Zum Inhalt springen

Kiffen für die Wissenschaft Pilotversuche mit Cannabis sollen möglich werden

Es darf experimentiert werden. Zumindest, wenn es nach dem Bundesrat geht: Er will Studien mit Cannabis zulassen.

Legende: Video Berset: «Besseren Umgang mit dem Problem finden» abspielen. Laufzeit 0:27 Minuten.
Aus News-Clip vom 04.07.2018.

Darum geht es: In der Sommersession versenkte der Nationalrat eine Motion, die wissenschaftliche Studien mit Cannabis zulassen wollte. Diverse Städte hatten im Vorfeld Interesse angemeldet, entsprechende Erfahrungen mit der Abgabe von Cannabis zu Genusszwecken zu sammeln. Trotz dem parlamentarischen Veto wagt der Bundesrat nun einen neuen Vorstoss: Er schlägt vor, einen Pilotversuchsartikel in das Betäubungsmittelgesetz aufzunehmen, das den Cannabis-Konsum verbietet.

Stagnierende Konsumentenzahlen

Laut Schätzungen würden in der Schweiz 200'000 Personen regelmässig Cannabis zu Freizeitzwecken konsumieren, schreibt der Bundesrat in seiner Mitteilung. Die Zahl gehe trotz des Verbots nicht zurück, der Schwarzmarkt floriere, die Konsumentensicherheit sei nicht gewährleistet.

So laufen die Studien ab: Die Pilotversuche sollen zeitlich und räumlich beschränkt sein, sagte Gesundheitsminister Alain Berset vor den Medien in Bern. Die Teilnehmerzahl der Studien soll begrenzt sein, und Minderjährige werden davon ausgenommen. Der Pilotversuchsartikel soll eine Gültigkeitsdauer von höchstens zehn Jahren haben.

Für Berset gibt es beim Cannabis-Konsum viel zu klären. Der Experimentierartikel würde es etwa erlauben herauszufinden, wie sich der Konsum der Studienteilnehmer entwickeln würde. Zudem liessen sich Informationen gewinnen, ob die kontrollierte Abgabe von Cannabis dazu führe, dass die Konsumenten weniger mit anderen Drogen auf dem Schwarzmarkt konfrontiert wären.

Kein Präjudiz für Legalisierung: Die Studienergebnisse sollen laut Bundesrat als Grundlage für die politische Debatte zur Cannabis-Regelung dienen. Die Bewilligung der Studien greife einem allfälligen späteren Entscheid zur Cannabis-Regelung in keiner Weise vor, so Berset. Jede Änderung der Verbotsregelung müsse gegebenenfalls vom Parlament oder sogar vom Volk in einer Abstimmung genehmigt werden. In der Sommersession hatten diverse bürgerliche Parlamentarier moniert, die Cannabis-Studien würden ein erster Schritt zur Legalisierung sein.

Erleichterte Abgabe von Medizinalcannabis: Die Abgabe von Cannabis zu medizinischen Zwecken ist bereits heute erlaubt. In der Schweiz seien im letzten Jahr rund 3000 Patientinnen und Patienten – oft ältere Menschen mit unheilbaren Krankheiten wie Multiple Sklerose oder Krebs im Endstadium – behandelt worden, so der Bundesrat.

Heute müssen Patienten eine Ausnahmebewilligung beim Bundesamt für Gesundheit (BAG) einholen. Dies verzögere in vielen Fällen die Therapie, sagte Berset. Der Bundesrat möchte deswegen das Verbot, Medizinalcannabis in Verkehr zu bringen, aufheben. Zudem soll das BAG die Frage einer allfälligen Rückerstattung durch die Krankenversicherung prüfen.

