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Legende: Audio Was wir gegen Foodwaste tun können abspielen. Laufzeit 10:01 Minuten.
10:01 min, aus HeuteMorgen vom 28.12.2018.
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Foodwaste über die Festtage Die Verführung ist gross – und der Geldbeutel auch

Über die Festtage wird ohne schlechtes Gewissen geschlemmt. Beim Einkauf sollte man aber hinschauen, sagt ein Experte.

Festtage sind Tage des Essens. Problematisch wird es, wenn die Hälfte des gekauften Fleisches weggeworfen wird, weil es zu viel war, wenn die Guetzli im Januar zu hart sind, um noch gegessen zu werden, und die Raclette-Reste anfangen zu schimmeln.

Laut dem Bundesamt für Umwelt werden in der Schweiz 2,3 Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen – das ist eine Mahlzeit pro Person und Tag. Knapp die Hälfte davon geht auf Abfall zurück, den jeder von uns zu Hause wegwirft. Foodwaste-Forscher Claudio Beretta erklärt, was im Kleinen getan werden kann – und im Grossen getan werden muss.

Claudio Beretta

Claudio Beretta

Foodwaste-Forscher, ETH Zürich

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Claudio Beretta ist Foodwaste-Forscher an der ETH Zürich und Präsident des Vereins Foodwaste.ch.

SRF News: Kaufen wir einfach falsch ein?

Claudio Beretta: Es gibt viele kleine Ursachen für Foodwaste. Dass wir zu viel einkaufen, ist aber ein Schlüsselaspekt. Wir haben in der Schweiz die Möglichkeit, mehr zu kaufen als wir tatsächlich brauchen. Das Angebot, die Verführung ist riesig und wir können es uns schlichtweg leisten. Weil wir immer noch relativ wenig fürs Essen ausgeben.

Was kann jede und jeder Einzelne besser machen, damit wir nicht so viel Essen wegwerfen müssen?

Wir gehen oft hungrig einkaufen. Und während dem Einkaufen nimmt dieser Hunger eher noch zu – wegen all der guten Dinge, die man sieht. Oft bieten die Läden sehr grosse Einkaufswagen an, die dazu einladen, viel mehr einzupacken als man tatsächlich braucht.

Es ist also enorm hilfreich, wenn man vor dem Einkauf in den Kühlschrank schaut und sich aufschreibt, was man in den nächsten Tagen Essen kann und damit tatsächlich braucht.

Es gibt nationale und kantonale Kampagnen gegen Foodwaste, Restaurants, die Reste verwerten oder öffentliche Kühlschränke für das Essen, das man nicht mehr braucht. Braucht es mehr Gesetze?

Es gibt tatsächlich viele Pilotprojekte und Eigeninitiativen gegen Foodwaste. Diese bewirken viel und sensibilisieren die Menschen. Sie können aber nicht im grossen Massstab Lebensmittelverschwendung reduzieren. Die Frage ist also berechtigt, wie man von einzelnen Leuchtturmprojekten zur grossen Masse kommt.

Es gibt verschiedene Meinungen darüber, inwiefern Gesetze und Anreize hilfreich wären. In Frankreich beispielsweise hat man ein Gesetz eingeführt, dass Detailhändler ab einer gewissen Grösse zu einem Vertrag mit Spendenorganisationen verpflichtet, um Lebensmittel an diese weiterzugeben.

Und in der Schweiz?

In der Schweiz ist man viel zurückhaltender mit Regulierung und will zunächst versuchen, auf dem freiwilligen Weg etwas zu erreichen. Das finde ich gut so.

Alle Akteure der Lebensmittelkette müssen Massnahmen mit Überzeugung umsetzen und nicht, weil sie das Gesetz dazu zwingt.

Alle Akteure der Lebensmittelkette müssen Massnahmen mit Überzeugung umsetzen und nicht, weil sie das Gesetz dazu zwingt. Das kann dazu führen, dass man eine Hintertüre sucht und Foodwaste dann auf diesem Weg geschieht. In Anbetracht der Dramatik des Problems dürfte man aber doch mehr Druck aufsetzen. Man könnte etwa Anreize schaffen, damit es billiger ist Lebensmittel zu spenden als sie in den Abfall zu werfen.

Das Gespräch führte Linda von Burg.

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18 Kommentare

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  • Kommentar von Jürg Häusermann (Ebenda)
    Essen fortzuwerfen ist schlicht und einfach ein Ausdruck unseres überbordenden Wohlstandes. Was im Überfluss vorhanden ust, wird zuwenig geschätzt. Und beim Wegwerfen schaut niemand zu. So what.
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  • Kommentar von Hans Meier (H-M)
    In Indinesien ist es üblich das der gastgeber alles was noch in den töpfe ist abpackt und die gäste können sich eine portion mitnehmen!!
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  • Kommentar von erna schneider (erna's)
    Früher durfte man mit Essen-Resten die Schweine füttern. Restaurants haben täglich ihre Küchenabfälle einem Bauern gebracht als Schweinefutter. Auch Lebensmittelproduzenten machten das so mit Überproduktionen oder abgelaufenen Artikeln (Emmi, Wernli usw. Seit den EU-Bestimmungen darf man solche Essens-Abfälle nicht mehr den Schweinen füttern sondern dafür werden nun Tonnen Soja als Schweinefutter importiert. Das ist auch Foodwaste!
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    1. Antwort von u. Felber (Keule)
      Und genau deswegen müsste die Frage generell heissen: Braucht es nicht weniger Gesetze?! Denn das Übel mit den MHD's ist auf dem gleichen Beamten Haufen gewachsen. Sicherheit über alles, bis zum geht nicht mehr.
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