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Neuer Bundesratsbericht zeigt Einkommens-Ungleichheit
Aus 10 vor 10 vom 07.09.2022.
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Gender Overall Earnings Gap Die Schweiz hinkt bei der Einkommensgleichheit hinterher

Ob unbezahlte Arbeit oder Pensionskasse: Ein neuer Bericht des Bundesrats zeigt die deutlichen Einkommensunterschiede zwischen Mann und Frau. Was muss sich ändern?

Samira Marti, Basler SP-Nationalrätin, hatte 2019 ein Postulat an den Bundesrat verfasst. Darin heisst es, dass der Bundesrat im Rahmen eines Berichtes klären soll, wie der Gender Overall Earnings Gap (GOEG) sowie andere wichtige Daten zu unbezahlter Arbeit und Lohndiskriminierung in Zukunft regelmässig als Zeitreihendaten erhoben oder berechnet und veröffentlicht werden können.

Dieser Bericht liegt nun vor und erstmals wurde der GOEG für die Schweiz berechnet. Nebst der bekannten Lohnungleichheit (19 Prozent) wurden weitere Punkte analysiert.

Gender Overall Earnings Gap (GOEG)

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Der GOEG ist ein von der EU-Statistikbehörde Eurostat entwickelter und berechneter synthetischer Indikator. Er bildet gemäss Bericht die Unterschiede beim Erwerbseinkommen zwischen 15- bis 64-jährigen Frauen und Männern ab. Das Modell wurde «eingeschweizert». (siehe Bericht oben)

Gender Overall Earnings Gap

Über alles gerechnet, haben Frauen im Erwerbsalter in der Schweiz im Jahr 2018 um 43.2 Prozent weniger verdient als Männer. 2018 gehörte die Schweiz zu den Ländern mit den insgesamt grössten Erwerbseinkommensunterschieden zwischen Frauen und Männern.

Gender Pension Gap

Im Jahr 2020 betrug die durchschnittliche Höhe der Renten von Frauen 35'840 Franken; jene der Männer 54'764 Franken. Die durchschnittliche jährliche Gesamtrente der Frauen im Jahr 2020 ist somit um 18'924 Franken tiefer als jene der Männer. Im europäischen Vergleich gehört die Schweiz zu den Ländern mit einem relativ hohen Gender Pension Gap.

Unbezahlte Arbeit

Frauen wendeten mehr Zeit für Haus- und Familienarbeit auf (30 Std. pro Woche gegenüber 19 Std.). Umgekehrt setzten Männer im Durchschnitt mehr Zeit für bezahlte Erwerbsarbeit ein (31 Std. pro Woche gegenüber 21 Std.).

Politische Reaktionen

Samira Marti findet es wichtig, dass der Bericht gemacht wurde. «Es ist enorm wichtig, dass man die Realität in den nackten Zahlen abgebildet bekommt. Das Resultat ist sehr schockierend.» Frauen und Männer würden gleich viel Arbeit leisten, aber die Frauen seien trotzdem ökonomisch dermassen schlechter gestellt. «Es zeigt im Bericht auch, dass Kinder und Familiengründung ein Armutsrisiko für Frauen darstellt. Dieses Problem hat die Politik bis heute nicht gelöst.»

Was müsste sich gemäss Marti in der Zukunft ändern? «Wichtige Frauenberufe, namentlich in der Pflege, müssen besser entlohnt werden. Männer müssen ebenfalls ihren Teil bei unbezahlter Familien- und Care-Arbeit leisten.» Kinderbetreuung müsse zudem gemäss Marti gestärkt werden.

FDP-Nationalrat Andri Silberschmidt, ebenfalls 1994 geboren, erklärt: «Frauen arbeiten mehr in Teilzeitberufen und verdienen deswegen auch weniger. Wir haben aber eine Tendenz nach oben: Die Arbeitsmarktpartizipation bei Frauen nimmt zu und deswegen wird auch das Einkommen zunehmen.» Er pflichtet Marti bei, dass Männer mehr zu Hause arbeiten sollten. «In meiner Generation ist das eine Selbstverständlichkeit.»

Einer generellen Lohn-Forderung, wie es Marti fordert, steht er kritisch gegenüber. «Man muss bessere Löhne zahlen, aber schlussendlich zahlt das der Konsument und die Konsumentin. Und hier ist die Frage, ob diese Bereitschaft vorhanden ist, mehr für ein Produkt zu zahlen.» Die Rahmenbedingungen insgesamt müssten geändert werden, zum Beispiel bei der Kinderbetreuung oder der Besteuerung, so der Zürcher. «Es braucht die Individualbesteuerung.»

