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Legende: Audio Mit Holz gegen Eis und Schnee abspielen. Laufzeit 02:14 Minuten.
Aus HeuteMorgen vom 04.02.2019.
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Holzschnitzel statt Salz Mit einem nachwachsenden Naturprodukt gegen Eis und Schnee

In La Chaux-de-Fonds werden gegen Schnee und Eis Holzschnitzel statt Salz und Kies gestreut. Eine Methode mit Zukunft.

In den Strassen von La Chaux-de-Fonds im Neuenburger Jura wird Schnee geräumt. Jedes Jahr hat die Stadt, die auf 1000 Meter über Meer liegt, gewaltige Schneemassen zu meistern. Nun liegen auf den Trottoirs und in den Fussgängerzonen der Stadt mit knapp 40'000 Einwohnern Holzschnitzel.

Das helfe und mache weniger weisse Flecken auf den Schuhen als Salz, sagt eine Passantin. Die Holzschnitzel werden «Mucariettes» genannt. Der Name wird von Joseph Mucaria abgeleitet, dem langjährigen Chef des Strassenbauamtes.

Ganz salzfrei geht nicht

Er hat die Holzschnitzel vor knapp 15 Jahren erfunden, zusammen mit einem Stadtingenieur. Mit den beiden üblichen Mitteln gegen Schnee und Eis – Salz und Kies – war er nicht zufrieden. Salz wirke zu wenig lang und Kies sei beim Recycling im Frühling zu teuer, sagt er. «Also brauchten wir eine Alternative.»

Holzschnitzel auf Schnee
Legende: Damit die Holzschnitzel auf Schnee und Eis haften bleiben, werden sie mit Salz imprägniert. ZVG

Diese fand er in den Holzschnitzeln. Sie werden aus Holz gemacht, das aus den umliegenden Wäldern stammt. Auch wenn das Produkt als Bio angepriesen wird, wird das Holz mit Magnesiumchlorid – einem Mineralsalz – imprägniert. Nur mit dieser Salzschicht setzen sich die Schnitzel auf den vereisten Trottoirs fest.

Schweizer Verfahren in Kanada

Die Schnitzel wirken bis zu einer Woche, wogegen man alle acht Stunden salzen müsste. Holzschnitzel würden deshalb weniger Arbeit geben und auch die Umwelt weniger belasten, sagt Mucaria.

Die «Mucariettes» werden inzwischen auch in den Walliser Bergorten Crans-Montana und Verbier gestreut. Dazu ist ein zweites Werk in den Waadtländer Voralpen für die Schnitzelproduktion in Betrieb genommen worden.

Und inzwischen werden die Holzschnitzel auch in Kanada im Lizenzverfahren hergestellt und gestreut. Joseph Mucaria ist zwar frühpensioniert, kümmert sich aber immer noch um die Vermarktung «seiner» Schnitzel.

Patent läuft aus

Zwar bringe das der Stadt La Chaux-de-Fonds noch nicht viel Geld ein, sagt er. «Wir hoffen aber, dass die Schnitzel der Stadt in ein paar Jahren einige Franken einbringen werden.»

Noch zehn Jahre hat Mucaria Zeit, das Alternativprodukt zu Salz und Kies zu vermarkten. Dann läuft das Patent aus – jeder kann dann die Holzschnitzel aus La Chaux-de-Fonds herstellen.

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6 Kommentare

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  • Kommentar von Peter Sprecher  (b8ilys)
    Holzspäne auf Eis ist alles andere als eine neue Erfindung. Vorteil zum Splitt, während dem Tauwetter bleiben sie oben auf.
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    1. Antwort von Toni Koller  (Tonik)
      Neu ist offenbar, dass die Schnitzel (gemäss Artikel) zwecks längerer Wirksamkeit mit einem Salz imprägniert sind Oder gibt's das auch schon. länger?
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  • Kommentar von Albert Planta  (Plal)
    Holzschitzel auf Eis können gefährlich sein. Allzuleicht gleitet man mitsamt den Holzschnitzel aus. Besser ist Kies.
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  • Kommentar von Jean-Philippe Ducrey  (Jean-Philippe Ducrey)
    Naja, in Sachen Klimawandel ist diese Methode allerdings alles andere als zu empfehlen (Methangas). Dasselbe gilt in Sachen Feinstaub, weiter kann zersetzendes Holz, je nach Baumart, zu allergischen Reaktionen und Haut- und Atemwegreizungen führen. Ich persönlich halte das nicht für nachhaltig. PS: Salz ist ebenso natürlich und generiert bereits bei der Förderung massiv weniger Klima-Emissionen als Holzschnitzel.....
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    1. Antwort von u teinila  (teinila)
      rechnen sie mit allem?
      was das holz beim wachsen an co2 aufnimmt? und das kompliziertere reinigung und entsorgung vom kies?
      etc.
      und allergische reaktionen: atemwege kann ich noch verstehen, auch wenn äusserst selten, und bei kühlem wetter noch weniger. aber haut? barfuss laufen? barhändig schneebälle machen?
      ist das nicht etwas zu weit gesucht?
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    2. Antwort von S. Moser  (123456789)
      Können Sie Ihre Behauptung hinsichtlich Methangas erklären? Das Material Holzschnitzel ist CO2 neutral, mal vom Häckseln abgesehen, und sicher umweltfreundlicher als Steinsplit, der im Frühling aufwändig entsorgt werden muss. Magnesiumchlorid wird auf Pferdebahnen eingesetzt, um Staubentwicklung zu unterbinden. Und von Allergien auf zersetzendes Holz zu sprechen, ist bereits nahe an fake information....
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