Die Hitzewelle hat begonnen. Je nach Prognose könnten an einigen Orten in der Schweiz sogar die historischen Höchsttemperaturen für den Juni übertroffen werden. In den meisten Schweizer Regionen wird in der nächsten Woche die höchste Trockenheitsstufe erreicht, prognostiziert der Bund.
Für die Landwirtschaft ist das ein grosses Problem, denn schon seit Mai sei es ausserordentlich trocken, sagt David Brugger, Leiter des Geschäftsbereichs Pflanzenbau beim Schweizer Bauernverband. Nun folgt auch schon Mitte Juni eine Hitzewelle.
Diese Hitze komme zu einem heiklen Zeitpunkt. Viele Pflanzen befinden sich jetzt im vollen Wachstum, so Brugger. «Kartoffeln zum Beispiel bilden jetzt die jungen Kartoffeln aus.» Und wenn das sehr früh stattfinde, dann habe das einen erheblichen Einfluss.
Wenn es längere Zeit über 35 Grad wird, dann geht die Pflanze eigentlich ein.
Wird es so heiss, fahren die Pflanzen ihr Wachstum herunter oder stellen es ganz ein. Die Qualität der Ernte leidet. Hülsenfrüchte, etwa Erbsen, trifft es besonders hart. «Wenn es längere Zeit über 35 Grad wird, dann geht die Pflanze eigentlich ein, weil sie sich gar nicht mehr kühlen kann», erklärt David Brugger.
Viele Bäuerinnen und Bauern würden deshalb nun versuchen, ihre Pflanzen zu bewässern. Aber selbst das helfe bei dieser Hitze kaum mehr. Die Ernteausfälle könne er aber noch nicht abschätzen, so Brugger. Klar ist: Das Problem wächst langfristig.
Forschung zu robusteren Sorten
Hitze und Trockenheitsperioden werden durch den Klimawandel häufiger. Bäuerinnen und Bauern müssten sich immer genauer überlegen, welche Sorten sie anbauen, sagt Stefan Vogel. Er forscht an der Berner Fachhochschule zum Ackerbau. Man versuche Sorten auszuwählen, die Hitze und Trockenheitsphasen besser überstehen.
Die optimale Sorte für alle Gegebenheiten gibt es leider noch nicht.
Durch den Klimawandel aber wird neben Hitze und Trockenheit auch ein anderes Extrem häufiger: Starkniederschläge. Wegen der Nässe werden zum Beispiel Kartoffeln oft von Pilzen befallen. «Das alles zu kombinieren ist sehr schwer und daher gibt es die optimale Sorte für alle Gegebenheiten leider noch nicht», sagt Stefan Vogel.
Super-Sorten, die eine Hitzewelle wie jetzt, aber auch einen extrem nassen Juni wie im Jahr 2024 überstehen können, werden also immer dringender gebraucht. Die Forschung sucht immerhin danach.