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Ex-Mitarbeiter kritisieren Untersuchungen
Aus Rundschau vom 19.02.2020.
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Geheimdienstaffäre Cryptoleaks Ex-Mitarbeiter kritisieren Untersuchung der Bundespolizei

Die manipulierten Geräte hätten die Bundespolizei nicht interessiert, sagen ehemalige Mitarbeiter der Crypto AG.

Bruno von Ah sagt, er habe fast zwanzig Jahre geschwiegen, um die Belegschaft der Firma zu schützen, doch bei der Befragung 1994 habe er endlich geredet: «Ich sagte, dass es Hintertürchen in den Geräten hat und ich die Beweise liefern kann.» Der Bundespolizist habe seine Aussage zur Kenntnis genommen, aber nicht nachgefragt. Von Ah ist überzeugt: «Dieser Polizist wurde geschickt, um zu sondieren: Wer von uns könnte gefährlich werden?»

Ermittlungen der Bundespolizei

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Rund um die Vorwürfe gegen die Crypto AG führte die Bundespolizei in den 90er-Jahren Vorabklärungen gegen die Firma durch. Drei ehemalige Mitarbeiter erzählen gegenüber der «Rundschau» erstmals detailliert, wie sich die Befragungen der Bundespolizei abgespielt haben sollen.

Demnach habe sich die Bundespolizei weder für ihre Aussagen zu einer allfälligen Hintertür in den Crypto-Geräten noch über den amerikanischen Einfluss in der Firma interessiert. Keiner der drei Männer sei gebeten worden, ein Protokoll zu unterschreiben. Die Befragungen hätten weniger als eine Stunde gedauert.

Die CIA war offenbar über diese Befragung sehr gut informiert. In den CIA-Papieren, die der «Rundschau», dem ZDF und der Washington Post vorliegen, steht, Bruno von Ah habe mit der Polizei kooperiert und wäre ein «potenziell sehr schädlicher Zeuge».

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Von Ah: «Man hat ein schlechtes Gefühl, dass es Hintertürchen geben könnte»
Aus News-Clip vom 19.02.2020.
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Weiter schreibt der CIA-Historiker, der die Papiere verfasst hat: «Er behauptete, dass die Crypto-Geräte manipuliert sind, aber sagte nichts darüber, dass CIA und BND dahintersteckten.» Weshalb die CIA wusste, was von Ah in den Befragungen gesagt hat, bleibt ein Rätsel.

Offenbar nur Schweizer Geräte im Fokus

Laut dem ehemaligen Crypto-Mitarbeiter Jürg Spörndli habe die Bundespolizei ihm nicht gesagt, um was es gehe. Er habe aber schnell gemerkt, dass die Polizisten an den Algorithmen interessiert waren. «Ich habe ihnen gesagt, dass die Schweiz immer starke Algorithmen hatte und dass im Export keine starken Algorithmen drin waren», sagt Spörndli der «Rundschau».

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Legende: Die Affäre um die Chiffrier-Maschine zieht weiter seine Kreise. Was hat die Bundespolizei von den Vorwürfen gewusst? Keystone

Doch die Polizisten seien darauf gar nicht eingegangen, was ihn erstaunt habe: «Weil, das ist dann so ‹Schwupp› unter den Tisch.» Ihm sei klar geworden, dass es den Polizisten nur um die Schweizer Geräte gegangen sei.

Die «Rundschau» sprach mit einem dritten Mitarbeiter, der anonym bleiben möchte: «Da waren vier oder drei von der Bundespolizei und zwei von der Kantonspolizei.» L. sagt, er habe damals ausgesagt, dass Leute vom Deutschen Bundesnachrichtendienst in der Firma tätig waren. Die Polizisten hätten aber nicht reagiert: «Die haben nicht gefragt, wer denn das war oder ob ich Namen nennen könnte. Nichts.»

