alleine zuhause in Quarantäne eine Maske tragen soll?! Haha, lächerlicher gehts echt nicht mehr.
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  • Kommentar von René Rohr  (René Rohr)
    Schön wenn der/die AN/in die Kosten erstattet bekommt und die Ferien nachholen darf.
    Worauf nie eingegangen wird ist, was wenn die Ferien mit der Familie geplant sind, der AN seine Ferien nicht antreten kann weil ein anderer Kollege ausgefallen ist und er diesen ersetzen muss?
    Dieses Szenario macht ja nicht nur die Ferien des einzelnen AN kaputt, sondern die der ganzen Familie.
    Der Schaden wird vermutlich nicht vom AG ersetzt werden.
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    1. Antwort von Lukas Gubser  (Mastplast)
      Irgendeinmal können Sie und die betroffene Familie auch einmal einfach noch dankbar sein überhaupt eine Arbeit zu haben.
      Der Arbeitgeber wird sich sicher an so Jammeris erinnern wenn es dann mal zu Entlassungen kommen müsste.
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    2. Antwort von Markus Hunziker  (MH1)
      Es spricht doch nichts dagegen, dass die Familie trotzdem in den Urlaub fährt!
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    3. Antwort von Silas Räber  (Silair)
      Dass der Arbeitgeber durch ständige Quarantänen zu massiven Verlusten kommt (es geht ja nicht nur um's Gehalt des AN, die Fixkosten müssen ja auch gedeckt werden) wird auch nicht angesprochen.
      Der "Schaden" hält sich in Grenzen, da die Ferien nachgeholt werden können. Zur Zeit ist es sowieso nicht schlau, herumzureisen.
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