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Augenschein in einer Büezer-Beiz
Aus Regionaljournal Bern Freiburg Wallis vom 14.04.2021.
abspielen. Laufzeit 04:38 Minuten.
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Gastronomie während Corona «Büezer-Beizen» – eine verpasste Chance?

Seit März dürfen Restaurants Leute im Aussendienst, also «Büezer», bewirten. Doch die Wirte lassen es meist sein.

Im Restaurant «Zur Linde» in Kappelen im Berner Seeland ist alles fast wie vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie: Die Gäste kommen und gehen, in der Küche bereiten die Köchinnen das Essen vor.

Die Wirtin Yvonne Schenk begrüsst zwar ihre Gäste, diese müssen das Essen und Trinken aber selber am Buffet holen, die Anzahl Tische ist massiv eingeschränkt. Es sind eben doch Pandemie-Zeiten.

Trotzdem: Seit Anfang März gibt es für Gärtnerinnen, Bauarbeiter, Installateurinnen die Möglichkeit, wieder in einem Restaurant zu essen. «Betriebskantine für Berufstätige im Ausseneinsatz» heisst das vom Bund bewilligte Konzept, oder im Volksmund «Büezer-Beiz».

Nur wenige Betriebe

Das Konzept wurde auf Druck der Baubranche realisiert und ist in den meisten Kantonen erlaubt. Nun zeigt sich, dass nur wenige Restaurants mitmachen – darunter eben auch die Besitzerin der Linde in Kappelen, Yvonne Schenk. «Ich will etwas für meine Stammgäste tun und hoffe, dass unser Restaurant nicht vergessen geht.»

Dank der Büezer-Beiz gehen wir bei unseren Stammgästen nicht vergessen.
Autor: Yvonne SchenkWirtin

Ihr Engagement wird geschätzt. «Es ist schön, wieder einmal am Mittag richtig zu essen», sagt ein Gärtner. «Auch wenn es jetzt wieder wärmer wird, sind wir froh, kurz drinnen Pause zu machen.» Ein Installateur plant sogar extra seine Touren so, dass er hier über Mittag haltmachen kann.

Ein «Nullsummenspiel»

Yvonne Schenk bietet schon länger Take-away an, nun seit ein paar Wochen öffnet sie auch als Büezer-Beiz. «Es ist ein Nullsummenspiel», sagt sie. Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind noch immer zu Hause und haben Kurzarbeit, dafür hilft die Familie im Betrieb mit. Trotzdem ist Yvonne Schenk überzeugt, das Richtige zu tun. «Wir helfen den Büezern und sie unterstützen uns». So wie Yvonne Schenk sehen es aber nur wenige Berufskolleginnen. In einigen Kantonen gibt es mehr Büezer-Beizen, in anderen kaum welche.

Warum die grossen regionalen Unterschiede?

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Die Büezer-Beizen sind nicht überall gleich häufig anzutreffen. «Das hat mit den unterschiedlichen Voraussetzungen zu tun», sagt Severin Hohler von GastroSuisse. «Betriebe müssen zum Teil beim Kanton eine Bewilligung einholen, was den administrativen Aufwand erhöht.» Auch wird nicht überall gleich über offene Restaurants informiert, was das Betreiben einer Büezer-Beiz mehr oder weniger attraktiv macht. Einzelne Kantone wie beispielsweise Aargau, St. Gallen und Zürich führen eine Liste mit offenen Restaurants für Büezerinnen und Büezer und unterstützen so die Restaurants.

Haben die Betriebe geschlossen, profitieren sie vom Erwerbsersatz für Mitarbeitende. Steigt jedoch der Umsatz, entfällt dieser gegebenenfalls. Öffnen die Betriebe also nicht, weil sie um diese Entschädigungen fürchten? Hohler schliesst es nicht aus. «Für einzelne kann das ein Grund sein», sagt er. «Aber die allermeisten betrifft es nicht, weil der Umsatz auch mit der Büezer-Beiz tief bleibt.»

Gerade im weitläufigen Kanton Bern machen nur wenige mit. «Es rentiert schlicht nicht», sagt Thomas Oberli. Er ist beim Verband Gastro-Bern Vize-Präsident der Sektion Emmental-Oberaargau. Die Büezer seien eine zu kleine Kundengruppe. Er will deshalb auch nicht von einer verpassten Chance für die durch Corona arg gebeutelten Gastro-Betriebe sprechen.

