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Berset: «Der Bundesrat hat den Startschuss für eine Test-Offensive gegeben»
Aus SRF News vom 05.03.2021.
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Gratis (Selbst-)Tests für alle Die Testoffensive kommt – ein hoffnungsvoller Tag

«Wir wollen in diesem Land eine grosse Testoffensive», «Gratistests für alle» und «ein wichtiger Schritt zurück ins normale Leben». Zwei Stunden nach der nationalen Schweigeminute für die Corona-Opfer eröffnete Alain Berset die Medienkonferenz mit diesen Worten. Jetzt kommt es endlich, das Testen, Testen, Testen. Nur Impfen und Flächentests, da sind sich alle Experten und Expertinnen einig, weisen den Weg aus der Krise.

Nicht nur Epidemiologen drängen schon seit langem auf massives Ausweiten der Corona-Tests, auch die Wirtschaft ist mit an Bord. Mehrfach forderte Economiesuisse: Testen, testen, testen – die Firmen seien willig und parat. Die Milliarde, die wir alle via Steuergelder jede Woche für den Shutdown ausgeben, könne man sich so sparen – ohne Gefahr zu laufen, in einer dritten Welle wieder das halbe Land zu schliessen.

Deshalb ist heute ein guter Tag: Der Bundesrat stellt das Land auf für die nächsten Monate, vielleicht die nächsten Jahre.

Was will der Bundesrat konkret?

  • Bisher werden in den meisten Kantonen nur Menschen mit Symptomen getestet. Das ist zu wenig. Der Bundesrat will, dass täglich Zehntausende getestet werden.
  • Neu sollen alle Kantone das Konzept aus Graubünden anwenden: PCR-Massentests in Firmen, Schulen, Institutionen und Heimen. Das wollte der Bundesrat zwar bereits Ende Januar einführen, die Kantone aber reagierten äusserst zögerlich, der Bund biete zu wenig Hilfe. Nun will er mit einer Anschubfinanzierung (64 Millionen Franken) einen Anreiz setzen. Weiterhin werden die PCR-Tests vom Bund bezahlt, die Kantone müssen lediglich die Logistik übernehmen.
  • Antigen-Schnelltests sollen in der Schweiz flächendeckend eingeführt werden, auch wenn sie weniger aussagekräftig sind als die PCR-Tests. Abgegeben werden Schnelltests wahrscheinlich in Apotheken, wo man sich auch gleich testen lassen kann. Über die genaue Umsetzung konnte Bundesrat Berset heute noch nicht informieren. Noch unklar ist auch, ob negativ-getestete Personen später erleichterten Zugang zum Beispiel in Fitnesszentren haben sollen.

Dieser dritte Punkt ist gemäss Experten zwar nicht der wichtigste in der Teststrategie, denn die Schnelltests sind bei niedriger Virenlast sehr ungenau. Aber die Ankündigung, dass die Schweiz nun nach Deutschland und Österreich auch Schnelltests einführen will, ist ein klarer Strategiewechsel, der im Bundesamt für Gesundheit lange diskutiert worden ist.

Alles ist nachhaltiger als Shutdowns

Apropos lange: Es hat lange, zu lange gedauert, bis das BAG auf diese Testoffensive setzte. Seit Herbst sind genügend PCR-Tests erhältlich, allein die Laborkapazitäten hat man anpassen müssen. Dem Kanton Graubünden gelang es – dank seiner selbst initiieren und selbst finanzierten Massenteststrategie – das BAG über die letzten Monate zum Umdenken zu bewegen.

Man versteht aussenstehend nicht, weshalb die obersten Gesundheitsbeamten nicht fulminant und mit allen Mitteln Impfungen und die Tests ermöglich(t)en. Alles ist günstiger, nachhaltiger und besser als Shutdowns.

Dennoch: Nach der Ankündigung und dem lückenhaften Start der Impfkampagne ist heute ein hoffnungsvoller Tag. Der Bundesrat stellte die zweite, wichtige, ja vielleicht entscheidende Weiche, um in eine normalere Zukunft zu gleiten – ohne «Shutdown-Ping-Pong». Noch stehen wir, wie bei der Impfkampagne, auch bei der Testoffensive ganz am Anfang. Ob Bund und Kantone beides so konsequent umsetzen können wie Shutdowns, ist zurzeit nur eine Hoffnung. Immerhin.

