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Das neue Medikament soll sogar präventiv wirken (Symbolbild)
Aus SRF 4 News aktuell vom 11.08.2020.
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Klinische Tests im Herbst BAG unterzeichnet Vertrag für Covid-19-Medikament

  • Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat mit dem Schweizer Unternehmen Molecular Partners einen Reservierungsvertrag für ein Covid-19-Medikament unterzeichnet.
  • Das finanzielle Engagement beläuft sich auf einen mittleren einstelligen Millionenbetrag.
  • Wenn das Medikament die klinischen Tests erfolgreich durchläuft und für den Markt zugelassen wird, erhalte die Schweiz prioritären Zugang, heisst es in einer Mitteilung.
  • Die klinischen Studien seien für den kommenden Herbst geplant.

Mit dem Vertrag sichert sich der Bund Zugang zu den ersten 200'000 Dosen des Covid-19-Medikaments sowie ein Recht auf Lieferung von bis zu drei Millionen weiteren Dosen. Beim Medikament handelt es sich um ein Immunotherapeutikum. Im Ansatz sei die Therapie vergleichbar mit Mischungen von Antikörper-Therapien, mit denen das Virus neutralisiert werden solle, in einem Medikament.

«Die Firma Molecular Partners verfolgt einen sehr interessanten Ansatz», schätzt SRF-Wissenschaftsredaktor Thomas Häusler. «Sie hat eine Art abgespeckte Mini-Antikörper gebaut, die auch noch multifunktional sind.» Grundlage sei eine riesige Bibliothek dieser Mini-Antikörper. «Darin haben die Forscher nach solchen Molekülen, also einzelnen Mini-Antikörpern gesucht, die das Virus besonders gut bekämpfen. Und weil diese Moleküle so klein sind, kann man verschiedene davon kombinieren, in diesem Fall drei.» Beim Medikament von Molecular Partners wird das Virus also gleich an drei Stellen angegriffen.

Auch prophylaktische Einnahme möglich

Das Medikament soll in erster Linie zur Behandlung Coronainfizierter dienen. Es könne in gewissen Fällen aber auch prophylaktisch zum Schutz vor einer Infektion verabreicht werden, etwa für exponiertes Spitalpersonal oder andere Risikogruppen. Allerdings müsse man davon ausgehen, dass der prophylaktische Schutz nicht mehr als ein paar Monate hält, so Häusler: «Oder man müsste das Medikament wiederholt einnehmen. Aber das müssen nun wirklich erst die Tests zeigen.»

Zum finanziellen Engagement äusserte sich das Bundesamt nicht im Detail. Es gehe aber um einen mittleren einstelligen Millionenbetrag, gab das BAG auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA bekannt.

Firma entwickelt eigene Wirkstoffklasse

Molecular Partners ist ein Biotech-Unternehmen mit Sitz in Schlieren ZH. Es wurde 2004 als Spin-Off der Universität Zürich gegründet und entwickelt eine eigene Wirkstoffklasse namens DARPins Therapien, wie es weiter heisst. Dabei handle es sich um künstliche Proteine, die Antigene erkennen und binden könnten.

Vertrag auch für einen Impfstoff

Erst am vergangenen Freitag hatte das BAG einen Vertrag mit der US-Biotechfirma Moderna bekannt gemacht. Damit will sich der Bund 4.5 Millionen Dosen eines künftigen Impfstoffs gegen das Coronavirus sichern. Die Lonza soll den Wirkstoff dafür herstellen. Der Bund ist mit weiteren Impfstoff-Unternehmen im Gespräch. Insgesamt sind 300 Millionen Franken für die Beschaffung von Impfstoffen vorgesehen.

Im Kampf gegen Covid-19 bereitet sich der Bund auf mehrere Szenarien vor. So sei es wichtig, auch auf weitere therapeutische Ansätze zu fokussieren, um schwer erkrankte Covid-19-Patientinnen- und Patienten zu behandeln, hält das BAG weiter fest. Der Schritt des Bundes sei klug, schätzt Wissenschaftsredaktor Häusler: «Mit relativ wenig Geld kauft er sich das Recht an 200'000 Behandlungsdosen.»

