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Aktion «Beizen für Büetzer»
Aus Schweiz aktuell vom 02.03.2021.
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Neue Corona-Regeln Nur für Büezer wollen die wenigsten Beizen öffnen

Obwohl Restaurants nun Handwerker bedienen dürfen, verzichten die meisten. Die bürokratischen Hürden sind zu hoch.

Förster, Schreinerinnen und Gärtner: Sie dürfen seit dieser Woche wieder im Restaurant zu Mittag essen. Der Bundesrat hat den Kantonen erlaubt, diesbezüglich die Corona-Regeln zu lockern. Viele Kantone nutzen diese neue Freiheit und machen es den Restaurants möglich, über den Mittag zu sogenannten Büezer-Beizen zu werden. Um «Berufstätige im Ausseneinsatz» zu bedienen, wie es der Bundesrat definiert.

Bei diesen Regeln lohnt es sich nur zu öffnen, wenn man eine grosse Baustelle vor dem Haus hat.
Autor: Eveline NeeracherPräsidentin Gastro Bern

Doch: Bei den Wirtinnen und Wirten hält sich die Begeisterung in Grenzen. Die wenigsten wollen ihren Betrieb allein für Handwerker öffnen. Im Kanton St. Gallen hatten heute Mittag 45 Restaurants geöffnet, in Schwyz waren es 10, in Uri und Zug je 6 und in Luzern sogar nur ein einziges. Das zeigen Recherchen von SRF.

Wirtinnen müssen einiges erfüllen

Das geringe Interesse rührt nicht etwa von einer Abneigung gegen Büezer, sondern von den bürokratischen Hürden, die den Restaurants im Weg stehen. Nebst den allgemeinen Schutzmassnahmen gilt Folgendes:

  • Die Büezer-Beizen müssen sich beim Kanton anmelden.
  • Es dürfen ausschliesslich Berufsleute bedient werden, die im Freien arbeiten.
  • Die Öffnungszeiten sind auf 11 bis 14 Uhr beschränkt.
  • Die Gäste müssen sich schriftlich anmelden und das Restaurant muss ihre Daten 14 Tage lang aufbewahren.

Gewisse Kantone gehen mit ihren Einschränkungen sogar noch weiter. Bei diesen Regeln lohnt es sich nur zu öffnen, wenn man eine grosse Baustelle vor dem Haus hat», sagt Eveline Neeracher, Präsidentin von Gastro Bern. Ihr eigenes Restaurant hält sie deshalb geschlossen. Walter Tobler, ihr Kollege aus St. Gallen, doppelt nach: «Wir müssen uns als Restaurant beim Kanton anmelden und die Arbeitgeber müssen ihre Mitarbeitenden bei uns fürs Essen anmelden. Dieser Aufwand ist definitiv zu gross.»

Es macht Freude, wieder zusammen an einem Tisch sitzen zu können, etwas Gutes zu essen und über Gott und die Welt zu plaudern.
Autor: Schreiner aus dem Kanton Zug

Kommt hinzu, dass schlussendlich die Restaurants haften würden, wenn sie aus Versehen einen Kaufmann oder eine Bankerin bedienen – also jemanden, der im Büro und nicht im Freien arbeitet. Das bestätigt Urs Renggli von der Luzerner Gewerbepolizei. «Die Restaurants sind verpflichtet, nur Leute hereinzulassen, die angemeldet sind.» Bei Verstoss drohe eine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft.

Handwerker schätzen es

Es muss also einiges zusammenspielen, dass es sich für ein Restaurant lohnt, unter diesen Bedingungen zu öffnen. Beim Rössli in Menzingen im Kanton Zug tut es dies. Der Schritt zur Büezer-Beiz war da relativ klein, weil das Restaurant schon länger Take-Away anbot und die Küche deshalb bereits in Betrieb hatte. Ausserdem war das Rössli bereits davor bekannt und beliebt als Handwerker-Beiz. «Heute lief es gut», meint Wirt René Zürcher kurz nach der Mittagszeit. Rund zwanzig Mittagsmenüs konnte er vor Ort servieren und noch ein paar weitere per Take-Away.

Auch Zürchers Gäste wissen es zu schätzen, fürs Mittagessen wieder in die Beiz zu können. «Es macht Freude, wieder zusammen an einem Tisch sitzen zu können, etwas Gutes zu essen und über Gott und die Welt zu plaudern», meint etwa ein Schreiner. Sein Kollege stimmt ihm bei. Er fügt jedoch an, die Massnahme käme jetzt zur Frühlingszeit reichlich spät. «Im Winter wären wir wirklich darauf angewiesen gewesen, an der Wärme Mittagessen zu können.»

SRF 1, Regionaljournal Zentralschweiz, 02.03.2021, 17:30 Uhr;

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9 Kommentare

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  • Kommentar von Felix Meyer  (gegen unwahre Wahrheit)
    Jedem Restaurant ist es freigestellt mitzumachen. Warum so viele Kommentare negativ sind, kann ich nicht nachvollziehen. Öffneten alle Lokale, wäre jedes Kuchenstück noch kleiner. Die Einstellung Lernenden die Möglichkeit zu geben ihr Wissen zu vertiefen, oder anstatt nichts zu tun, beschäftigt zu sein, finde ich super. Und für die, denen es zu teuer kommt ein paar Stunden offen zu haben, ist es auch in Ordnung. Ich finde es unschön, wenn dermassen über die Beizer hergezogen wird.
  • Kommentar von Heinz Michel  (Joshuatree)
    Was mich am ganzen auch ein wenig stört ist immer vom „Büezer“ zu schreiben, dieses Wort ist obschon mundart eine abschätzende Bedeutung, wieso kann man nicht vom Arbeiter oder Handwerker reden denn diese braucht es genau so wie die Akademiker und die Banker oder all die Studenten?!?!
    1. Antwort von Alex Volkart  (Lex18)
      Ich brauche das Wort selbst auch, kenne es aber nicht als ein abschätziges Wort. Ein Büezer oder eine Büezerin, wie ich es verstehe, ist eine hart arbeitende Person die in erster Linie handwerklich arbeitet. Ich zähle mich selbst auch dazu, auch wenn die Arbeitszeiten coronabedingt sehr variieren.Ich kann verstehen das die Restaurants nur für Büezer nicht öffnen möchten, da der Aufwand höher ist als die Einnahmen. Aber das TakeAway-Essen habe ich schon langsam satt.
  • Kommentar von Olaf Schulenburg  (freier Schweizer)
    Das kann doch einfach nicht wahr sein. Sie haben zu viel Arbeit wenn sie nur die Büezer bewirten? Ich denke eher, die bekommen mehr Geld vom Bund wenn sie ganz geschlossen haben als wenn sie teilweise öffnen. Solche Restaurants sollte per sofort kein Geld mehr vom Bund erhalten. Was sagt eigentlich der ewig jammernde Chef der Gastrosuisse dazu? Hat sicher irgend eine verständnissvolle Antwort für die Restaurants. Von allen wird höchste Flexibilität erwartet doch die Restaurants jammern.