Jürg Bühler, der damalige Leiter der bundespolizeilichen Abklärungen, gab der «Rundschau» zu diesem Thema im Dezember 2019 ein Interview und sagte dazu: «Dass wir es nicht haben wissen wollen, stimmt nicht.» Man habe jeweils nachgefragt und oft hätten die Mitarbeiter keine konkreten Hinweise geliefert. Aktuell nimmt Jürg Bühler zu den Vorwürfen der Mitarbeiter keine Stellung mehr.

Hielt FDP-Nationalrat Geheimnis für sich?

Georg Stucky war in den 90er-Jahren im Verwaltungsrat der Crypto AG und zu dieser Zeit auch im Nationalrat (FDP). Auch er wurde von der Polizei zu den Vorwürfen befragt, gemäss CIA wurde er «von der Polizei regelrecht gegrillt.»

Stucky habe daraufhin den Geschäftsführer der Crypto AG zur Rede gestellt, und die Wahrheit über die Besitzverhältnisse erfahren. Doch Stucky scheine danach nicht das Bedürfnis gehabt zu haben, diese Informationen mit der Bundespolizei zu teilen.

Bühler erklärte im Dezember gegenüber der «Rundschau», Stucky habe nichts über eine Fremdbestimmung der Firma mitgeteilt: «In unseren Akten steht so etwas nicht.» Im Nachhinein ärgere ihn, dass die Polizei von verschiedenen Beteiligten angelogen worden sei, so Bühler: «Es gab anscheinend viele Absprachen von verschiedenen Stellen, die dafür sorgten, dass die Abklärungen der Bundespolizei ins Leere liefen.» Georg Stucky möchte dazu heute keine Stellung nehmen.

Rundschau, 19.2.2020, 20:05 Uhr; hosb

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Aus Rundschau vom 12.02.2020.
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9 Kommentare

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  • Kommentar von Denise Casagrande  (begulide)
    Einmal mehr: "falsche Leute, in falschen Positionen" - Charakterstärke, Zuverlässigkeit, "Rückgrat".....?
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  • Kommentar von Paul Graber  (PG)
    Kein Wunder - die wurden zurückgepfiffen. Wenn man den Rundschaubericht anschaut und den stellvertretenden Chef der Bundespolizei hört und seine Gesten anschaut, dann ist klar. Es wird sich auch jetzt nichts ändern. Und auch beim Interview im Rundschaubericht kann ich keine Entschlossenheit seitens der Parlamentärier erkennen. Und auch der Herr vom Bundesarchiv lässt es kalt, das wichtige Dokumente verschwunden sind. Bern ist ein einziger CIA-Sumpf - das ist Landesverrat auf höchster Ebene.
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  • Kommentar von Bruno Muller  (syd)
    Alt Bundesrichter Niklaus Oberholzer ist im Januar vom Bundesrat beauftragt worden, die Hintergründe der Affäre rund um die Zuger Crypto AG zu beleuchten. Ende Juni soll sein Bericht vorliegen. Jetzt wird aber von SRF täglich in die selber Kerbe geschlagen und ununterbrochen neue Artikel mit meist den selben Inhalten publiziert. Warum wird jetzt nicht einfach auf den Bericht der GPDel gewartet, anstatt immer neue Spekulationen in die Welt zu setzen?
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    1. Antwort von Andrea Esslinger  (weiterdenken)
      Wo sehen Sie hier Spekulationen? Von dem offiziellen Bericht erwarte ich wenig bis nichts, dashalb ist es wichtig, den Druck aufrecht zu erhalten. Denken Sie, diese Ex-Mitarbeiter werden für den Bericht befragt werden? Ich nicht.
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    2. Antwort von Olaf Schulenburg  (freier Schweizer)
      @Muller: Ohne SRF gäbe es keine GPD. Gut das SRF weiter und weiter Details beschreibt. Von der GPD selber erwarte ich gar nicht. Bestenfalls wird unter dem Druck einer Dauer- Berichterstattung dann eine PUK eingerichtet von der ich dann, ev. etwas Licht erwarte. Eventuell.
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