Worum geht es? Die Walliser Staatsanwaltschaft hat bereits am Tag zwei nach der Katastrophe von Crans-Montana ein Strafverfahren eröffnet gegen die Betreiberin und den Betreiber der Bar «Le Constellation» - dies wegen des Verdachts auf fahrlässige Tötung und fahrlässige Körperverletzung. Allerdings hat sie keine Untersuchungshaft gegen die beiden Eheleute beantragt. Das stösst in der Öffentlichkeit zum Teil auf Unverständnis. Rechtsexperten erklären das Verhalten der Staatsanwaltschaft, üben aber auch Kritik.
Was muss erfüllt sein für Untersuchungshaft? Staatsanwältinnen und Staatsanwälte müssen Untersuchungshaft beim kantonalen Zwangsmassnahmengericht beantragen. Zulässig ist Untersuchungshaft bei einem dringenden Tatverdacht. Dies dürfte bei den Betreibern der Bar gegeben sein, wobei die Unschuldsvermutung gilt. Zusätzlich müssen weitere Bedingungen erfüllt sein. Im Fall Crans-Montana sind zwei Voraussetzungen relevant: Es muss die Gefahr bestehen, dass die Verdächtigen fliehen oder dass sie Beweise vernichten und Druck auf andere Personen ausüben könnten – damit diese zum Beispiel in ihrem Sinne aussagen. Man spricht von Verdunkelung.
-
Bild 1 von 35. Ein Meer aus Kerzen – Crans-Montana am Abend des 4.1.2026. Bildquelle: Keystone/AP Photo/Antonio Calanni.
-
Bild 2 von 35. Feuerwehrleute und Hunderte Menschen trauern an der Gedenkstätte vor dem Unglücksort. Bildquelle: REUTERS/Umit Bektas .
-
Bild 3 von 35. Trauermarsch in Crans-Montana am Sonntag. Bildquelle: Keystone/AP Photo/ Antonio Calanni.
-
Bild 4 von 35. Gedenkmesse für die Opfer der Brandkatastrophe: Feuerwehrleute stehen während der Messe vor der Chapelle Saint-Christophe de Crans zu Ehren der Opfer. Bildquelle: REUTERS/Lisa Leutner.
-
Bild 5 von 35. Bischof Jean-Marie Lovey begrüsst Nicolas Feraud, Präsident von Crans-Montana, vor dem Start des Gedenkgottesdiensts. Bildquelle: Jean-Christophe Bott/Pool via REUTERS.
-
Bild 6 von 35. Ein Kind kniet vor einer Gedenkstätte mit Blumen vor dem Unglücksort. Bildquelle: REUTERS/Umit Bektas.
-
Bild 7 von 35. Bundesrat Beat Jans hat am Samstagnachmittag den Unglücksort besucht und Blumen niedergelegt. Bildquelle: AP Photo/Baz Ratner.
-
Bild 8 von 35. Nach der Brandkatastrophe ist die Trauer in Crans-Montana gross. Bildquelle: REUTERS/Lisa Leutner .
-
Bild 9 von 35. Blumenmeer für die Opfer. Bildquelle: KEYSTONE/Alessandro della Valle.
-
Bild 10 von 35. Menschen zollen den Opfern Respekt. Bildquelle: KEYSTONE/Jean-Christophe Bott.
-
Bild 11 von 35. Kerzen für die Opfer. Bildquelle: Keystone/AP Photo/ Antonio Calanni.
-
Bild 12 von 35. Zahlreiche Menschen legten in Crans-Montana Blumen nieder. Bildquelle: KEYSTONE/Jean-Christophe Bott.
-
Bild 13 von 35. Die Trauer ist gross. Bildquelle: Keystone/AP Photo/ Antonio Calanni.
-
Bild 14 von 35. Währenddessen gehen die Ermittlungsarbeiten weiter. Bildquelle: Keystone/AP Photo/Baz Ratner.
-
Bild 15 von 35. Der italienische Aussenminister Antonio Tajani (2. von links) hat Crans-Montana besucht. Links der Walliser Staatsratspräsident Mathias Reynard. Bildquelle: Keystone/EPA/GIUSEPPE LAMI.
-
Bild 16 von 35. Gemeinsam mit dem Walliser Staatsratspräsidenten legte der italienische Aussenminister unweit des Unglücksortes einen Blumenstrauss nieder. Bildquelle: KEYSTONE/Jean-Christophe Bott.
-
Bild 17 von 35. Die Betroffenheit aus der Bevölkerung ist einen Tag nach der Katastrophe... Bildquelle: SRF.
-
Bild 18 von 35. ... in der Gemeinde spürbar. Bildquelle: SRF.
-
Bild 19 von 35. Die Bar «Le Constellation» – der Ort des Unglücks am Tag danach. Bildquelle: SRF.
-
Bild 20 von 35. Das Medieninteresse auch aus dem Ausland ist nach wie vor gross. Bildquelle: SRF.
-
Bild 21 von 35. Die Schweizer Flaggen am Bundeshaus wehen für fünf Tage auf Halbmast. Die Waadtländer Kantonsregierung folgte dem Beispiel. Bildquelle: KEYSTONE/Anthony Anex.
-
Bild 22 von 35. Vor dem abgesperrten Gebiet um den Unglücksort versammelten sich am Donnerstagabend hunderte Trauernde. Bildquelle: KEYSTONE/Alessandro della Valle.