UNO-Bericht zeigt Ungleichheit zwischen Geschlechtern

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Ein neuer UNO-Bericht stellt wachsende Armut unter Frauen und Mädchen fest und beklagt die anhaltende Ungleichheit zu Männern. «Unsere Daten zeigen nicht zu leugnende Rückschritte im Leben von Frauen», sagte Sima Bahous, Exekutivdirektorin von UNO Women. Verschlimmert hätten ihre Lage die weltweiten Krisen bei Einkommen, Sicherheit, Erziehung und Gesundheit.

Um bis 2030 das UNO-Nachhaltigkeitsziel zur Gleichberechtigung der Geschlechter zu erreichen, brauche es deutlich grössere Anstrengungen, sagte Bahous bei der Vorstellung des am Mittwoch veröffentlichten Reports «Gender Snapshot 2022».

Ein gleichberechtigter Zugang zu Bildung würde die Lebensverhältnisse deutlich verbessern, betont der Bericht. Bei der aktuellen Geschwindigkeit, mit der diskriminierende Gesetze abgeschafft und Lücken im rechtlichen Schutz geschlossen werden, dauere es noch fast 300 Jahre, bis die Geschlechter gleichgestellt seien.

10vor10, 7.9.2022, 21:50 Uhr

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81 Kommentare

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  • Kommentar von Leni Liza  (leniliza)
    Unbezahlte Care-Arbeit ist also Privatsache.. Witzig, denn es scheint, als wäre es nur solange Privatsache, bis sich alle Beteiligten einfach mal weigern, diese Arbeit "gratis" auf eigenen Kosten zu entrichten.

    Sollte dies eintreten, macht es plötzlich "ZÄGG" -und schon ist es ein Problem der Allgemeinheit!
    Mich würde interessieren, welche Kosten da auf den Steuerzahler zukommen würden, wenn dieser künftig für alle pflegebedürftigen Senioren, verwahrloste Kinder etc. aufkommen müsste!
    1. Antwort von PAtrick Steiner  (vb22)
      Frau Liza: Wieder die Care-Arbeit.
      Jetzt muss für mein Verständnis doch mal nachfragen, ob neben der ständig erwähnten Kindererziehung, Hausarbeit und Pflege der älteren Familienangehörigen die für diese Care-Arbeit verantwortliche Person auch noch 50% der Wohnungskosten, 50% der Lebensmittel, 50% der Gesundheitskosten und 50% der Freizeitkosten selber aus dem eigene Sack berappen muss, oder ob das wohl Naturallohn ist.
      Somit ist Care-Arbeit bezahlt.
    2. Antwort von Leni Liza  (leniliza)
      @Steiner
      Ja, viele der Care-Arbeit Leistenden haben in den, von Ihnen angesprochenen Punkten, exakt die selben Ausgaben, wie die "normal" Erwerbstätigen.
      Der wirklich springende Punkt ist aber, dass (sogar wenn es eine Abmachung gegeben hätte, dass die Care-Arbeit Leistenden eine gewisse finanzielle Rückvergütung von ihrem Partner zu gute hätten), diese keinen rechtlichen "Hebel" haben, um jene einzufordern.

      Nein, Care-Arbeit ist eben NICHT bezahlt (jedenfalls nicht ansatzweise angemessen!)
    3. Antwort von PAtrick Steiner  (vb22)
      Frau Liza: Jetzt kann ich es aber nicht mehr anders sagen als ganz direkt: Liebe Frauen, selber schuld.
      Wenn die Frau den Haushalt macht, die Kinder erzieht und die Eltern des Mannes pflegt, und noch nebenbei 100 % als Arbeitnehmer arbeitet, und damit 50% der Miete, der KK und Lebensmittel bezahlt, dann ist es Zeit, dass die Frau den Mann in die Wüste schickt. Wenn nicht, dann ebenfalls selbstgewählt.
    4. Antwort von Leni Liza  (leniliza)
      @Steiner
      Kann man so sagen. Damit macht man es sich halt einfach ein bisschen leicht.
      Nur weil ich meinen Mann verlasse & Eigeninteressen verfolge, habe ich ja nicht automatisch jemanden, der die bisherige Care-Arbeit an meiner Stelle übernimmt..?!

