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Die Pandemie hatte auch einen positiven Effekt
Aus Rendez-vous vom 26.07.2021.
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Im Pandemiejahr 2020 Infektionskrankheiten gingen in der Schweiz stark zurück

  • Im vergangenen Corona-Jahr sind die meisten gängigen Infektionskrankheiten stark zurückgegangen.
  • Das zeigt eine neue Auswertung des Bundesamtes für Gesundheit (BAG).
  • Grund dafür sind die Einschränkungen während der Pandemie – aber auch persönliche Verhaltensänderungen.

Rund 30 Prozent weniger HIV-Infektionen, rund 60 Prozent weniger Pneumokokken-Erkrankungen – und das sind keine Einzelfälle. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat 16 Infektionskrankheiten untersucht, die am häufigsten vorkommen. Bei fast allen zeigte sich einen Rückgang, und zwar um 15 bis 90 Prozent gegenüber den Zahlen der Vorjahre. Einzige Ausnahme: die durch Zecken übertragene Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), die zunahm.

Mark Witschi, Leiter Impfempfehlungen und Bekämpfungsmassnahmen der Abteilung übertragbare Krankheiten des BAG sagt zu den tieferen Ansteckungszahlen: «Dieser Rückgang ist primär damit zu erklären, dass während der Pandemie einerseits Hygienemassnahmen getroffen wurden und deswegen übertragbare Krankheiten weniger übertragen wurden.»

Andererseits sei es denkbar, dass einige Erkrankungen nicht erfasst wurden, weil viele Leute im letzten Jahr auf den Gang in die Arztpraxis verzichteten. Dieser zweite Effekt sei aber mit grosser Wahrscheinlichkeit insgesamt kleiner, sagt Witschi.

«Positiver» Effekt der Einschränkungen

Einfach erklärbar ist, dass Ansteckungen abnahmen, die über die Atemwege erfolgen. Das Maskentragen hat sie weitgehend gebremst, weshalb es im Winter auch nicht zu einer Grippewelle kam. Ebenso wenig überraschend ist der Rückgang von Tropenkrankheiten wie Denguefieber und Malaria: Das Reisen in ferne Länder fiel praktisch weg.

Ich kann mir gut vorstellen, dass viele Leute auch in Zukunft ihre Hände eher waschen oder im ÖV weiter eine Maske tragen werden.
Autor: Mark Witschi Bundesamt für Gesundheit

Erstaunlicher ist aber, dass auch Durchfallerkrankungen, die über Lebensmittel übertragen werden, zurückgingen. Das erklärt das BAG damit, dass die Bevölkerung konsequenter die Hände gewaschen hat. Ebenso nahm die Zahl der gemeldeten sexuell übertragenen Krankheiten wie HIV oder Chlamydien ab. Das führt das BAG auf seltenere Kontakte zwischen den Menschen zurück – oder auch darauf, dass erkrankte Personen seltener zum Arzt oder zur Ärztin gingen.

Sind wir in Zukunft vorsichtiger?

Was heisst das für die Zukunft? Gut möglich, dass nach der Pandemie alles wieder ist wie vorher. Mark Witschi vom BAG sagt: «Ich kann mir gut vorstellen, dass viele Leute auch in Zukunft ihre Hände eher waschen oder im ÖV weiter eine Maske tragen werden. Das wird dazu beitragen, dass zum Beispiel die respiratorisch übertragenen Krankheiten reduziert werden.»

Die Pandemie hat die Verbreitung anderer Infektionskrankheiten gebremst. Je nachdem wie sich die Bevölkerung danach verhält wird es so bleiben, oder auch nicht.

Rendez-vous, 26.07.2021, 12:30 Uhr

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41 Kommentare

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  • Kommentar von Erik Eisermann  (ECATWEAZLE)
    Guten Tag.
    woran das wohl liegen mag??? :-)
    Untern Schlussstrich würde ich sagen, ein wenig mehr Hygiene und Achtsamkeit, weniger diese Massenveranstaltungen, weniger Reisetätigkeit...
    Hoffentlich dauert diese Lernkurve länger an.

