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Klima-Aktivisten mit hohen Erwartungen
Aus News-Clip vom 11.12.2019.
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Klimajugend zur Bundesratswahl «Jetzt machen wir erst recht weiter»

Sie hat zum Wahlerfolg der Grünen beigetragen, nun hat sie eine Enttäuschung erlebt: Die Klimajugend. Eine Reportage über deren Aktion vor dem Bundeshaus.

7.30 Uhr vor dem Bundeshaus: Zwei Dutzend Jugendliche und einige ältere Personen stehen bei den Abschrankungen und halten Plakate in der Hand: «Shopping schädigt ihren Planeten» steht darauf, und «Jetzt oder nie: Klima-Demo». Auf den Rucksäcken einiger klebt das Logo von Extinction Rebellion. Andere tragen Abzeichen der Bewegung Klimastreik.

Bundeshaus. Davor Menschen und Transparente.
Legende: Morgens früh treffen die Unterstützer von Bundesrat Cassis auf Aktivisten für das Klima. SRF/Claudia Blangetti

Auf einer weiteren Abschrankung hängt ein Plakat mit der Aufschrift «Cassis for President» und die Tessiner Flagge. Diesem Ignazio Cassis wollte die Grüne Parteipräsidentin Regula Rytz den Sitz in der Landesregierung streitig machen.

Eine Grüne im Bundesrat reicht nicht

Grüne Welle im Bundesrat? Damit rechnet hier auf dem Bundesplatz niemand. Warum dann diese Aktion? «Wir wollen Präsenz markieren», erklärt Jan (27), «daran erinnern, dass die Zeit abläuft und Klimamassnahmen ergriffen werden müssen, um Stabilität und Wohlstand weiter zu gewährleisten.»

Reissbrett mit Zetteln.
Legende: Das wünscht sich die Klimajugend: Die Aktivisten sammeln die Anliegen auf einem Reissbrett. SRF/Claudia Blangetti

Die Parlamentarier eilen vorbei. Die Jugendlichen schreiben auf Zetteln ihre Anliegen auf und pinnen sie an eine Korktafel, die sie den Politikern präsentieren. «Wir wollen, dass der Gesamtbundesrat unsere Anliegen wahrnimmt», erklärt Hanna-Ly (17) ihre Erwartungen an diesem Morgen. «Wir sind aber nicht da, um eine bestimmte Person zu unterstützen. Wir sind nicht parteipolitisch.» Und Nathalie fügt an: «Wir hoffen, dass der Bundesrat gesamthaft grüner wird, mehr auf Klimafragen eingeht.»

Zwei Frauen von hinten mit Plakaten.
Legende: Mit Plakaten auf dem Bundesplatz: Zwei junge Frauen machen die vorbeigehenden Parlamentarier auf ihre Anliegen aufmerksam. SRF/Claudia Blangetti

In dieser Sache sind sich die Jugendlichen auf dem Bundesplatz einig, egal ob sie Extinction Rebellion oder dem Klimastreik angehören. Denn: «Eine grüne Bundesrätin alleine kann diese Probleme nicht alle lösen», sagt Saskia (17), «dafür braucht es sieben Personen, und solche aus allen Parteien».

Oisi Zuekunft!

Bereits um 8.30 Uhr ist die Gruppe auf ein paar Wenige geschrumpft, die auf einem Laptop die Wahl verfolgen. «Wäm sini Zuekunft? Oisi Zuekunft!», rufen sie und singen das Lied Bella Ciao mit abgeändertem Text: «Make it greener, make it cleaner».

Junge Menschen sitzen am Boden rund um einen Laptop.
Legende: Publicviewing auf dem Laptop und mit warmen Tee: Die Aktivisten auf dem Bundesplatz beobachten im Livestream, was drinnen im Bundeshaus passiert. SRF/Claudia Blangetti

Auch einige Privatpersonen sind hier. Sie sei aus Sorge um die Zukunft nach Bern gekommen, sagt Elisabeth (56). Und in Hinblick auf die Kandidatur von Regula Rytz: «Ein bisschen hoffe ich auch auf ein Wunder.» Gehofft hatte sie auch auf mehr Demonstranten.

Kameras aber keine Reaktionen

Auch ein Alt-68er zeigt sich enttäuscht: «Warum bekennt ihr nicht mehr Farbe», fragt er. «Warum stellt ihr euch nicht deutlich hinter eine Grüne im Bundesrat?» Nochmals erklärt Jan, dass es nicht um Parteipolitik gehe und die Aktion den Konsens der Bewegung ausdrücken solle.

Bis kurz vor 10 Uhr hat die Batterie des Laptops ihren Geist aufgegeben – auf Handys wird das Geschehen weiterverfolgt, denn nun gilt es Ernst. Die Kameras der Medienleute – sie sind fast in der Mehrzahl – sind auf die Aktivisten gerichtet, um den Moment der Verkündung des Resultats im entscheidenden Wahlgang festzuhalten. Doch als um 10.12 Uhr die ersten Pushes die Wiederwahl von Ignazio Cassis melden, zeigen die Aktivisten keine Reaktionen.

Junger Mann mit Plakat.
Legende: Jan von der Bewegung Klimastreik appelliert an die Politiker: «Es ist Zeit zum Aufwachen.» SRF/Claudia Blangetti

Jetzt erst recht

«Wir machen weiter», sagt Michelle vom Klimastreik (26), «jetzt erst recht». Das Engagement der Klimabewegung mache nun noch mehr Sinn – jetzt, wo sich gezeigt habe, dass mit den Politikern nicht zu rechnen sei.

Dass der Klimajugend nun die Leute abspringen können, befürchtet Jan nicht: «Es ist kein Hype, das hier wird weitergehen. Man kann die Klimakrise nicht ignorieren.»

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51 Kommentare

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  • Kommentar von Gabriella Itin  (Salat)
    Es ist immer das gleiche, der falsche Ansatz. Wer kauft beim Bauer nebenan ? Wer unterstützt sämtliche Überseeprodukte ? Billig Fleisch von gequälten Tieren ? Hoch giftige Produkte zum Haare färben ? Wer Reist mit Flugzeug,Schiff ? Etc. Die Aufzählung ist Endlos. Wie die da Oben, viel reden und nichts machen. Würde man von der eigenen Haustür konsequent beginnen würden wir dies erreichen!, bevor sich jemand von da Oben bewegt. Man muss nicht andere Beschuldigten wenn man selbst nichts tut!
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  • Kommentar von Franz Giger  (fjg)
    Solange es landauf landab noch einige Unerschütterliche gibt, die tatsächlich glauben das Klima steuern zu können werden die Jungs und Mädels noch ein wenig auf die Strasse gehen.
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  • Kommentar von Fritz Rueegsegger  (Matterhorn+234)
    Ich gehe davon aus, das es in 4 Jahren keine eigentlich grüne Position mehr gibt, da bis dann alle Parteien sich bewusst sind, dass die Klimaveränderung gestoppt werden muss und die Bevölkerung einsieht, dass dies nicht zum Nulltarif zu haben ist. Die Bevölkerung kann das Handeln nicht nur an die Politik delegieren. Die Flugscham spürt man in Kloten nicht!
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