Gleichzeitig gehe er aber eine Wette ein: «Das Medikament scheint im Labor gut zu funktionieren. Aber nun muss es in Menschen getestet werden – und es ist ganz normal, wenn ein Medikament in diesem Stadium scheitert. Das passiert sogar sehr oft.» Positiv sei, dass Molecular Partners bereits daran ist, mehrere andere Medikamente nach demselben Prinzip zu entwickeln – und bei diesen sei man schon weiter in klinischen Studien. «Das gibt eine gute Prognose», schliesst Häusler.

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Aus dem Archiv: Der Impfstoff-Verteilkampf in der Coronakrise
Aus Tagesschau vom 05.08.2020.
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SRF 4 News; 11.08.2020; 08:00 Uhr;

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59 Kommentare

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  • Kommentar von Alexander Weljaminoff  (AndererMeinung)
    Ein wichtiger Punkt wird ja auch sein, wie lange eine Immunität gegen das Virus gegeben sein wird. Und das steht ja wohl im Augenblick mangels Daten noch ziemlich in den Sternen. Wissen tun dies offensichtlich nur die Russen, die heute in den Fernsehnachrichten verkündet haben, dass die Immunität mit ihrem eigenen Impfstoff angeblich 2 Jahre betragen soll. (Woher sie das wissen?)
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  • Kommentar von markus ellenberger  (ELAL)
    Ein Medikament welches wir eigentlich garnicht brauchen. Warum fangen wir nicht an uns dem Virus zustellen. Ist es nicht in der sache der Natur das der stärkere überlebt. Warum können wir nicht akzeptieren das wir ALLE sterben ob gesund oder krank.
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    1. Antwort von Eva Werle  (Wishbone Ash)
      Diese Idee wäre zwar einerseits genial, weil wir uns die Kosten für ein Gesundheitssystem sparen könnten und vermutlich das Bevölkerungswachstum bremsen würden.
      Andererseits würde ich in einer Welt, wie Sie sie skizzieren Entscheidendes ivermissen: nämlich Ethik und Moral.
      Es gibt im übrigen in der Natur nicht das Recht des Stärkeren nur evolutionäre Vorteile aufgrund bestmöglicher Anpassung. Bei uns Menschen ist dies unter anderem Intelligenz und die Fähigkeit zu Kooperation.
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    2. Antwort von Roberto Collini  (Rob Collini)
      Herr Ellenberger, ich bin sicher, Sie verfolgen diese Haltung konsequent und haben selbst noch nie ein Kopfschmerzmittel eingenommen, erwarten keine medizinische Hilfe, wenn Sie auf einer Treppe ausrutschen, keine Betäubung bei einer Wurzelbehandlung und keine Behandlung für krebskranke Angehörige?

      @srf: Warum werden solche menschenverachtenden Kommentare veröffentlicht?
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    3. Antwort von Beat Reuteler  (br)
      Ich glaube z.B. an ein Leben vor dem Tod und zusammen mit mir gibt es vermutlich viele andere auch die einen gewissen Anspruch darauf haben dass es ein gutes Leben sein soll. Wenn es nicht möglich ist ist es nicht möglich, aber bis jetzt haben wir ja noch nicht viel probiert um dieser Pandemie überlegen zu werden. Also geben wir den Leuten die das können doch diese Chance.
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    4. Antwort von Alexander Weljaminoff  (AndererMeinung)
      Weil sich der Mensch auch dadurch vom Tier unterscheidet, dass er forscht um Probleme zu lösen.
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  • Kommentar von Philipp Schläfli  (Q)
    @srf: ich gehe davon aus, dass das Medikament ein Lyophilisat oder eine flüssige parenterale Darreichungsform ist. Ein Glasfläschchen wäre dann wohl ein geeigneteres Symbolbild als Tabletten.
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    1. Antwort von SRF News (SRF)
      Danke, wir haben das Bild angepasst.
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