Am Samstagnachmittag gab die Staatsanwaltschaft des Kantons Wallis bekannt, dass sie eine Strafuntersuchung gegen das Betreiber-Paar der Bar «Le Constellation» eröffnet hat. Zudem hat auch die Gemeinde Crans-Montana eine Zivilklage eingereicht.
Frage der Haftung und Entschädigung
Gleichzeitig ist denkbar, dass die Gemeinde auch selbst in den Fokus der Ermittlungsbehörde kommen könnte. Vor allem wenn diese zum Schluss kommen sollte, dass die Gemeinde beispielsweise die Brandschutzkontrollen vernachlässigt hat.
In diesem Fall müssten sich aber wohl nicht die für die Kontrollen zuständigen Einzelpersonen verantworten, sondern die Gemeinde als Ganzes, im Sinne der Staatshaftung. Das schreibt Raphaela Cueni, Assistenzprofessorin für Verwaltungsrecht an der Universität St. Gallen, auf Anfrage von SRF. Eine direkte Haftung für allenfalls fehlbare kontrollierende Personen sieht das Gesetz nicht vor.
Wir müssen über eine Regelung diskutieren, die den Opfern und Geschädigten rasch hilft.
Eine weitere juristische Frage ist: Von wem und wann haben die Opfer der Brandkatastrophe Anspruch auf Entschädigung? Für den Berner Rechtsanwalt Rolf Steinegger ist klar: «Wir müssen über eine Regelung diskutieren, die den Opfern und Geschädigten rasch hilft.»
Dabei denkt er an einen Entschädigungsfonds, der jetzt geäufnet werden sollte – von den Betreibern der Bar und ihren Versicherungen, wie auch von der Gemeinde und dem Kanton – und zwar unabhängig vom Ausgang der Strafverfahren. Auch wenn sie alle juristisch freigesprochen würden, stünden sie aus seiner Sicht nach dieser Tragödie gleichwohl moralisch in der Pflicht. «Es ist eine Art soziale Aufgabe und Verpflichtung: Wie kann den Opfern und ihren Angehörigen rasch geholfen werden, ohne sie einem langjährigen, völlig unsicheren Verfahren auszusetzen?», so Steinegger.
Zuständigkeit bei Opferhilfe
Bei der Gründung dieses Fonds sollte laut Steinegger das Bundesamt für Justiz die Führung übernehmen und zwischen den Parteien vermitteln. Auf Anfrage sagt Ingrid Ryser vom Bundesamt für Justiz, dass dies aktuell nicht vorgesehen sei. Sie verweist dafür auf das Schweizer Opferhilfegesetz, das Opfern von Straftaten Entschädigungen zugestehe – und dieses Gesetz gebe den Ablauf hierfür genau vor: «Ganz konkret ist es wichtig, die Ergebnisse des Strafverfahrens abzuwarten und wann und in welcher Form die Bestimmungen des Opferhilfegesetzes zur Anwendung kommen.»
Es ist wirklich beeindruckend, wie der Kanton Wallis diese Situation meistert.
Für die Opferhilfe zuständig seien letztlich die Kantone, sagt Ryser. Sie betont, dass der Kanton Wallis direkt nach der Katastrophe viele Sofortmassnahmen eingeleitet habe. «Wir sind stetig mit dem Kanton Wallis und den Opferberatungsstellen in Kontakt. Und es ist wirklich beeindruckend, wie der Kanton Wallis diese Situation meistert.»
Und sollten der Walliser Opferhilfe aufgrund der Vielzahl der Geschädigten die Mittel ausgehen, gäbe es die Möglichkeit, auf den Bund zuzukommen. «Das Opferhilfegesetz sieht tatsächlich vor, dass der Bund die Kantone für deren Leistungen im Rahmen der Opferhilfe entschädigen kann, wenn sie ausserordentlich hohe Ausgaben haben im Bereich der Opferhilfe aufgrund ausserordentlicher Ereignisse», erklärt Ryser.
Darüber müsste dann das Parlament entscheiden.
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Bild 1 von 35. Ein Meer aus Kerzen – Crans-Montana am Abend des 4.1.2026. Bildquelle: Keystone/AP Photo/Antonio Calanni.
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Bild 2 von 35. Feuerwehrleute und Hunderte Menschen trauern an der Gedenkstätte vor dem Unglücksort. Bildquelle: REUTERS/Umit Bektas .
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Bild 3 von 35. Trauermarsch in Crans-Montana am Sonntag. Bildquelle: Keystone/AP Photo/ Antonio Calanni.
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Bild 4 von 35. Gedenkmesse für die Opfer der Brandkatastrophe: Feuerwehrleute stehen während der Messe vor der Chapelle Saint-Christophe de Crans zu Ehren der Opfer. Bildquelle: REUTERS/Lisa Leutner.
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Bild 5 von 35. Bischof Jean-Marie Lovey begrüsst Nicolas Feraud, Präsident von Crans-Montana, vor dem Start des Gedenkgottesdiensts. Bildquelle: Jean-Christophe Bott/Pool via REUTERS.
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Bild 6 von 35. Ein Kind kniet vor einer Gedenkstätte mit Blumen vor dem Unglücksort. Bildquelle: REUTERS/Umit Bektas.
