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Höherer Medikamentenkonsum bei Spitex-Patienten
Aus Rendez-vous vom 25.11.2020.
abspielen. Laufzeit 03:31 Minuten.
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Helsana-Bericht Spitex-Patienten schlucken viel mehr Medis als Heimbewohner

Helsana hat den Medikamentenkonsum von Spitex-Betreuten ausgewertet. Die Resultate sind erstaunlich – und problematisch.

Ganze 16 verschiedene Medikamente nehmen Spitex-Patientinnen und -Patienten im Durchschnitt gleichzeitig ein. Zum Vergleich: Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeheimen nehmen durchschnittlich 9 Medikamente parallel ein. Also deutlich weniger. Das zeigt der jährliche Arzneimittelreport der Krankenkassen Helsana.

Je mehr Medikamente eingenommen werden, desto höher ist das Risiko, dass es zu unerwünschten Wirkungen kommt, Medikationsfehler passieren – und dass Patienten notfallmässig ins Spital müssen.
Autor: Eva BlozikLeiterin Gesundheitswissenschaften, Helsana

Dass Spitex-Patientinnen und -Patienten so viele Medikamente mehr einnehmen, sei problematisch, sagt Eva Blozik, Leiterin Gesundheitswissenschaften bei der Helsana. Es könne sogar gefährlich sein: «Je mehr Medikamente eingenommen werden, desto höher ist das Risiko, dass es zu unerwünschten Wirkungen kommt, Medikationsfehler passieren – und dass Patienten notfallmässig ins Spital müssen.»

Dabei stellt die Untersuchung des Krankenversicherers fest, dass Medikamente oft auch über längere Zeit eingenommen werden, wodurch sich die Gefahr von Nebenwirkungen verstärkt. So nimmt ein Viertel aller Spitex-Patientinnen und -Patienten regelmässig Schlafmittel ein. Bei verschiedenen Medikamenten, insbesondere bei Schlafmitteln, gebe es auch eine Suchtgefahr, so der Bericht.

Spitex nicht Schuld daran

Warum Spitex-Patienten mehr Medikamente erhalten? Den Grund dafür sieht Blozik darin, dass sie oft bei mehreren Ärztinnen und Ärzten in Behandlung sind, die nichts voneinander wissen. Wichtig ist zu erwähnen, dass die Spitex nicht verantwortlich ist für die Situation, weil sie selbst ja keine Medikamente verschreibt. Für Blozik von Helsana ist auf jeden Fall klar: Es bestehe Handlungsbedarf, es brauche mehr Koordination. «Es ist offenbar so, dass ein besserer Informationsaustausch zur Medikation notwendig ist – also ein Medikamentenplan.»

Frau von der Spitex und ein PAtient
Legende: Spitex-Patienten sind oftmals bei mehreren Ärztinnen und Ärzten in Behandlung, ohne dass diese voneinander wissen. Darin sieht Blozik den Grund für die hohe Zahl verschiedener Medikamente. Keystone

Darin würden dann alle verschriebenen Medikamente festgehalten, sodass die verschiedenen behandelnden Ärzte den Überblick haben. Gemäss Eva Blozik brauche es jemanden, der nahe bei den Patienten ist und diese regelmässig sieht und diesen Medikamentenplan kontrolliert: «Aus unserer Sicht bietet es sich an, dass die Spitex eine unterstützende oder koordinierende Rolle übernimmt, sodass der Apotheker und behandelnde Ärzte die Medikation überprüfen und allenfalls anpassen können.»

Zusammenarbeit zwischen Spitex und Ärzten stärken

Diese Idee kommt bei den Spitex-Organisationen gut an. Carla Meyer arbeitet bei der Spitex der Stadt Luzern, sie spricht für Spitex Schweiz, wenn sie sagt, dass die Spitex diese Aufgabe schon heute wahrnehme – so gut es gehe: «Ich bin überzeugt, dass es zusätzlichen Bedarf gibt. Wichtig ist einfach, dass man es institutionalisiert und etwa die Medikationstherapie regelmässig hinterfragt und neu beurteilt. Dort gibt es sicher noch Luft nach oben, dass man das in der Zusammenarbeit besser verankert.»

Rendez-vous vom 25.11.2020

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37 Kommentare

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  • Kommentar von Walter Matzler  (wmatz)
    16 verschiedene Medikamente einzunehmen, das kann ich mir gar nicht vorstellen. Mir ist einmal ein Dauermedikament verordnet worden und weil ich mich gewehrt habe, ist die Sache überprüft und das Medikament wieder abgesetzt worden. Ich bin nahezu 85 Jahre alt, nehme gar kein Medikament und es geht mir gut.
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  • Kommentar von Mariette Schelker  (Grosi)
    Zitat: "Spitex-Patienten schlucken viel mehr Medis als Heimbewohner.
    Helsana hat den Medikamentenkonsum von Spitex-Betreuten ausgewertet. Die Resultate sind erstaunlich – und problematisch.
    Das zeigt der jährliche Arzneimittelreport der Krankenkassen Helsana."
    Ich finde diese Behauptung der Krankenkassen Helsana mehr als fragwürdig.
    Um der Spitex schweizweit dermassen an den Karren fahren zu dürfen, bräuchte es meines Erachtens wesentlich mehr Hintergrundinformationen wie Auftraggeber,...
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    1. Antwort von Ihr Kommentar (SRF)
      @Mariette Schelker Guten Tag, die Auswertung der Helsana fährt der Spitex mitnichten an den Karren. Im Artikel ist explizit festgehalten: "Wichtig ist zu erwähnen, dass die Spitex nicht verantwortlich ist für die Situation, weil sie selbst ja keine Medikamente verschreibt. " Freundliche Grüsse, SRF News
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    2. Antwort von Mariette Schelker  (Grosi)
      Grüessech liebes SRF - Team.
      diese Aussage von Frau Blozik macht, meiner Meinung nach, nur deutlich, dass sie (vielleicht) einige Kenntnisse über Medikamente besitzt, gut schreiben kann, über Beziehungen verfügt - und das war's auch schon...Papier ist bekanntlich geduldig.
      Glaubwürdigkeit ist anders.
      Heit en agnähme Aabe.
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  • Kommentar von Adrian Weber  (Pöbel)
    Da sind die KK mitverantwortlich für diese Situation. Ambulant vor stationär macht schon Sinn, aber bei ambulanten Konsilen werden nicht alle Medis überprüft (wird ja nicht bezahlt). Im stationären Setting kommt man meistens nicht um eine Überprüfung herum. Eine Weiterbetreuung der ambulanten Pat. durch eine APN könnte diese Versorgungslücke schliessen.
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