Zum Inhalt springen

Header

Navigation

Legende: Video Kritik an Bahn-Aufsicht abspielen. Laufzeit 05:29 Minuten.
Aus Rundschau vom 11.09.2019.
Inhalt

Keine Abklärungen bei der SBB Tödlicher Zugunfall: Bundesamt für Verkehr in der Kritik

Nach dem tödlichen Unfall eines Zugbegleiters in Baden gerät nun ein ähnlicher Vorfall drei Jahre zuvor in Zürich in das Visier der Untersuchungsstelle Sust. Dabei wirft das Verhalten des zuständigen Bundesamts für Verkehr Fragen auf.

2016 blieb eine Frau schwer verletzt liegen als sie von einer Bahntüre eingeklemmt und danach mitgeschleift wurde. Der Vorfall ereignete sich auf der Linie S10 der Sihltal Zürich Uetliberg Bahn an der Haltestelle Zürich Schweighof.

Die Untersuchungsstelle Sust, die den Unfall damals untersuchte, stellte den «gefährlichen Umstand» fest, dass sich eine Person einklemmen konnte, ohne dass dies detektiert wurde und ohne dass der Lokführer dies mit der sogenannten Kontrolllampe angezeigt bekam.

Nach dem Unfall am Schweighof sprach die Sust eine Sicherheitsempfehlung an die Adresse des Bundesamtes für Verkehr aus. Es sollte prüfen, «ob bei anderen Fahrzeugtypen ein ähnliches Sicherheitsdefizit vorliegt» und «die geeigneten Massnahmen für deren Behebung ergreifen».

Keine Abklärungen bei den SBB

Wie die «Rundschau» heute berichtet, hat das BAV aber damals keine dokumentierten Abklärungen bei anderen Bahnunternehmen getätigt.

Die «Rundschau» bekam gestützt auf das Öffentlichkeitsgesetz Einblick in den Schriftenwechsel. In der Antwort an die Sust schreibt das BAV: «Aus Sicht des BAV liegt bei anderen Fahrzeugen kein vergleichbares Sicherheitsdefizit vor. Massnahmen zu dessen Behebung sind somit obsolet. Die Sicherheitsempfehlung Nr. 121 ist umgesetzt.» Ein Schriftenwechsel mit den SBB existiert laut BAV nicht.

Die Sust bestätigt nun gegenüber der «Rundschau», dass der Fall Schweighof in der aktuellen Untersuchung Baden eine Rolle spielen wird. Die Behörde habe beim Unfall Schweighof gesehen, dass Mängel am Fahrzeugtyp vorhanden waren. «Und die Empfehlung war, dass man ähnliche Defizite überprüft. Und jetzt hat man so einen ähnlichen Fall», so Christoph Kupper, Bereichsleiter Bahn bei der Sust.

Die Möglichkeit hätte bestanden, dass man das herausgefunden hätte.
Autor: Christoph KupperSust, Bereichsleiter Bahn

Man werde im Rahmen der laufenden Untersuchung betreffend den Unfall auch «die Frage der Umsetzung der Sicherheitsempfehlungen von Schweighof» aufnehmen.

Legende: Video Christoph Kupper, Sust: «Wir haben beim Unfall Schweighof gesehen, dass Mängel am Fahrzeugtyp vorhanden waren» abspielen. Laufzeit 00:18 Minuten.
Aus News-Clip vom 10.09.2019.

Hätte man damals eine Prüfung aller Wagentypen durchgeführt, wäre durchaus die Chance bestanden, dass das Problem beim aktuellen Unfallwagen der SBB entdeckt worden wäre: «Die Möglichkeit hätte bestanden, dass man das herausgefunden hätte.»

BAV: «Nicht vergleichbar»

Das Bundesamt für Verkehr rechtfertigt sich im Nachhinein sinngemäss damit, es habe nur typähnliche Fahrzeuge der Unfallwagen der Sihltal Zürich Uetlibergbahn SZU in Betracht gezogen. Und solche seien bei keinem anderen Unternehmen im Einsatz gewesen. Ein Sprecher verweist auf die Besonderheit der breiten Gummiprofile der betroffenen SZU-Wagentüren.

Wegen dieser «Gummilippen» bestehe das Risiko, dass jemand eingeklemmt werden könne: «Die Türen anderer Bahnen sind nicht mit denjenigen der SZU vergleichbar. Auch die Türen der EW-IV-Wagen sind anders gebaut und weisen keine breiten Gummilippen auf.»

