Bei der Katastrophe in Crans-Montana starben mindestens 40 Personen und 116 weitere wurden verletzt. Die Zusammenarbeit zwischen den Spitälern war geprägt von grosser Solidarität, auch aus dem Ausland. Auf diese Unterstützung ist die Schweiz angewiesen.
Bereits Stunden nach der Brandkatastrophe in Crans-Montana erklärt Matthias Zürcher, Leiter des Schweizerischen Zentrums für Rettungs-, Notfall-, und Katastrophenmedizin, dass bei einem schweren Ereignis mit zahlreichen Brandverletzungen die eigenen Kapazitäten zu knapp seien. «Diese Plätze sind dermassen spezialisiert und auch teuer, dass es sinnvoll ist, da eine gute Kooperation und Koordination anzustreben.»
Dorit Djelid, Mediensprecherin des Dachverbands der Spitäler, ergänzte am Montag, dass sich aufgrund der knappen Platzverhältnisse die Spitäler untereinander koordinierten und die Zusammenarbeit mit dem europäischen Ausland funktioniere. Das habe sehr gut geklappt. Die Schweiz sei im Ereignisfall nicht alleine.
Im Fall von schweren Brandverletzungen gibt es in der Schweiz einen Alarmplan für eine Koordination – und das seit über zehn Jahren. An den Unispitälern Lausanne und Zürich gibt es je eine spezialisierte Abteilung. In Zürich leitet Matthias Hänggi die Abteilung Intensivstation für Brandverletzte und er präsidiert die Fachgesellschaft für Intensivmedizin.
Ressourcenintensive Medizin
«Was die Verbrennungsmedizin ausmacht, sind die ersten zwei, drei Wochen, die sehr intensiv sein können. Und dann gibt es eine chronische Phase über Wochen, welche sehr ressourcenintensiv ist», so Hänggi. Es brauche viel Erfahrung und viel Übung. Deshalb ergebe es wenig Sinn, solch spezialisierte Plätze auf Vorrat zu halten. Denn wenn man dann keine Patienten habe, sei das nicht gut für die Behandlung, wenn der Ernstfall eintrete. Es brauche eine Mindestfallzahl für das Team, um einen schwer Brandverletzten adäquat zu behandeln. Bei einem Grossereignis wie in Crans-Montana funktioniere es nur mit internationaler Zusammenarbeit.
Tenzin Lamdark, Koordinator der Katastrophenmedizin des Bundes, bestätigt dies. «Die Prioritäten waren, das Spitalsystem zu entlasten, das die Erstbewältigung gemacht hat, und dann die Patienten der bestmöglichen Versorgung in einem Verbrennungszentrum zuzuführen», erklärt Lamdark. Teil seiner Arbeit ist die Koordination mit den europäischen Ländern, die der Schweiz ihre Hilfe anboten.
Wir mussten das in intensiver Arbeit und in kurzer Zeit umsetzen.
Lamdark ist dankbar für die grosse Solidarität, denn die Schweiz ist nicht Teil des Katastrophenschutzes der EU. Dennoch sind die Schwerverletzten nach diesem Verfahren in ausländische Kliniken verlegt worden.
Bis Ende 2026 soll Lamdark einen nationalen Aktionsplan ausarbeiten, um die Beteiligten im Gesundheitswesen besser auf Ausnahmesituationen vorzubereiten. Eine der grössten Lücken, die er im Rahmen der Arbeiten entdeckt habe, sei die strategische Patientenverteilung. Dabei gehe es darum, eine Grosszahl von Patienten über die Schweiz und allenfalls auch international verteilen zu können.
Rascher als gedacht wurden die Überlegungen für einen Aktionsplan in den vergangenen Tagen aktuell. Die Katastrophe kam vor dem Plan. «Wir mussten das in intensiver Arbeit und in kurzer Zeit umsetzen.»
Bei Brandkatastrophen braucht es also nicht mehr spezialisierte Plätze in Spitälern. Auf jeden Fall aber eine gute Koordination im In- und Ausland.
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