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Epidemiologe Milo Puhan zum Stand der Immunität in der Schweiz
Aus 10 vor 10 vom 02.03.2021.
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Infektion und Impfung Wie immun ist die Schweiz?

Die Pandemie dauert an. Die Infektionszahlen sollen möglichst tief gehalten werden. Gleichzeitig werden immer mehr Menschen immun gegen das Coronavirus – sei es durch eine überstandene Coronainfektion oder durch die Impfung.

Milo Puhan, Professor für Epidemiologie an der Universität Zürich, ist im wissenschaftlichen Programm Corona Immunitas tätig, wo untersucht wird, wie viele Personen schon Antikörper aufgebaut haben. Er beantwortet Fragen zur sogenannten Seroprävalenz und der Immunität in der Schweiz.

Milo Puhan

Milo Puhan

Epidemiologe

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Milo Puhan (* 1975) ist seit 2013 Professor für Epidemiologie und Public Health an der Universität Zürich und Direktor des Instituts für Epidemiologie, Biostatistik und Prävention. Puhan ist Mitgründer der Corona Immunitas Initiative, Link öffnet in einem neuen Fenster, die die nationalen Bemühungen der Schweiz zur Bestimmung der SARS-CoV-2-Immunität der Allgemeinbevölkerung sowie von gefährdeten Bevölkerungsgruppen und spezifischen Berufsgruppen mit hohem Infektionsrisiko vereint.

SRF News: Kann man sagen, wie viele Schweizerinnen und Schweizer sich in etwa bereits mit dem Coronavirus infiziert haben?

Milo Puhan: Es gibt kantonale Unterschiede. Man kann jedoch sagen, dass es sicher zwei- bis dreimal mehr Fälle sind, als die offiziell gemeldeten Infektionen. Dann landen wir gemäss der Seroprävalenz-Studie bei rund 1.5 Millionen.

Wir wissen, dass etwa 15 Prozent keine Antikörper zeigen, obwohl sie infiziert worden sind.

Wir wissen aber auch, dass etwa 15 Prozent keine Antikörper zeigen, obwohl sie infiziert worden sind. Das heisst nicht, dass sie gar nicht immun sind, aber man kann es nicht nachweisen. Wenn wir diese auch dazurechnen, sind wir nahe bei 20 Prozent der schweizweiten Bevölkerung, die eine Infektion hatten.

Es gibt sehr grosse kantonale Unterschiede im Bevölkerungsanteil mit Antikörpern. Wie sind diese zu erklären?

Das können wir uns noch nicht erklären. Es ist bekannt, dass es weltweit grosse regionale Unterschiede gibt. Bisher wissen wir jedoch noch nicht, wieso das Virus in der Genfersee-Region im Vergleich zum Rest der Schweiz so viel aktiver war.

Wir haben mit Impfen begonnen. Sieht man, wie sich die Impfungen auswirken auf die Seroprävalenz?

Ein wenig kann man es sehen. Wir schauen in der Studie unterschiedliche Altersgruppen an. Über 65-Jährige und vor allem über 75-Jährige haben bisher die Hälfte – oder sogar weniger – der Seroprävalenz gegenüber den 20-64-Jährigen gezeigt. Nun sehen wir in einigen Kantonen, dass sich die Altersgruppe 75 und älter an die jüngere Bevölkerung genähert hat. In der Waadt haben wir sogar beobachtet, dass die Werte höher sind. Das kann man sich nur als Effekt der Impfung erklären.

Man hat bei über 90 Prozent der untersuchten Personen auch nach sechs Monaten noch Antikörper nachweisen können. Kann uns das Mut machen?

Ja, absolut. Am Anfang wusste man nicht, ob es zwei oder drei Monate sind. Je länger wir untersuchen, desto länger wird es. Jetzt sind wir bei sechs bis acht Monaten, wo man die Antikörper bei einem Grossteil der infizierten Personen nachweisen kann.

Das Gespräch führte Urs Gredig.

Inwiefern helfen die Massentests?

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Laut Milo Puhan ist das Testen sehr wichtig zur Bewältigung der Pandemie. Jetzt müsse man jedoch schauen, dass die Infektionszahlen tief bleiben. «Die Immunität hat sich bereits in gewissem Masse aufgebaut in der Schweiz. Das haben wir bisher primär durch Infektionen erreicht. Jetzt müssen wir schauen, dass es primär die Impfungen sind, die die Immunität hochbringen.»

10 vor 10, 02.03.2021, 21:50 Uhr;

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14 Kommentare

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  • Kommentar von Denise Ackermann  (belle et bète)
    Hr.Specker, Viren sind nicht harmloser oder gefährlicher, das ist ein Selektionsvorgang, dass nur „überlebenstüchtige“ Viren sich weiterverbreiten. Erst wenn Viren nicht mehr „Andocken“ können, wegen Abwehr, verschwinden sie und nicht eeil sie harmloser werden. Laut Hr. Drosten (Ndr corona Podcast, letzte Folge).
  • Kommentar von Daniel Flückiger  (Daniel Flückiger)
    Der Immunschutz hält offensichtlich lange an. Das ist doch mal eine richtig gute Neuigkeit. Das Ende der Pandemie, bzw. zumindest ihrer Gefahr für das Gesundheitssystem, wird damit langsam absehbar.
  • Kommentar von Paul Wagner  (päule)
    Wenn tatsächlich 15% der Infizierten keine Antikörper zeigen, ist das hochgradig problematisch. Vor allem dann, wenn diese Menschen das nicht wissen. Denn viele die infiziert waren, gehen wohl auch davon aus dass sie zumindest vorübergehend weder gefährdet sind, noch dass sie andere gefährden. Und man darf auch vermuten, dass einige dann den Schutz etwas vernachlässigen.

    Ich gehe davon aus, dass jemand der keine Antikörper aufweist, entsprechend ansteckbar und auch ansteckend sein kann.
    1. Antwort von Marc Schlatter  (Marc Rafael)
      Müssen Sie nicht. Wer keine Antikörper bildet, hat möglicherweise eine so gute T-Zell-Reaktion gehabt, dass keine symptomatische Ansteckung entstanden ist. Die Frage ist soviel ich weiss noch nicht geklärt, aber die mir bekannten Daten sprechen dafür, dass Asymptomatische kaum ansteckend sind (nicht zu verwechseln mit Präsymptomatischen).