Zum Inhalt springen
Inhalt

Schweiz Frauen fordern «Lohngleichheit jetzt!»

Seit über 30 Jahren steht das Grundrecht in der Bundesverfassung: gleicher Lohn für Mann und Frau. Und trotzdem verdienen Frauen noch immer fast 19 Prozent weniger als Männer. «Jetzt reicht's», sagt ein Bündnis aus Frauen aller politischen Couleur.

Legende: Video Nicht nur die Lohndiskriminierung prangern die Frauen an abspielen. Laufzeit 01:53 Minuten.
Aus Tagesschau vom 07.03.2015.

Es ist ein eindrückliches Zeichen: In Bern haben mehr als 12'000 Frauen und Männer für eine rasche und konsequente Umsetzung der Lohngleichheit in der Schweiz demonstriert. Zur Kundgebung aufgerufen hatte ein breites Frauenbündnis von 48 Organisationen von links bis rechts.

Die Demonstrierenden versammelten sich am frühen Nachmittag und zogen mit Trillerpfeifen sowie Tausenden von weissen und pinkfarbenen Ballons durch die Berner Innenstadt auf den Bundesplatz. Auf Transparenten und in Sprechchören bekräftigten sie ihre Forderungen nach «liberté – égalité – solidarité».

Stellvertretend für die Breite des Bündnisses – 48 Organisationen unter der Leitung von alliance F und Gewerkschaftsbund – ergriffen mehr als ein Dutzend Rednerinnen an der Kundgebung das Wort, unter ihnen auch bürgerliche Frauen.

Es komme nicht oft vor, dass sich bürgerliche und liberale Frauen einer Demonstration anschlössen, sagte Babette Sigg, Präsidentin der CVP Frauen. «Aber auch wir verlieren langsam die Geduld», denn Lohngleichheit sei «keine abstruse Forderung von Frauenrechtlerinnen».

Schonzeit ist vorbei

Es sei beschämend, dass man 34 Jahre nach Verankerung der Lohngleichheit in der Bundesverfassung immer noch für deren Umsetzung kämpfen müsse. Zwar seien staatliche Lohnkontrollen für bürgerliche Frauen «ein Horrorszenario». Aber die Schonzeit für Unternehmen, welche die Verantwortung nicht wahrnähmen, sei nun vorbei.

Die Aargauer SP-Nationalrätin Yvonne Feri, Präsidentin der SP Frauen Schweiz, machte den provokativen Vorschlag, die Männerlöhne bei Ungleichheiten gegen unten zu korrigieren. So könnte die Wirtschaft sparen und dieses Geld in gleichstellungspolitische Massnahmen wie Kinderkrippen investieren.

Bundesrat hat reagiert

Feri stärkte SP-Bundesrätin Simonetta Sommaruga in ihrem Engagement gegen die Lohndiskriminierung den Rücken. Die vorgeschlagenen Massnahmen seien aber nur ein erster Schritt «in die richtige Richtung».

Der Bundesrat hatte im vergangenen Oktober entschieden, gesetzlich gegen die Lohndiskriminierung von Frauen vorgehen zu wollen. So sollen Unternehmen mit mehr als fünfzig Angestellten verpflichtet werden, regelmässig Lohnanalysen durchzuführen, diese kontrollieren zu lassen und im Geschäftsbericht zu publizieren.

Sommarugas Justizdepartement soll bis Mitte 2015 eine Vernehmlassungsvorlage ausarbeiten. Der Vorschlag stösst bei Bürgerlichen und Arbeitgebern allerdings auf harten Widerstand.

Manifest für Lohngleichheit

Im Vorfeld der Kundgebung hat das Bündnis ein Manifest zur Lohngleichheit lanciert. Dazu gingen bis am Samstagabend gegen 5000 Unterschriften ein. Zu den 100 Erstunterzeichnerinnen gehören etwa die alt Bundesrätinnen Micheline Calmy-Rey und Ruth Dreifuss, die Künstlerin Pipilotti Rist und die Filmemacherin Stina Werenfels.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

44 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von felix gmür, luzern
    militär, arbeiten bis 65, kein vaterschaftsurlaub. der lohn sollte der selbe sein, diese rechnung geht auf!!!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von W. Meier, BL
    Ich denke, dieser Diskussion fehlt jede vernünftige Grundlage. Die Wirtschaft regelt das doch von selber: Wenn Frauen bei gleicher Leistung tatsächlich "billiger" wären, würde doch jeder vernünftige Arbeitgeber nur noch Frauen anstellen, bzw. die Männerlöhne würden nach unten angepasst. Dass dies nicht der Fall ist, zeigt, dass die Grundannahme der Lohnungleichheit nicht stimmt.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von J.Baltensperger, Zürich
      Grundsätzlich ist ihre Aussage korrekt. Die Lohnungleichheit besteht aber und ist wirtschaftlich begründet - bei Frauen vor den Wechseljahren besteht die Gefahr einer Schwangerschaft, welche zu langen Abwesenheiten und damit grossen Einbussen beim Arbeitgeber führt. Überdies habe ich das Gefühl (rein subjektiv), Frauen gewichten tendenziell das Gehalt weniger bei der Auswahl einer Stelle, sind bei Lohnverhandlungen bescheiden und kämpfen weniger für ein höheres Gehalt.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von d meier, kriegstetten
    Wenn Gleichstellung, dann bitte auch bei Vaterschaftsurlaub, Militärdienst, Pensionsalter.... !!!! Gleichstellung für die Feministinnen heisst fast ausschliesslich: Mehr Rechte und weniger Pflichten als die Männer. Das ist nämlich auch seit 30 Jahren so... Rosinenpickerei!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen