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Die Zukunftssorgen der Kaminfeger
Aus 10vor10 vom 06.01.2020.
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Immer weniger Arbeit Die Kaminfeger – vom Glück verlassen

Kaminfeger – Glücksbringer und Kinder-Traumberuf. Das war einmal. Wegen erneuerbarer Energien geht ihm die Arbeit aus.

Dem Kaminfegermeister Roland Schumacher rinnt dreckiges Wasser über die Stirn. Es sind Öl-Rückstände einer alten Heizung, die er gerade reinigt. Mit einem Hochdruckstrahler spritzt er Russ, Schwefel und anderen Dreck aus deren Tank. Wahrscheinlich zum letzten Mal. Die Öl-Heizung ist bereits knapp 30 Jahre alt und hat ihre Lebensdauer bald erreicht.

Kaminfeger bei der Arbeit
Legende: Kaminfegermeister Roland Schumacher reinigt eine alte Öl-Heizung. SRF

Ihre Besitzer werden sich gut überlegen, ob sie danach nochmals eine Öl-Heizung einbauen oder nicht lieber auf eine umweltfreundlichere Wärmepumpe setzen wollen. Im Kanton Luzern, wo sie zu Hause sind, gilt seit Anfang 2019 ein neues Energiegesetz. Es schreibt vor, dass neue Heizungen mindestens 10 Prozent des Energiebedarfs mit erneuerbarer Energie decken müssen.

Schärfere Gesetze und Klimadebatte

«Das ist ziemlich einschneidend für uns», meint Markus Gabriel, der Chef von Kaminfegermeister Schumacher. Je mehr Menschen ihr Haus mit Wärmepumpen heizen, desto weniger Arbeit gibt es für Kaminfeger. «Jahr für Jahr schrumpft unser Umsatz so um gut fünf Prozent», meint Gabriel, «auf einen Zeithorizont von zehn Jahren betrachtet ist das etwa die Hälfte unserer aktuellen Arbeitsauslastung».

Markus Gabriel bei der Arbeit
Legende: Sorgt sich um die Zukunft: Kaminfeger-Unternehmer Markus Gabriel. SRF

Nebst den schärferen Gesetzen mache ihnen auch die Klimadebatte zu schaffen. «Jemand, der sich heute noch überlegt, eine Ölfeuerung einzubauen, der gilt schon bald als Schwerverbrecher», Gabriel schüttelt den Kopf, «obwohl es viele andere Lösungen gäbe, bleibt deshalb am Ende fast nur noch die Wärmepumpe als genehme Lösung».

Hoffnungsträger Holzfeuerung

Noch heizen die meisten Schweizerinnen und Schweizer mit Öl, doch der Trend deutet ganz klar in Richtung erneuerbarer Energien. Der Anteil an Wärmepumpen hat sich zwischen 1990 und 2017 verneunfacht und dürfte seither weiter angestiegen sein. Trotz dieser Zahlen und der düsteren Stimmung beim Luzerner Kaminfeger-Unternehmen – auf nationaler Ebene ist man weniger pessimistisch. Walter Tanner, der Vizechef des Schweizer Kaminfeger-Verbands versichert, ganz aussterben würden die Kaminfeger sicher nicht. «Öl- und Gasheizungen wird es noch lange geben.»

Ausserdem kämen auch erneuerbare Energien nicht ganz ohne Kaminfeger aus. Hoffnungsträger ist da die Holzfeuerung, die auch professionell gereinigt werden muss. «Die Energiestrategie 2050 werden wir nicht erreichen, ohne auf Holzfeuerungen zu setzen», meint Tanner. «Wärmepumpen brauchen Strom, die Schweiz bekäme ein Energieproblem, wenn alle nur noch mit Wärmepumpen heizen würden.»

Neue Standbeine

Adrian Altenburger widerspricht. Der Energie-Experte und Professor an der Hochschule Luzern meint, dass bei 90 Prozent der Neubauten schon heute Wärmepumpen eingebaut würden. «Diese sind mittlerweile sehr effizient, ein drohendes Energieproblem ist unwahrscheinlich.»

Der Luzerner Kaminfeger-Unternehmer Markus Gabriel will für beide Szenarien gerüstet sein. Statt den wegbrechenden Aufträgen weiter nachzutrauern, hat er sich für eine Vorwärtsstrategie entschieden. Klappen soll das mit den neuen Standbeinen Lüftungsreinigung, sowie Kamin- und Ofenbau. Die Luzerner Kaminfeger werden also sicher eine Zukunft haben – vielleicht einfach auf kleinerer Flamme als früher.

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