      Womit wir wieder bei der Aussage meines Ausgangs-Posts wären: Der Steuerzahler wird sich noch wundern, wenn immer weniger Leute dazu bereit sind, gratis Care-Arbeit zu verrichten & endlich mal die realen Kosten dieser Leistungen ans Licht kommen!
    5. Antwort von Ueli Lang  (Wochenaufenthalter)
      @L.Liza
      Die Frage ist aber eine andere, hat Ihre Care Arbeit leistende Person - es können ja auch nicht nur Frauen sein - die Entscheidung dies zu tun freiwillig gewählt - beispielsweise ein Kinderwunsch oder eine freiwillige Verpflichtung im Rahmen der Familienarbeit, dann ist es eine individuelle persönliche Entscheidung, für die das Unternehmen Familie zuständig ist und nicht der Staat!
    6. Antwort von Ueli Lang  (Wochenaufenthalter)
      @L.Liza
      Nur weil Sie ihren Mann verlassen haben, ergibt sich für mich seitens des Staates überhaupt keine Verpflichtung ihre Care Arbeit abzugelten. Sie haben die Entscheidung diesen Mann zu heiraten selber getroffen, sie haben auch die Entscheidung getroffen allenfalls Kinder zu kriegen. Es sind ihre Fehlentscheidungen gewesen, die in diese Situation führen. Die Gesellschaft hat Sie nicht dazu gezwungen. Deshalb muss der Steuerzahler nicht für ihre Entscheidungen aufkommen,sondern Sie selber!
    7. Antwort von Leni Liza  (leniliza)
      @Lang
      In meinem Kommentar, sowie im (btw. hypothetischen) Beispiel, ging es darum, dass Schutzbefohlene (Pflegebedürftige, Kinder etc.) so oder so Verantwortung des Staates sind. Sollten sich also diejenigen, die bisher die gratis Care-Arbeit verrichtet haben dazu entschließen, dies in Zukunft nicht mehr zu tun, ginge die Betreuung auf Kosten des Staates. Ich wäre ja auch dafür, dass das in der Verantwortung der Familie liegen sollte. Dafür bräuchte es aber eine entsprechende gesetz. Regelung.
  • Kommentar von Sieglinde Stäubli  (staubsig)
    Es geht um Frauen. Nicht nur, weil sie Frauen sind, sondern auch, weil mehrheitlich Frauen teilzeit arbeiten. Auch Männer, die nicht vollzeit arbeiten (können), sind schlecht gestellt.
    1. Antwort von Ueli Lang  (Wochenaufenthalter)
      Komisch, finden Sie nicht? Personen die in der Wirtschaft integriert wenig arbeiten verdienen wenig. Umgekehrt leisten diese Personen teilweise Dienst in ihren Familien und um ganz ehrlich zu sein, wäre es an denen die zu entlöhnen. Es kommt ja auch niemand auf die Idee, dass die Firma Huggentobler eine Putzfrau beschäftigt und ihr der Staat den Lohn bezahlt - oder? Nicht der Staat sondern der Ehegatte oder die Familie wären für die Bezahlung verantwortlich.
  • Kommentar von Leni Liza  (leniliza)
    Ganz ehrlich... Ich verliere langsam den Glauben daran, dass es bei unseren Volksvertretern überhaupt irgendjemandem wirklich darum geht, die individuellen Situationen der Frauen zu verbessern.

    Sollte es nämlich tatsächlich darum gehen und nicht nur darauf abzielen, noch "etwas mehr für die Wirtschaft heraus zu quetschen", hätten Vorschläge wie der von Herrn Meyer (09:18 Uhr), längst an Fahrt aufnehmen sollen!
    1. Antwort von PAtrick Steiner  (vb22)
      Da muss nichts mehr Fahrt aufnehmen. Alles bereits umgesetzt.
      Verheiratet hat die Frau 50% von der PK und 50% der AHV. Gutschriften beider Einkommen zusammengezählt. Und bei Scheidung ein Splitting der beiden Guthaben und Gutschriften.
      Was die Frauen aber 100% mehr haben ist eine Hinterbliebenenrente.
      Und für individuelle Verbesserungen ist immer noch jedes Individuum selber verantwortlich. Chancengleichheit schon lange umgesetzt.
    2. Antwort von Felix Meyer  (gegen unwahre Wahrheit)
      Danke Frau Liza! Ich verstehe nicht, dass anscheinend noch nie jemand auf eine solche oder ähnliche Idee gekommen ist. Ob eine wirkliche Gleichstellung in einer Partnerschaft nicht erwünscht ist? Oder geht es darum ein Thema politisch jahrzehntelang bewirtschaften zu können? Genau so wie im Asylwesen?
    3. Antwort von Leni Liza  (leniliza)
      @Steiner
      Würden wir noch unter den Bedingungen des alten Scheidungsrechts diskutieren, würde ich Ihnen ja noch zustimmen (bzw. bedingt zustimmen, denn die selben Bedingungen sollten mE. auf jegliche eingetragene Partnerschaft anzuwenden sein).

