Worum geht es? Eine linke Bürgergruppe lanciert heute eine Initiative gegen den Kauf der F-35. Das Komitee kritisiert die Mehrkosten beim Kampfjet. Auch warnt es vor einer Abhängigkeit von den USA. Die Initiative verlangt, dass die Schweiz keine F-35 kauft und das Armeebudget entsprechend anpasst. Allerdings kommt sie zu spät für einen totalen Abbruch: Mindestens acht Jets dürften noch vor einer allfälligen Volksabstimmung ausgeliefert werden. Wahrscheinlich sogar deutlich mehr. Möglich bleibt ein Teilabbruch. Doch in diesem Fall könnte die Schweiz auf Kosten sitzen bleiben.
Weshalb ist ein totaler Stopp nicht mehr möglich? Die Bestellung verteilt sich auf vier sogenannte Produktionslose - die Lose 19 bis 22. Die Produktion von Los 19 mit acht «Schweizer Jets» ist angelaufen. Die USA übergeben sie voraussichtlich nächstes Jahr an die Schweiz. Für diese Jets also kommt die Initiative sehr wahrscheinlich zu spät. Die Initianten sagen: Ihnen gehe es darum, wenigstens noch die Zahl der Jets zu reduzieren. Doch es ist fraglich, wie viele Jets sich stoppen lassen. Bis zu einer möglichen Abstimmung dauert es mindestens zwei bis drei Jahre. Dann dürfte auch die Produktion der Lose 20 und 21 zu einem guten Teil abgeschlossen und bis zu 18 weitere Jets ausgeliefert sein.
Weshalb sind nicht alle Kampfjet-Gegner an Bord? Die Linke rang lange um eine Initiative. Triebfeder war der frühere SP-Nationalrat Pierre-Alain Fridez. Nun macht die SP nicht mit, weil die Initiative zu spät komme. «Ich hoffe aber, dass der Bundesrat den F-35 von sich aus stoppt», sagt SP-Nationalrätin Priska Seiler-Graf. Auch Fridez ist nicht mehr an Bord. Es hätte rascher gehen müssen, sagt er. Trotzdem festhalten an der Initiative will Mitinitiantin Margret Kiener Nellen: Erstens seien die Liefertermine nicht garantiert, so die frühere SP-Nationalrätin. Und zweitens wäre es angesichts der hohen Betriebs -und Unterhaltskosten ein Erfolg, auch nur ein Teil zu verhindern: «Jede Schadensbegrenzung ist Millionen bis Milliarden billiger, als die ganze Flotte zu beschaffen.»
Wie läuft ein Abbruch des Kampfjetgeschäfts ab? Grundsätzlich kann die Schweiz den Kauf abbrechen. Die Schweiz kauft via den amerikanischen Staat. Dieser legt fest: Käuferländer müssen bei einem Abbruch alle Kosten übernehmen, die beim Hersteller Lockheed Martin oder seinen Zulieferern entstanden sind. Gemeint sind auch Vorleistungen wie Materialbestellungen. Und das ist die Krux: Vorleistungen erfolgen oft Jahre im voraus. Die USA haben mit Lockheed Martin bereits Vorleistungen für die Lose 20 und 21 vereinbart. Somit gibt es heute bereits für 26 «Schweizer Jets» Vereinbarungen mit Kostenfolgen.
Wie viel Geld ist bereits geflossen? Bis Ende 2025 hat die Schweiz rund 1.5 Milliarden für die Beschaffung des F-35 bezahlt. Bis Ende Jahr dürften es rund 2.2 Milliarden sein. Darin enthalten ist auch Geld für Arbeiten in der Schweiz. Bis zu einer möglichen Abstimmung in zwei bis drei Jahren dürfte die Schweiz weit über drei Milliarden gezahlt haben.
Wie viel Geld wäre verloren? Die Schweiz dürfte bis zu einer möglichen Abstimmung mindestens acht Jets erhalten haben, wahrscheinlich aber deutlich mehr (siehe oben). Somit hätte die Schweiz für einen Teil des Geldes eine Gegenleistung. Schwieriger würde es bei Jets, die sich noch in Produktion befinden oder für die der Hersteller Vorleistungen getätigt hat. Grundsätzlich müsste die Schweiz die Kosten dafür tragen - es sei denn, die USA fänden ein anderes Käuferland. Das Risiko läge bei der Schweiz.