    Freundliche Grüsse, ee
  • Kommentar von Bernhard Haeuser  (Bernie H)
    @srf: Bitte informieren Sie doch einmal über die Entwicklung psychischer Störungen und der Suizidrate während der Pandemie.
    1. Antwort von SRF News (SRF)
      @Bernhard Haeuser
      Guten Tag. Da wurde schon einiges veröffentlicht. Hier ein Beispiel: "https://www.srf.ch/news/schweiz/corona-jahr-2020-deutlich-mehr-suizidversuche-bei-jugendlichen"
      Liebe Grüsse, SRF News.
  • Kommentar von Jonas Gnehm  (JoG)
    Vordergründig und kurzfristig mag dieses Zählen Spiel der Statistiken positiv erscheinen. Längerfristig müssen wir aber auch damit rechnen, dass unser Immunsystem bei anhaltenden Hygienemassnahmen nicht zu sehr abbaut (bzw. bei Kleinkindern nicht aufbaut) . Sonst werden wir dann noch von ganz vielen (früher harmlosen Erregern) im Epidemienformat überrollt...
    1. Antwort von Rita Wichtermann  (Gitzi)
      Genau JoG, das denke ich schon seit Beginn der Pandemie. Wir werden unser Immunsystem mehr und mehr verlieren, wenn wir uns weiter so „distanziert“ verhalten. Ich war nämlich die letzte 20 Jahre nicht mehr krank, weil ich auch jene umarmt habe, die mir sagten, ich solle ihnen nicht zu nahe kommen, da sie erkältet seien. Ich erwiderte jeweils, dass ich keine Angst habe vor einer Ansteckung. Bis jetzt musste die Menschheit mit Viren leben und es wird immer wieder neue Viren und Mutationen geben.
    2. Antwort von Felix Meyer  (gegen unwahre Wahrheit)
      Frau Wichtermann, Dass unser Immunsystem trainiert werden muss, bin ich mit Ihnen einverstanden. Doch Malaria und Denguefieber sind bei uns (noch) keine "einheimischen" Infektionskrankheiten. Ich denke auf solche können wir verzichten.
    3. Antwort von Georg Fischer  (SGF)
      Hygienemassnahmen wie Händewaschen,Niessen in Armbeuge und Husten mit Hand vor dem Mund schaden unserem Immunsystem überhaupt nicht und sind oder sollten Teil der Erziehung sein. Das Immunsystem lässt sich mit anderen Mitteln wie Sport,frischer Luft und zwar bei jedem Wetter,ausgeglichene gesunde Mahlzeiten,Masshalten bei Alkohl und Rauchen et etc. sehr gut trainieren.
    4. Antwort von Jonas Gnehm  (JoG)
      @SGF: Mein Wissensstand ist, dass unser Immunsystem durch die zahlreichen Erreger in unserer Umgebung trainiert wird und dadurch auf natürlichem Weg Antikörper bildet. Wenn der Kontakt mit diesen Erregern wegfällt, haben wir längerfristig ein Problem und zwar ein generationenübergreifendes. Antibiotikaresistente Erreger, welche im Spital/Altersheimen zwischendurch die Runde machen, geben uns eine Vorahnung davon.
    5. Antwort von Astrid Meier  (Swissmiss)
      Antibiotikaresistenzen haben sich gemäss NZZ im letzten Jahr vermehrt, weil Covid Patienten vor allem im Anfang mit Breitbandantibiotika versorgt wurden, um Sekundärinfektionen zu verhindern.
    6. Antwort von Xenia Pozar  (Zwerg1999)
      Geehrter Herr Gnehm: je mehr bakterielle Infektionen wüten, je eher kommt es zu Antibiotikaresistenz.
      Somit ist Ihre Aussage nicht zutreffend.
      Zudem nützen Antibiotika bei keinerlei viralen Infekten
    7. Antwort von Georg Fischer  (SGF)
      @JoG: Sie haben nicht Unrecht aber dem Ganzen unkontrolliert seinen Lauf zu lassen, sprich keine Hygiene, ist keine Lösung. Und das ist nicht neu. Wie oft werden zB Fäkalbakterien in der Nahrung nachgewiesen die uns dann Bauchschmerzen, Durchfall etc beschweren. Das hat mit Training des Immunsystems nichts mehr zu tun sondern mit Hygiene nd Anstand.
    8. Antwort von Andreas Müller  (Hugh Everett)
      Die Tibeter haben früher ihre Kinder direkt nach der Geburt mit Kot eingerieben. Eine seltsame Idee, wenn man bedenkt dass Kot aus einem ganzen Panopli von Bakterien besteht. Wurde das Immensestem der Kinder so trainiert? Nein denn die Säuglingssterblichkeit lag bei 60% (und die allgemeine Lebenserwartung bei 35 Jahren, ca um 1960). Erst als die bösen Chinesen der Region Spitäler baute und die Medizin einführte sank die Säuglingssterblichkeit rapide und die Lebenserwartung ist über 70 Jahre.