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Alain Berset ruft erneut zum Impfen auf
Aus Echo der Zeit vom 16.07.2021.
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Covid-Zahlen steigen Rechnen Sie wieder mit 10'000 Fällen täglich, Herr Berset?

Seit Anfang Juli verdoppeln sich die Corona-Infektionen in der Schweiz wöchentlich – aktuell sind es rund 600 pro Tag. Rechnet man konsequent weiter, dürften wir gegen Ende August auf 10'000 positive Tests an einem Tag kommen. Die Behörden haben keine Massnahmen zur Einschränkung ergriffen. SRF News hat beim obersten Verantwortlichen der Schweiz, Bundesrat Alain Berset, nachgefragt, wie lange das noch so bleiben wird.

Alain Berset

Alain Berset

Bundesrat

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Der 49-jährige Sozialdemokrat leitet seit 2012 das Departement des Innern (EDI) und war 2018 Bundespräsident. Zuvor war er für den Kanton Freiburg im Ständerat und übte dort 2008/2009 das Amt des Ständeratspräsidenten aus.

SRF News: Rechnen Sie mit 10'000 Fällen pro Tag auf Ende August?

Alain Berset: Ich glaube, die Situation ist nicht unerwartet so. Es war immer klar, dass es wieder einmal steigen wird. Jetzt ist es aber eine völlig andere Situation als das letzte Mal. Jetzt haben wir die Impfung. Zwei Drittel der erwachsenen Leute in unserem Land haben schon mindestens eine erste Impfung bekommen. Aber klar, das ist nicht angenehm und klar, die Pandemie ist noch nicht vorbei.

Wir haben die Impfung. Aber doch: Ende August 10'000 Infektionen, Anfang September wären es dann 20'000, wenn sich das konsequent verdoppelt. Wie lange wollen Sie das so laufen lassen?

Es ist unmöglich, mit Prognosen zu arbeiten. Wir müssen aber mit Szenarien arbeiten. Und alles ist schon ziemlich klar. Der Bundesrat hat schon im April oder Mai das Drei-Phasen-Modell festgelegt.

Es wird eine Welle geben, die primär die Ungeimpften betreffen wird.
Autor:

Wir arbeiten weiter entlang dieser Strategie. Im Moment sind die Hospitalisierungen ganz, ganz tief. Das Virus zirkuliert unter den jüngeren Menschen. Und man muss sagen, es wird eine Welle geben, die primär die Ungeimpften betreffen wird.

Im Moment stecken sich vor allem junge Leute an. Sie belasten die Spitäler offenbar nicht, sterben im Normalfall auch nicht an Covid-19. Kann man den Jungen diese hohen Infektionsraten zumuten? Fühlen Sie sich da wohl dabei?

Seit dem Anfang hat der Bundesrat alles gemacht, damit die Leute die Wahl haben. Bis Anfang dieses Jahres gab es nur das Risiko, sich anzustecken. Und seit Anfang dieses Jahres haben wir die Auswahl, eine Infektion zu riskieren oder eine Impfung zu machen. Für die jüngeren Menschen stellt die Infektion sehr oft, fast immer, kein grosses Problem dar und sie ist wie andere Infektionen, die schon bei uns existieren.

Rund die Hälfte ist im Moment geimpft in der Schweizer Bevölkerung. Doppelt ein bisschen weniger, einfach ein bisschen mehr. Sind Sie enttäuscht, dass es doch nur so wenige sind?

Nein. Ich glaube, es hat bis jetzt sehr gut funktioniert. Unser Ziel Anfang Jahr war es, einen Punkt zu erreichen, bei dem 75 Prozent der vulnerablen Personen und 60 Prozent der restlichen Bevölkerung geimpft sind.

Jetzt ist wirklich der Moment, wo man sich noch für eine Impfung entscheiden kann.
Autor:

Dieses Ziel ist schon übertroffen. Aber mit der Delta-Variante brauchen wir noch mehr als früher. Und jetzt ist wirklich der Moment, wo man sich noch für eine Impfung entscheiden kann.