Aufwand und Ertrag sind für viele Gastro-Betriebe nicht im Gleichgewicht.
Autor: Thomas OberliVertreter Gastro-Verband

Zudem verweist Oberli auf die Auflagen. Es gilt nicht nur ein Sicherheitskonzept mit Servier-Verbot und Abstandsregeln, die Handwerksbetriebe müssen ihre Leute anmelden, zudem ist jedes Mal eine Reservation sowie eine Registrierung für das Contact-Tracing nötig.

Die Seeländer Wirtin Yvonne Schenk lässt sich davon nicht abschrecken. «Der administrative Aufwand ist klein und in einer Minute erledigt.» Eines ist ihr wichtig: «Es bringt nichts, den Kopf in den Sand zu stecken.»

Terassen öffnen wieder

So oder so sei sie nun froh, dass es nun gewisse Lockerungen gibt. Yvonne Schenk weiss aber noch nicht, ob sie die Terrasse öffnen will. «Wenn das Wetter nicht gut ist, wird das Essen kalt und den Gästen ist es nicht wohl.»

Zudem ergibt sich in ihren Augen ein neues Problem. Die Wirtin muss künftig schauen, dass nur die Büezerinnen und Büezer drinnen essen und nicht noch andere Personen, welchen es gemäss den Corona-Massnahmen nicht erlaubt ist. «Polizistin spielen mag ich nicht.»

Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 14.04.2021, 06:31/17:30 Uhr

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17 Kommentare

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  • Kommentar von Tim Luethi  (timluethi)
    Corona Hilfen müssten flexibler sein, viele öffnen wohl nicht, weil sie Angst haben, dass sie sich so die Corona Hilfen verspielen. Die Corona Hilfe sollte auch entsprechend der eigenen Möglichkeiten angepasst werden.
  • Kommentar von Pascal Jakob  (fizjak)
    Von corina arg gebeutelt? Dank den corona hilfen gab es weniger konkurse als es sonst gab. Also geht es ihnen eig ganz gut. Es ist genau die situation eingetreten welche es zu verhindern gilt. Man schleppt nicht konkurrenzfähige betriebe mit und am ende wenn die hilfen eingestellt werden gibt es einen grossen klapf, da auch die anzahl an neugründungen gestiegen ist, die bevölkerung aber gleich gross bleibt.
    1. Antwort von Urs Felber  (ursus felber)
      Es hat aber kein einziger Laden nach General Schliessungen geschrieen. Und jetzt ist es halt so wie es ist! Da können die Betriebe nichts dafür, übrigens sind die guten der Gastronomie auch nicht happy darüber, wenn die Pfeifen der Konkurrenz mit Staatsgelder über Wasser gehalten werden!
  • Kommentar von rebekka eigenmann  (reigenmann)
    es ist eine harte Zeit für die Gastronomie. Aber auch jetzt sollte man das beste draus machen. Meine Erfahrung ist, dass es riesige Unterschiede ist, was sich ein Gastronom einfallen lässt und wie flexibel man ist. So habe ich während des letzten Jahres mehrfach erfolglos bei diversen Restaurant versucht Essen zu bestellen während den angegeben Take away Zeiten. Da fehlt mir das Verständnis. Applaus für diejenigen, die sich da mehr einsetzen ihren Betrieb am laufen zu halten.
    1. Antwort von Jo Egli  (Jolly)
      Die meisten Betriebe sind wirklich sehr unflexibel, machte diese Erfahrung auch. Wo kein Profit herausschaut wird auch nichts gemacht, nur in höchsten Tönen gejammert. Da unterstütze ich die Betriebe die ums Überleben kämpfen und geöffnet haben erst recht
    2. Antwort von Urs Felber  (ursus felber)
      Jetzt wirds immer besser, soll die Gastronomie auch noch Geld einschiessen, das man mit diesen unmöglichen regeln noch drauf legen darf als Wirt!!! Das kommt wohl vom 8-17 job??
    3. Antwort von Astrid Meier  (Swissmiss)
      Ganz krass ist die mangelnde Solidarität mit den Angestellten der Gastronomiebetriebe, die eh nicht zu denen mit grossem Einkommen zählten!