Der Direktor nimmt Stellung

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Im «Rundschau»-Gespräch verteidigt sich Direktor Peter Füglistaler vehement gegen die Kritik am Bundesamt für Verkehr.

  • Füglistaler kritisiert die Aussagen der Untersuchungsstelle Sust gegenüber der «Rundschau» scharf als «unprofessionell». Sein Amt habe der Sust genau dargelegt, wie es die Sicherheits-Empfehlung umsetze. Die Sust habe zwei Jahre Zeit gehabt zu intervenieren, sagt Füglistaler. Das habe sie aber nicht getan.
  • Dass sein Bundesamt die Thematik der «Türe geschlossen-Anzeige im Führerstand nicht genauer angeschaut habe – das sei kein Fehler gewesen, sagt Füglistaler. Die Ursache des Unfalls bei der Uetlibergbahn seien die dicken Gummiprofile bei den Türen gewesen. Gestützt darauf habe man die Sicherheitsempfehlung interpretiert.
Legende: Video Peter Füglistaller, Direktor BAV: «Die Stellungnahme der Sust hat uns sehr überrascht» abspielen. Laufzeit 00:11 Minuten.
Aus News-Clip vom 10.09.2019.

Die Sust hält dagegen fest, dass sie die Empfehlung «nicht auf einen Fahrzeugtyp beschränkt» habe, sondern: «Ob ähnliche Defizite auch bei anderen Fahrzeugtypen und Bahnunternehmungen vorhanden sein könnten.»

«Das darf nicht sein!»

Verkehrspolitiker, die die Unterlagen ebenfalls studieren konnten, sind erstaunt und fordern Massnahmen. Philipp Hadorn (SP/SO) sagt, es gehe nicht, dass klare Empfehlungen der Sust nicht umgesetzt würden: «Und wenn damals Massnahmen umgesetzt worden wären, wäre das schlicht nicht passiert. Das darf nicht sein!»

Legende: Video Philipp Hadorn, Nationalrat (SP/SO): «Das darf nicht sein!» abspielen. Laufzeit 00:23 Minuten.
Aus News-Clip vom 10.09.2019.

Thierry Burkart (FDP/AG) stellt die Frage, «ob das BAV seine Aufsichtspflichten genügend wahrgenommen» habe. «Diese Frage wird es wahrscheinlich noch beantworten müssen gegenüber dem Parlament.»

Wir müssen bei der GPK das Problem anschauen.
Autor: Michael TöngiGrüne/LU

Und Michael Töngi (Grüne/LU) will den Vorfall nun zum Anlass einer Untersuchung in der Geschäftsprüfungskommission GPK nehmen: «Wir müssen bei der GPK das Problem anschauen und die Stellen einladen und je nachdem muss das BAV in dem Bereich nachbessern.»

Schliessen

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

19 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Stefan Meier  (Nepp)
    Es ist schon faszinierend, jeder einzelne Schritt muss man den Behörden vorschreiben, jede einzelne Facette des Ablauf‘s einer Untersuchung, man kommt nicht von sich aus darauf, dass man weiter wie der eigene Garten schauen muss. Ebenso mit glasklar beschriebenen Störungen und Sicherheitsproblemen, man schiebt es von Fachspezialist zu Fachspezialist und der eigentliche Fachmann, nämlich der, der die Situation erkannte und meldete wird ignoriert und als Qwengi angeschaut.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Franco Caroselli  (FrancoCaroselli)
    Wichtig ist, dass die Schweiz nur so von Bundesämter wimmelt. Alle haben einen Job so oder so, reisen gut nach Bern, verdienen gut. Und das ist gut so. Zuerst grosse Augen bei der Postauto und nun bei den Unfällen. Die CH ist und bleibt ein Büroland, die Realität drum herum der Büros, ist dann eine andere. Spätestens dann tauchen immer die Fragen, wieso? Warum? Kann es sein? Ist es so? Ach ja?
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Rolf Bolliger  (jolanda)
    Täglich steigen Hunderttausende von Zugsreisenden ein und aus. Die 2 Unfälle in den vergangenen 3 Jahren sind selbstverständlich tragisch und sollten künftig nicht mehr passieren. Wenn aber hier im Forum sofort laienhafte Kritik und sogar von Entlassungen bei den oberen Verantwortlichen geschrieben wird, finde ich das kaum förderlich, diese offensichtlichen technischen Probleme zu finden und sie künftig verhindern zu können! Habe ich mit dieser Feststellung tatsächlich das Netiquette verletzt?
    Ablehnen den Kommentar ablehnen