Rund die Hälfte ist noch nicht geimpft und trotzdem trifft man keine Massnahmen, wenn die Zahlen so stark ansteigen. Das heisst, die Hälfte der Bevölkerung ist betroffen, wenn das Virus wieder stärker zirkuliert. Ist das zulässig?

Wenn man sich nicht impfen lassen kann, ist es eine völlig andere Situation. Für diese Personen haben wir andere Möglichkeiten, um sie gut zu schützen. Und für die, die sich nicht impfen lassen wollen, ist das eine Möglichkeit. Es ist eine Freiheit, die man in unserem Land hat und wir sind sehr daran gebunden. Es ist wichtig, dass das so bleibt. Aber so oder so werden wir alle früher oder später in Kontakt mit dem Virus kommen. Dafür gibt es nur zwei Möglichkeiten: Ein kontrollierter Kontakt mit der Impfung, wenn man das so sagen kann, oder das Risiko, sich anzustecken.

Man könnte auch mehr Druck machen. Frankreich, Griechenland oder auch Grossbritannien haben jetzt eine Impfpflicht eingeführt für Pflegepersonal. Wäre das eine Option für die Schweiz?

In der Schweiz haben wir immer klar gesagt, es ist eine Eigenverantwortung, zu entscheiden, was man mit der Impfung machen will.

Es ist sehr wahrscheinlich eine der sichersten Impfungen, die es je gegeben hat.
Autor:

Wir sind nach wie vor der Meinung, wir müssen überzeugen, dass es eine gute Sache ist. Noch einmal mehr erklären, dass das Produkt sehr sicher ist. Es ist sehr wahrscheinlich eine der sichersten Impfungen, die es je gegeben hat auf der Welt, die so viel geimpft worden ist, wie fast keine vorher.

Das Gespräch führte Roger Brändlin.

Video
Aus dem Archiv: Bundesrat präsentiert präventive Herbst-Szenarien
Aus Tagesschau vom 30.06.2021.
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Echo der Zeit, 16.07.2021, 18:00 Uhr;

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234 Kommentare

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  • Kommentar von Thomas Steiner  (Thomas Steiner)
    40% der Schweizer möchten anscheinend lieber an Covid erkranken und auch andere anstecken als gesund bleiben.
    1. Antwort von Tobias Flückiger  (Töbu)
      Es sieht laut ZOE-Studie so aus, als würden in England die Fälle unter Geimpften zunehmen, während sie unter den Ungeimpften schon wieder fallen. In Israel steigt die Zahl der Hospitalisationen und ICU-Admissions bei Geimpften. Ich hätte gern, dass man jetzt einfach mal die frechen Behauptungen bleiben lassen könnte und aufmerksam und offen beobachten, wie es weitergeht, und dass man ggf. seine Pläne revidieren könnte, falls sie nicht ganz so aufgehen, wie man es sich vorgestellt hat. Danke.
    2. Antwort von Sascha Ehring  (MountainmanSG)
      Und das akzeptieren wir, weil wir ein freies Land sind. Gruss ein Geimpfter.
  • Kommentar von Sonja BIGLER  (sbs)
    P.Müller bitte richtig lesen. Ich habe überhaupt nichts davon geschrieben dass ich bei ihm mitgefahren bin. Der Mann hat seine Partnerin zum Treffpunkt gebracht. Werde aber kein Risiko mehr eingehen und den beiden aus dem Weg gehen, sollte ich ihnen wieder einmal begegnen.
    Geniesse aber die Begegnungen mit Menschen - geimpft oder vielleicht auch nicht geimpft - die Rücksicht auf die Anderen nehmen. Zum Glück gibt es davon noch viele.
  • Kommentar von Lukas Bannier  (Lukas A.)
    Was jetzt geschieht: Wir verheizen mit dieser Politik wortwörtlich jene Personen, die sich z.B. wegen Immunsuppressiva nicht impfen lassen können und auch gegen COVID verletzlich sind: Sie haben nicht die Wahlfreiheit. Sie können sich freiwillig für unbestimmte Zeit wegsperren. Ist dies die neue Gleichberechtigung? Jede Impfverweigerung ist diesen Menschen gegenüber eine Frechheit und verlängert die Zeit der verhassten Massnahmen.