Das Knie schmerzt, die Nase läuft, der Rücken zwickt. Ob man damit zum Arzt oder zu der Ärztin geht, dürfte in erster Linie eine medizinische Entscheidung sein – zuerst jedes Einzelnen und danach des medizinischen Fachpersonals. Wenn man aber häufiger zum Arzt oder zur Physiotherapeutin geht, steigen die Gesundheitskosten und damit auch die Krankenkassenprämien.
Die Dämpfung des Kostenwachstums sei eine Daueraufgabe aller Beteiligten, schreibt das Bundesamt für Gesundheit in einer Mitteilung. Eine Massnahme, um dies zu erreichen, sei die Schärfung des Kostenbewusstseins. Was so viel heisst wie: Jede und jeder soll sich bewusst sein, dass man Kosten verursacht, wenn man Gesundheitsleistungen bezieht. Daher will das BAG seine vierteljährliche Publikation zur Kostenentwicklung neu mit einer Medienmitteilung begleiten.
Hebel liegt vor allem beim Fachpersonal
Mehr Transparenz sei immer gut, sagt Tobias Müller, Professor für Gesundheitsökonomie der Berner Fachhochschule. Aber: Der Patient oder die Patientin könne zwar entscheiden, ob er oder sie zum Arzt gehe, sagt er. «Sobald man mal beim Arzt oder bei der Ärztin ist, liegt es in der Hand dieser Fachperson, was angeordnet wird.» Und damit bestimmt auch die Fachperson, was es kostet.
Das Problem liege aber auch darin, dass sich Patienten und Patientinnen sagen: Wenn ich schon jeden Monat so hohe Prämien bezahle, will ich auch das volle Programm. «Man kann hoffen, dass Patienten vielleicht zwei Mal überlegen, ob sie auf ein MRI bestehen, wenn es der Arzt nicht als nötig erachtet», so Müller. Das Problem: Wenn eine Ärztin risikoscheu sei, mache sie eher Tests, auf die ein Patient bestehe. Die Leistungserbringer, wie eben Ärzte, müssten in die Pflicht genommen werden, auch die Kosten im Hinterkopf zu behalten.
Zurückhaltung dank Kostenbewusstsein
Es sei wichtig und richtig, dass diese Gesundheitskosten regelmässig mit einer Medienmitteilung verschickt werden, meint der Krankenkassenverband Prio.Swiss. «Damit wissen die Bürger und Bürgerinnen, wofür ihr Geld respektive ihre Krankenkassenprämien gebraucht werden», sagt Christoph Kilchenmann, stellvertretender Direktor des Krankenkassenverbandes.
Er könne sich vorstellen, dass Patientinnen und Patienten zurückhaltender seien, wenn es darum gehe, Leistungen zu beanspruchen, weil ihnen bewusst sei, dass sie nicht nur Patienten, sondern auch Prämienzahler seien.
Strukturelle Probleme angehen
Wenn es nach dem Gesundheitsökonomen Tobias Müller ginge, wäre es wichtig, die strukturellen Probleme anzugehen: «Wir müssen über die Spitalplanung sprechen, wir müssen über mehr ambulante statt stationäre Eingriffe reden», dort liege das grosse Sparpotential, so Müller. Diese Medienmitteilungen des Bundesamtes für Gesundheit könnten an diesen strukturellen Problemen nichts ändern – dort brauche es politischen Änderungswillen.