Michael Perricone

Michael Perricone

Stv. Leiter Inlandredaktion, SRF

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Michael Perricone ist stellvertretender Leiter der Inlandredaktion von SRF TV. Zuvor arbeitete er als Autor und Produzent bei der «Rundschau» und war stellvertretender Redaktionsleiter von «10vor10».

SRF 4 News, 05.03.2021, 15:00 Uhr

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64 Kommentare

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  • Kommentar von Patrick Salonen  (Patrick Salonen)
    Willkommen im Land der 8,5 Mio. Bundesräte, wo immer nach jedem Entscheid der Regierung jeder besser weiss was zu tun gewsesen wäre...!
    1. Antwort von Dirk Schneider  (Dirk Schneider)
      Sorry, aber das nennt man Demokratie. Scheint neuerdings für viele schwer zu ertragen zu sein, weshalb man diese weltweit abzuschaffen versucht.
    2. Antwort von Patrick Salonen  (Patrick Salonen)
      @schneider: einfach bei jedem entscheid drauf los motzen nennt man kindergarten! demokratie ist gut und wichtig. aber zur demokratie gehört auch über den tellerrand hinaus zu schauen und nicht nur für die eigenen vorteile zu schauen, und wenn diese mit einem entscheid nicht befriedigt werden, gleich drauf los zu schreien...
  • Kommentar von Timon Zielonka  (zukunft.com)
    Und wenn jetzt noch alle, die können, die COVID-19 App aktivieren, hätten wir das Problem schnell im Griff. Denn wie weiss ich ohne App, wann es Sinn macht, zu testen? Die Wahrscheinlichkeit, dass das Testen sinnvoll ist, liegt bei 0.1%. Dies kann ich mit der App vervielfachen und damit auch die Wirkung der Tests vervielfachen.
    1. Antwort von Marc Schlatter  (Marc Rafael)
      Es macht z. B. Sinn, bevor man seine Grosseltern besucht, wenn man sich bis zum Ergebnis / Besuch isoliert oder auch nur entsprechend vorsichtig verhält. Nichts gegen die App - bewahre -, aber theoretisch hätte man den sensitiven Umkreis auf zehn Meter und fünf Minuten erweitern können. Stellen Sie sich den Motivationsbooster vor, wenn einem angezeigt würde, wann und wo man sich nur in der Nähe einer Ansteckungsquelle befunden hat. Die App ist leider auf erleichterte Anwendung ausgerichtet...
    2. Antwort von Timon Zielonka  (zukunft.com)
      @Marc Schlatter Man könnte den sensitiven Umkreis in der App anpassen. Soll man das in einem gewissen Rahmen nicht am besten selber einstellen können?
    3. Antwort von Katharina Bleuer  (Blk)
      Es macht Sinn zu testen, bevor man ans Konzert oder ins Restaurant geht. Dann ist man sicher nicht ansteckend.
      Wenn das jeder macht, wäre das Thema Corona in ein paar Wochen erledigt!
    4. Antwort von Marc Schlatter  (Marc Rafael)
      @Zielonka, fände ich, falls technisch umsetzbar, eine fantastische Idee. Dann noch behördlicherseits etwas Respekt bezeugen, dass die meisten ihren Beitrag zur Bewältigung dieser Krise auf ganz eigene Art und Weise leisten, und wir sind auf gutem Weg!
    5. Antwort von Christoph Speiser  (Risor)
      Mit der Installation der App hat man nichts im 'Griff'.
      Die App sagt nur aus, dass man in der Nähe einer Person war die später positiv getestet wurde, was nicht bedeutet, das diese Person zum Zeitpunkt der Begegnung schon in der Lage war die Infektion zu übertragen.
      Wäre die Person schon zum Zeitpunkt der Begegnung schon positiv getestet worden, befände sie sich in Quarantäne und eine Begegnung hätte nie stattgefunden.
  • Kommentar von Robert Starke  (Robi1961)
    Und wann kommt jetzt endlich die Impfoffensive , auch mit neuen Impstoffen , die jetzt auch aber sehr schnell beschafft werden müssen auch in genug grossen Mengen ?