      Jedoch wurde das Scheidungsrecht vor kurzem (zu meinem absoluten Unverständnis) in eine Richtung revidiert, welche Frauen schon wieder den kürzeren ziehen lässt!
      M.E. eher ein Rück-, als ein Fortschritt.
      (Bzgl Hinterbliebenenrente absolut bei Ihnen!)
    4. Antwort von Leni Liza  (leniliza)
      @Meyer
      Ich kann Ihr Unverständnis zu 100% unterschreiben..!

      Nur scheint es halt ein Thema zu sein, bei dem alle Beteiligten viel "Ausschlachtungs-Potenzial" wittern...

      Politisch opportun (für die Linke): Missstände aufrecht halten, damit die Opferrolle nicht verloren geht und das bisherige Klientel sich weiterhin angesprochen fühlt.

      Wirtschaftlich opportun (für die Rechte): Missstände nutzen, um sog. "Lösungen" zu bringen, die nur darauf abzielen, das Wirtschaftswachstum zu fördern.
    5. Antwort von Felix Meyer  (gegen unwahre Wahrheit)
      Stimmt schon Herr Steiner, doch ich gehe einen Schritt weiter. Alle Paare die zusammen leben, sollten gleich behandelt werden. Ich wünsche mir, dass alle, egal welcher Zivilistand und welcher Zusammensetzung individuell besteuert werden und zwar nach dem System des zusammengezählten, hälftigen Einkommens. Somit verfügen beide über ihr "eigenes" Geld. Wie sie die Ausgaben handhaben, ist ihre Sache. Jeder Mensch sollte im Bezug AHV/PK/Steuern von Beginn der Erwerbstätigkeit ein Individuum sein.
    6. Antwort von PAtrick Steiner  (vb22)
      Frau Liza: Danke für Ihre Sichtweise. Nur bleiben wir hier bitte bei der Frage der AHV/PK. Und da hat es keine Veränderung gegeben in der Frage des Splittings.
      Herr Meyer: im vorliegenden Bericht geht es aber um die Frage Einkommen Mann vs. Frau, und nicht um die selbstgewählten Lebensformen. Bitte nicht zwei versch, Themen mischen, nur weil es von Argumenten ablenkt.
    7. Antwort von Leni Liza  (leniliza)
      @Steiner
      Danke, gleichfalls :)!
      Es ist m.E. sinnvoll, diese Aspekte im Gesamtkontext zu betrachten, auch wenn das dem SRF Beitrag nicht zu 100% entspricht ;)!
      Im Endeffekt verwalten wir alle ein gewisses Grund-Budget. Dabei spielt es keine allzu große Rolle, welche Namen wir den jeweiligen Ausgaben/Einkommen geben.
      Insofern hätte das alte Scheidungsrecht eben einen gewissen finanziellen Ausgleich gebracht, welcher nun nicht mehr vorhanden ist und demnach anderweitig ausgeglichen werden muss.
    8. Antwort von Felix Meyer  (gegen unwahre Wahrheit)
      Herr Steiner, "Einkommen Mann vs. Frau" Irgendwie stimmt für mich etwas nicht. Immer wieder zu lesen, Lohnunterschiede für Mann/Frau bei gleicher Qualifikation, gleicher Erfahrung sei praktisch nicht vorhanden. Das Problem käme von der Teilzeitarbeit der Frauen. Nun, würden Einkommen Frau/Mann zusammen gezählt und geteilt, hätten beide gleich viel Teileinkommen. Das sollte separat versteuert werden. Habe soeben gelesen, die FDP Frauen haben eine Initiative zur Individualbesteuerung eingereicht.