Infografik: Cannabis

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

26 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Rolf Romano (roro)
    Wie bei vielen Themen wäre es auch hier angezeigt, eine wissenschaftliche Diskussion zu führen, frei von unkompetenten parteitreuen Politparolen. Eine sachliche AUFKLÄRUNG und nicht Verklärung müsste das Ziel sein (gilt auch für Alkohol). Und vielleicht müsst man sich in CH eher wieder mal Gedanken zum Alkoholkonsum und dessen Auswirkungen machen (offizielle Fakten: https://www.bag.admin.ch/bag/de/home/service/zahlen-fakten/zahlen-fakten-zu-sucht/zahlen-fakten-zu-alkohol.html).
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Marlies Artho (marlies artho)
      R.Romano Aufklärung ist das eine,jedoch wissen die meisten,dass all zu viel von allen Suchtmittel ungesund ist.Für dies ist jeder einzelne Konsument selber verantwortlich.Was mich mehr stört ist,Rauchen ist ungesund wird in der Öffentlichkeit verboten,gleichzeitig wird durch die Wissenschaft erklärt, dass Kiffen gut sei.Qualm gibt es jedoch von beiden und wirkt zum Teil in der Öffentlichkeit störend, sei dies nun Zigarette oder Kiffen. Versteh nicht ganz, warum nun so fürs Kiffen geworben wird.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Franz NANNI (igwena ndlovu)
    Was braucht es da fuer Wissenschaft.. Studien wofuer... dass Canabis schaedlich sein kann.. Zucker und Salz sind es auch.. und man weis schon seit Ewig, die Art der Einnahme und die Menge machen die Schaedlichkeit aus.. Gebt es einfach frei und macht mal schnell die medizinische Anwendung populaer, wie zB Salben bei Rheumaschmerz.. uA
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Matteo Brändli (matteb)
      Eine Frage welche untersucht wird ist, wie sich die konsumierte Menge und der Kundenstsamm verändert wenn man es "legal" kaufen kann zu rekreativen Zwecken. Angenommen sowohl die Kundenbasis als auch die Menge würde stark ausgeweitet, dann spricht es eher gegen eine Legslisierung. Wenn sowieso nur bisherige Konsumenten die bisherigen Menge konsumieren würden spricht es eher für die Legalisierung und Regulierung des Marktes. Momentane Gesetzeslage verbietet Studien (mit Abgabe) zu solchen Fragen
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Markus Holti (M.A.Holti)
    Die immer wieder gebetsmühlenartige Scheinargumentation mit dem Alkohol hinkt nach wie vor. Alkohol ist kein Halluzinogen und in kleinen "Dosen" sogar gesund. Die Zahl der Konsumenten geht trotz des Verbots nicht zurück, weil man zu wenig konsequent durchgreift und die Jugend in einer zunehmenden säkulariserten Gesellschaft jeden höheren Lebenssinn beraubt hat. Drogen sind die Sehnsucht nach Transzendenz, mit bösen Nebenwirkungen. Herzensglauben an einen liebenden Gott ist da weit konstruktiver.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Matteo Brändli (matteb)
      Jeder soll sich seinen Lebensentwurf selbst auswählen können. Wenn sich jemand mit THC, Schnaps oder Weihrauch einnebeln will, soll er das frei tun können. Und ich sehe mehr genug Antriebskraft in der Jugend als dass ich pessimistisch in die Zukunft blicken würde. Zum gesunden Alkohol: die einzige Droge bei dem ein kalter Entzug tödlich sein kann - aber der wird ja auch in der Messe ausgeschenkt, wird schon gut sein...
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Franz NANNI (igwena ndlovu)
      Alkohol hat auch berauschende Eigenschaften und schadet der Leber schon bei kleinen Mengen, jeden Tag genossen... und hat ausserdem sehr boese Interaktionen mit zB Paracetamol... kann in Kombination schon beim ersten Mal die Leber nachhaltig schaedigen.. Macht Gewohnheitdrinker zu Sozialfaellen und zerstoert die soziale Kompatibilitaet.. (EHE zB), macht gewalttaetig etcetc.. Kiffer sind eher harmlos und ruhig.. Also...
      Ablehnen den Kommentar ablehnen