-
Bild 23 von 35. Die Menschen in Crans-Montana sind tief betroffen. Bildquelle: REUTERS/Stephanie Lecocq.
-
Bild 24 von 35. Unter den Opfern befinden sich viele junge – teils minderjährige – Menschen. Bildquelle: Alessandro della Valle/Keystone via AP.
-
Bild 25 von 35. Am Donnerstagabend fand eine Gedenkmesse in der katholischen Kirche in Crans-Montana statt. Bildquelle: EPA/ALESSANDRO DELLA VALLE.
-
Bild 26 von 35. Am Donnerstagnachmittag machte sich Bundespräsident Guy Parmelin vor Ort ein Bild der Lage. Bildquelle: SRF/Anna-Lisa Achtermann.
-
Bild 27 von 35. Bestattungsfahrzeuge vor dem Unglücksort: Die Walliser Behörden gehen von rund 40 Todesopfern aus. Bildquelle: KEYSTONE/Jean-Christophe Bott.
-
Bild 28 von 35. Eine Vielzahl von Kriminaltechnikerinnen und -technikern war vor Ort, um die Ursache des Feuers zu ermitteln. Bildquelle: REUTERS/Denis Balibouse.
-
Bild 29 von 35. Die Menschen in Crans-Montana stehen nach der Katastrophennacht unter Schock. Bildquelle: SRF/Anna-Lisa Achtermann.
-
Bild 30 von 35. Die Rega setzte für die Versorgung und Verlegung von Brandopfern auch Ambulanzflugzeuge ein. Bildquelle: REUTERS/Pierre Albouy.
-
Bild 31 von 35. Die Behörden sprachen an der ersten Medienkonferenz am Donnerstagvormittag noch von «Dutzenden Verstorbenen». Bildquelle: Keystone/Alessandro della Valle.
-
Bild 32 von 35. Chaotisch zurückgelassene Stühle, angelaufene Scheiben, ein Turnschuh: Blick in das Innere der ausgebrannten Bar «Le Constellation». Bildquelle: Keystone/Kantonspolizei Wallis.
-
Bild 33 von 35. Im Rettungseinsatz standen 13 Helikopter, 42 Ambulanzen und 150 Sanitäterinnen und Sanitäter. Bildquelle: X/Osint World.
-
Bild 34 von 35. Was als Neujahrsfest über die Bühne gehen sollte, endete für viele in einem Drama. Bildquelle: Keystone/Kantonspolizei Wallis.
-
Bild 35 von 35. Die Bar «Le Constellation» steht in Flammen. Die Einsatzkräfte wurden um 01:30 Uhr alarmiert. Bildquelle: Screenshot/Social Media/X@Tyroneking36852.
Können die Verdächtigen Beweise vernichten? Laut Medienberichten ist dies bereits geschehen: Das Betreiberpaar soll noch in der Unglücksnacht Profile in den sozialen Medien gelöscht haben. Der Zürcher Rechtsanwalt und Strafverteidiger Boris Etter sieht auch deshalb den Entscheid, auf Untersuchungshaft zu verzichten, kritisch: «Diese Löschungen sind ein Argument dafür, dass Verdunkelungsgefahr besteht. Zudem sind die Verdächtigen verheiratet. Da besteht schon per se die Gefahr, dass sie sich absprechen», sagt Etter. Auch könnten die Verdächtigen zum Beispiel Angestellte ihrer Bar beeinflusst und weitere Beweismittel beseitigt haben. Etwas weniger kritisch sieht es David Zollinger, auch er Rechtsanwalt und Strafverteidiger in Zürich. Die Verdächtigen seien einvernommen worden: «Ich vermute, dass sie sich dabei nicht gross widersprochen haben und dass sie kooperieren.» Wohl deshalb habe die Staatsanwaltschaft keine Verdunkelungsgefahr gesehen. Zudem würden unzählige Handyvideos den Tathergang dokumentieren.
Wie gross ist die Fluchtgefahr? Strafverteidiger Zollinger sieht durchaus eine Fluchtgefahr. Dies, weil die Verdächtigen französische Staatsbürger sind. Nach seiner Einschätzung wäre Untersuchungshaft in diesem Fall wohl möglich gewesen: «Die Wahrscheinlichkeit, dass das Zwangsmassnahmengericht einen Antrag auf Untersuchungshaft wegen Fluchtgefahr genehmigt hätte, ist nicht gering.»
Was sagt die Walliser Staatsanwaltschaft? Die Staatsanwaltschaft schrieb am Sonntag, es bestünden keine Anhaltspunkte für eine Flucht der Beschuldigten. Auch die Verdunkelungsgefahr komme nicht in Betracht. Auf Fragen von SRF zur genaueren Begründung hat die Staatsanwaltschaft nicht reagiert.
Könnte der Kanton Wallis das Strafverfahren abgeben? Strafverteidiger Boris Etter schliesst nicht aus, dass auch Behörden selbst in den Fokus der Ermittlungen geraten könnten – etwa wegen Versäumnissen bei Kontrollen. In diesem Fall stelle sich die Frage, ob man das Verfahren an eine Staatsanwältin oder einen Staatsanwalt aus einem anderen Kanton übertragen sollte. So liesse sich der Anschein von Befangenheit oder Interessenskonflikten vermeiden.