Die Fieberkurve steigt in Freiburg nicht mehr. Denn das Gottéron-Fieber ist sowieso schon seit Tagen auf dem Höchststand angekommen, viel mehr geht da gar nicht mehr. Ein Sieg fehlt noch, um den ersten Meistertitel in der Geschichte des HC Fribourg-Gottéron zu erreichen. Ein Sieg im Spiel 7 des Playoff-Finals in Davos.
Seit Tagen dominiert Gottéron die Titelseiten bei den Freiburger Medien. Man sieht fast überall immer Leute mit ihren Gottéron-Schals auf den Strassen rumlaufen. Bei den Gesprächen gibt es sowieso nur noch dieses eine Thema. Selbst die Busse der Freiburger Verkehrsbetriebe TPF waren am Morgen vor dem Spiel mit der Botschaft «Gottéron! Gottéron!» unterwegs.
Freiburg – ein Hockey-verrückter Kanton
Selbst am vergangenen Sonntag, als in Freiburg eine politische Abstimmung anstand, wurde im Rathaus wohl fast mehr über Eishockey gesprochen. Politische Gegnerinnen und Gegner scherzten, dass sie später zusammen nach Davos fahren würden, um das fünfte Spiel zu schauen. Die Fieberkurve, die befindet sich definitiv auf dem Zenit.
Freiburg ist ein Eishockey-verrückter Kanton. Es gibt heute kaum jemanden, egal ob alt oder jung, Mann oder Frau, der oder die sich überhaupt nicht dafür interessiert, was Gottéron macht. Der Klub ist das verbindende Element von Stadt und Land, von deutschsprachigem und französischsprachigem Kantonsteil. Les Dragons – die Drachen, wie die Mannschaft hier genannt wird – sind das, was so gut wie alle Leute hier vereint.
Julien Sprunger – schon unsterblich, aber (noch) ungekrönt
Wenn der Pokal nun – nach fast 50 Jahren in der höchsten Liga – endlich zum ersten Mal nach Freiburg kommen würde – das wäre für den ganzen Kanton unschlagbar, das lässt sich eigentlich kaum in Worte fassen.
Niemandem wünscht man den Pokal mehr als Julien Sprunger. Er hat die russischen Weltstars Slawa Bykow und Andrei Chomutow, die in den 1990er-Jahren für Gottéron stürmten, schon lange als grösste Klublegende abgelöst.
Sprunger ist einer von hier, aufgewachsen in Freiburg, hier zur Schule gegangen, die Juniorenabteilungen von Gottéron durchlaufen, auch als Profi nie für ein anderes Team auf dem Eis gestanden. Er hat für Gottéron über 1000 Spiele gemacht. Hat über 800 Skorerpunkte gesammelt. Er war Nationalspieler, er führt das Team von Gottéron seit 10 Jahren als Kapitän an.
Und Sprunger spielt auch mit 40 Jahren immer noch eine wichtige sportliche Rolle, das hat etwa sein Tor zum 1:0 im sechsten Spiel des Finals gezeigt. Wenn er nun, im letzten Spiel seiner Karriere, dem ganzen mit dem ersten Meistertitel für Gottéron die Krone aufsetzen könnte, das würde ihn definitiv unsterblich machen in Freiburg. Wobei, eigentlich ist er das schon jetzt.
Bei einem Sieg winkt die Freinacht
Sollte Gottéron den Titel wirklich gewinnen, dann werden hier alle Dämme brechen. Die Behörden haben bereits angekündet, dass es im Falle eines Sieges eine Freinacht gibt, auch die Busse des öffentlichen Verkehrs würden dann die ganze Nacht lang fahren. Und es gäbe ganz sicher die grösste Party, die Freiburg jemals gesehen hat.