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Bild 7 von 35. Bundesrat Beat Jans hat am Samstagnachmittag den Unglücksort besucht und Blumen niedergelegt. Bildquelle: AP Photo/Baz Ratner.
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Bild 8 von 35. Nach der Brandkatastrophe ist die Trauer in Crans-Montana gross. Bildquelle: REUTERS/Lisa Leutner .
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Bild 9 von 35. Blumenmeer für die Opfer. Bildquelle: KEYSTONE/Alessandro della Valle.
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Bild 10 von 35. Menschen zollen den Opfern Respekt. Bildquelle: KEYSTONE/Jean-Christophe Bott.
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Bild 11 von 35. Kerzen für die Opfer. Bildquelle: Keystone/AP Photo/ Antonio Calanni.
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Bild 12 von 35. Zahlreiche Menschen legten in Crans-Montana Blumen nieder. Bildquelle: KEYSTONE/Jean-Christophe Bott.
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Bild 13 von 35. Die Trauer ist gross. Bildquelle: Keystone/AP Photo/ Antonio Calanni.
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Bild 14 von 35. Währenddessen gehen die Ermittlungsarbeiten weiter. Bildquelle: Keystone/AP Photo/Baz Ratner.
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Bild 15 von 35. Der italienische Aussenminister Antonio Tajani (2. von links) hat Crans-Montana besucht. Links der Walliser Staatsratspräsident Mathias Reynard. Bildquelle: Keystone/EPA/GIUSEPPE LAMI.
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Bild 16 von 35. Gemeinsam mit dem Walliser Staatsratspräsidenten legte der italienische Aussenminister unweit des Unglücksortes einen Blumenstrauss nieder. Bildquelle: KEYSTONE/Jean-Christophe Bott.
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Bild 17 von 35. Die Betroffenheit aus der Bevölkerung ist einen Tag nach der Katastrophe... Bildquelle: SRF.
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Bild 18 von 35. ... in der Gemeinde spürbar. Bildquelle: SRF.
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Bild 19 von 35. Die Bar «Le Constellation» – der Ort des Unglücks am Tag danach. Bildquelle: SRF.
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Bild 20 von 35. Das Medieninteresse auch aus dem Ausland ist nach wie vor gross. Bildquelle: SRF.
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Bild 21 von 35. Die Schweizer Flaggen am Bundeshaus wehen für fünf Tage auf Halbmast. Die Waadtländer Kantonsregierung folgte dem Beispiel. Bildquelle: KEYSTONE/Anthony Anex.
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Bild 22 von 35. Vor dem abgesperrten Gebiet um den Unglücksort versammelten sich am Donnerstagabend hunderte Trauernde. Bildquelle: KEYSTONE/Alessandro della Valle.
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Bild 23 von 35. Die Menschen in Crans-Montana sind tief betroffen. Bildquelle: REUTERS/Stephanie Lecocq.
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Bild 24 von 35. Unter den Opfern befinden sich viele junge – teils minderjährige – Menschen. Bildquelle: Alessandro della Valle/Keystone via AP.
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Bild 25 von 35. Am Donnerstagabend fand eine Gedenkmesse in der katholischen Kirche in Crans-Montana statt. Bildquelle: EPA/ALESSANDRO DELLA VALLE.
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Bild 26 von 35. Am Donnerstagnachmittag machte sich Bundespräsident Guy Parmelin vor Ort ein Bild der Lage. Bildquelle: SRF/Anna-Lisa Achtermann.
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Bild 27 von 35. Bestattungsfahrzeuge vor dem Unglücksort: Die Walliser Behörden gehen von rund 40 Todesopfern aus. Bildquelle: KEYSTONE/Jean-Christophe Bott.
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Bild 28 von 35. Eine Vielzahl von Kriminaltechnikerinnen und -technikern war vor Ort, um die Ursache des Feuers zu ermitteln. Bildquelle: REUTERS/Denis Balibouse.
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Bild 29 von 35. Die Menschen in Crans-Montana stehen nach der Katastrophennacht unter Schock. Bildquelle: SRF/Anna-Lisa Achtermann.
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Bild 30 von 35. Die Rega setzte für die Versorgung und Verlegung von Brandopfern auch Ambulanzflugzeuge ein. Bildquelle: REUTERS/Pierre Albouy.
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Bild 31 von 35. Die Behörden sprachen an der ersten Medienkonferenz am Donnerstagvormittag noch von «Dutzenden Verstorbenen». Bildquelle: Keystone/Alessandro della Valle.
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Bild 32 von 35. Chaotisch zurückgelassene Stühle, angelaufene Scheiben, ein Turnschuh: Blick in das Innere der ausgebrannten Bar «Le Constellation». Bildquelle: Keystone/Kantonspolizei Wallis.
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Bild 33 von 35. Im Rettungseinsatz standen 13 Helikopter, 42 Ambulanzen und 150 Sanitäterinnen und Sanitäter. Bildquelle: X/Osint World.
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Bild 34 von 35. Was als Neujahrsfest über die Bühne gehen sollte, endete für viele in einem Drama. Bildquelle: Keystone/Kantonspolizei Wallis.
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Bild 35 von 35. Die Bar «Le Constellation» steht in Flammen. Die Einsatzkräfte wurden um 01:30 Uhr alarmiert. Bildquelle: Screenshot/Social Media/X@Tyroneking36852.