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«Nein, ich schäme mich nicht, Hilfe anzunehmen.»
Aus Regionaljournal Bern Freiburg Wallis vom 06.04.2021.
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Keine Studentenjobs in Sicht Corona bringt viele Studierende in Geldnot

Viele Unis und Hochschulen unterstützen ihre Studierenden. Das Ziel der Corona-Nothilfe: Studienabbrüche verhindern.

Silvan Zaugg ist 25. Bisher hatte er sich noch nie viel Gedanken um Geld gemacht. Nach der kaufmännischen Lehre arbeitete er in einem Büro. «Ich hatte nie Geldsorgen, konnte sogar sparen. Jetzt sieht es völlig anders aus.» Er hatte den sicheren Bürojob aufgegeben, um an der Berner Fachhochschule Soziale Arbeit zu studieren.

Die finanzielle Situation belastet mich.
Autor: Silvan ZauggStudent

Nun steht er ohne seinen Studentenjob in der Gastronomie da, auch Kurzarbeitsentschädigung gibt es keine. Seine finanzielle Situation belaste ihn: «Das habe ich immer im Hinterkopf, dass Rechnungen kommen und dass es knapp wird», so Zaugg. Sein Erspartes, das eigentlich für eine Reise gedacht war, geht jetzt für Krankenkassen und Steuern drauf. Er wohnt noch bei seinen Eltern und gibt so wenig wie möglich aus.

Silvan Zaugg arbeitet am Computer.
Legende: Silvan Zaugg muss mit 500 Franken im Monat auskommen. zvg

In einer ähnlichen Lage steckt Laura. Ihren Nachnamen möchte sie hier nicht nennen. Die Studentin arbeitete im Service, in Museen oder als Promotorin an Grossanlässen. Ohne diese Einkünfte muss sie nun noch sparsamer leben. «Ich kaufe zum Beispiel kein Fleisch mehr, weil das nicht mehr drin liegt.»

1000 Franken pro Semester

Laura und Silvan Zaugg haben beide die Corona-Nothilfe der Berner Fachhochschule in Anspruch genommen. Pro Semester gibt es maximal zweimal 500 Franken als Überbrückung. Bei Laura ist mit 500 Franken eine Monatsmiete ihres WG-Zimmers bezahlt. «Es ist nicht sehr viel, trotzdem war es für mich eine grosse Hilfe», sagt Laura.

So viel arbeiten Studierende in der Schweiz

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Vor Corona waren in der Schweiz knapp zwei Drittel aller Studierenden erwerbstätig. Sie arbeiteten rund 10 Stunden pro Woche neben ihrem Studium. Dies geht aus den ersten Ergebnissen zur sozialen und wirtschaftlichen Lage der Studierenden im Jahr 2020 des Bundesamtes für Statistik (BFS) hervor.

Wie ist das, plötzlich auf finanzielle Hilfe angewiesen zu sein? Er schäme sich nicht, sagt Silvan Zaugg. «Ich traue mich, um Hilfe zu fragen – auch bei Eltern oder Freunden.»

Grosse Unterschiede bei den Massnahmen

Viele Schweizer Unis und Hochschulen haben neben den regulären Stipendien nun auch Nothilfefonds lanciert. Die Hilfsangebote variieren stark. Während es bei der Berner Fachhochschule lediglich zweimal 500 Franken pro Semester gibt, erhalten Studierende bei der Uni Bern bis zu 5000 Franken. Dieses Geld muss nicht zurückerstattet werden.

Anders bei der ETH Zürich. Dort wurde wegen Corona der Zugang zu kurzfristigen zinslosen Darlehen erleichtert. «Beträge bis 5000 Franken können unkompliziert beantragt werden», heisst es bei der ETH auf Anfrage.

Hier finden Studierende Unterstützung

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Eine Übersicht zu den Hilfsangeboten der verschiedenen Hochschulen gibt Swiss Universities auf ihrer Internet-Site, Link öffnet in einem neuen Fenster. Dazu sind auch die jeweiligen Studierendenschaften nahe am Geschehen dran und können Beratungen anbieten.

Bei der Hochschule Luzern sind vor allem Studierende im Bereich Musik betroffen, weil sie keine Konzerte mehr geben können. Wer keine Aussicht auf anderweitige Unterstützung hat, erhält momentan 500 Franken von der Hochschule. Teilweise erhalten besonders betroffene Studierende mehrfache Unterstützung.

Auch die Universität Zürich hat vor einem Jahr eine Corona-Nothilfe lanciert. Studierende in finanzieller Schieflage erhielten bis zu 6000 Franken, wobei Beiträge unter 3000 Franken nicht zurückbezahlt werden müssen. Alles über 3000 Franken gilt als zinsloses Darlehen, welches die Studierenden innert zweier Jahre nach Studienabschluss zurückzahlen müssen.

Nicht mehr Studienabbrüche

Mittlerweile hätten sich die Studierenden neu organisiert und seien nicht mehr auf die Nothilfe angewiesen, heisst es bei der Universität Zürich auf Anfrage. «Aufgrund der stark rückläufigen Nachfrage verzichten wir im Frühlingssemester 2021 auf eine Fortführung der Pandemie-Nothilfe.»

Die Hilfsangebote variieren also stark. Der Ort des Studiums entscheidet darüber, wie gross die Unterstützung ist. Aber unabhängig von der Höhe der Zahlungen scheint die Unterstützung ihren Zweck zu erfüllen: Bei allen angefragten Institutionen ist trotz Corona kein deutlicher Anstieg bei den Studienabbrüchen zu verzeichnen.

SRF 1, Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 06.04.2021, 17:30 Uhr;

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7 Kommentare

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  • Kommentar von Denise Casagrande  (begulide)
    Schweiz - SchweizerInnen - Menschen: Anpassung (persönlich und beruflich) an veränderte, weltweite Pandemie und deren persönlichen, beruflichen, wirtschaftlichen Langzeit-Auswirkungen auf die Menschheit!
  • Kommentar von Manuela Fitzi  (Mano)
    Die Schweiz geht mit ihren zukünftigen Hochqualifizierten einfach mies um. Und dann das Gejammer, dass die Hochqualifizierten usm Uusland kommen. Totales Fehlen von perspektivischem Denken.
  • Kommentar von Barbara Lampérth  (Luk 12/3)
    Wo ist die Evidenz, dass die Massnahmen mehr nützen als schaden?
    1. Antwort von Christa Wüstner  (Saleve2)
      Evidenz bedeutet hier für meine Begriffe Klarheit Eindeutigkeit. Es sollte also klar und eindeutig sein, Massnahmen dagegen frühzeitig zu unternehmen, kann also nur der richtige Weg sein.