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Wegen Corona: 2021 kamen weniger Fachkräfte in die Schweiz
Aus HeuteMorgen vom 17.01.2022.
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Kontingente für Spezialisten Firmen rekrutieren weniger Fachkräfte von ausserhalb der EU

Schweizer Unternehmen haben 2021 die Kontingente für Fachkräfte aus Ländern ausserhalb der EU erneut nicht ausgeschöpft.

Insgesamt bis zu 8500 Spezialistinnen und Spezialisten hätten Schweizer Unternehmen letztes Jahr in Ländern ausserhalb der EU rekrutieren dürfen. Diese Höchstzahlen haben Schweizer Firmen aber nur zu etwas mehr als drei Vierteln ausgeschöpft: Vergeben wurden 2021 80 Prozent der 4500 Aufenthaltsbewilligungen und 73 Prozent der 4000 Kurzaufenthaltsbewilligungen, wie das Staatssekretariat für Migration SEM auf Anfrage von Radio SRF mitteilt. Noch tiefer war die Quote im Jahr zuvor.

Wegen Corona sind Reisetätigkeit und Austausch unter den Firmen zurückgegangen.
Autor: Urban Camenzind Präsident der Konferenz Kantonaler Volkswirtschaftsdirektoren VDK

Die tiefe Ausschöpfung sei eine Folge der Pandemie, erklärt der Präsident der Konferenz kantonaler Volkswirtschaftsdirektoren VDK, der Urner Mitte-Regierungsrat Urban Camenzind: «Durch die bekannte Coronasituation sind Reisetätigkeit und Austausch unter den Firmen zurückgegangen. Deshalb kamen weniger Drittstaatenangehörige zu uns, um zu arbeiten, und deshalb wurden auch die Kontingente nicht ausgenutzt.»

«Nicht die Zeit, Kontingente zu kürzen»

Um Höchstzahlen und Kontingente wird seit Jahren gerungen. Der Bundesrat hatte die Kontingente für Fachkräfte aus Drittstaaten nach Annahme der Masseneinwanderungsinitiative der SVP im Jahr 2014 gekürzt. Wirtschaft und Kantone kämpften danach für eine Erhöhung.

Es fehlen uns gut qualifizierte Leute, die müssen wir von irgendwo herkriegen.
Autor: Urban Camenzind Präsident der Konferenz Kantonaler Volkswirtschaftsdirektoren VDK

Heute bekräftigt VDK-Präsident Camenzind: Auch jetzt, wo die Unternehmen pandemiebedingt weniger Spezialisten rekrutierten, sei nicht der Zeitpunkt, um die Kontingente wieder zu kürzen. Zu unklar sei derzeit, wie sich die Lage weiterentwickle.

Ausserdem brauche die Schweiz Fachkräfte: «Es fehlen uns gut qualifizierte Leute, die müssen wir von irgendwo herkriegen. Darum ist es notwendig, dass wir solche Arbeitsbewilligungen für Drittstaatenangehörige erteilen dürfen.»

Glarner: «Natürlich wären uns tiefere Kontingente lieber, aber…»

Für eine Kürzung möchte sich derzeit auch die SVP nicht aussprechen. Der Verantwortliche für die Migrationspolitik der Partei, der Aargauer Nationalrat Andreas Glarner, sagt: «Natürlich wären uns tiefere Kontingente immer lieber. Aber der Wirtschaft zuliebe müssen sie vermutlich dort gehalten werden, wo sie jetzt sind. Wir müssen weitere Jahre beobachten.»

Seit dem Ja zur Masseneinwanderungsinitiative verlangt die Bundesverfassung die Steuerung der Zuwanderung mit Höchstzahlen und Kontingenten. Diskutiert wird derzeit aber eine Erhöhung oder gar teilweise Aufhebung der Kontingente für Fachkräfte aus Drittstaaten.

Der Wirtschaft zuliebe müssen die Kontingente vermutlich dort gehalten werden, wo sie jetzt sind.
Autor: Andreas Glarner Nationalrat (SVP/AG)

Eine leichte Lockerung hat der Bundesrat bereits im Herbst auf Anregung der FDP vorgeschlagen. Und letzte Woche sagte Finanzminister Ueli Maurer vor den Medien, die Kontingente für Spezialisten aus Drittstaaten müssten überprüft werden, sprich: erhöht – damit die Schweiz für grosse, international tätige Firmen attraktiv bleibe.

Allerdings, so Maurer in der «NZZ am Sonntag», müsste eine Erhöhung auf hoch qualifizierte Berufe eingeschränkt werden, weil es sonst zu viel Zuwanderung gebe «in Berufen, in denen wir sie weniger brauchen».

SRF4 News, 17.01.2022, 06:00 Uhr

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49 Kommentare

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  • Kommentar von SRF News (SRF)
    Guten Abend liebe Community. Wir schliessen nun die Kommentarspalte und bedanken uns für Ihre Kommentare. Liebe Grüsse, SRF News
  • Kommentar von andreas furrer  (andfurrer)
    man produziert da wo es am billigsten ist, und verkauft da wo es am teuersten ist. das geht gut solang es gut geht und wenn es schlecht geht sind die anderen schuld.
  • Kommentar von Toni Koller  (Tonik)
    Das Paradox: Die gleichen (SVP-) Kreise, welche die Einwanderung von Arbeitskräften bekämpfen und beklagen, fördern (z.B. mit Steuersenkungspolitik) die Ansiedlung immer neuer internationaler Firmen in der Schweiz - die natürlich auch internationalen Personalbedarf mitbringen. Wieso durchschaut und thematisiert kaum jemand die nationalkonservative Verlogenheit?
    1. Antwort von Felix Meyer  (gegen unwahre Wahrheit)
      (Tonik), Diesen Zusammenhang erwähne ich seit Jahren regelmässig. Nur scheint es die wenigsten zu kümmern. Genau dasselbe geschieht bei Steuersenkungen für Reiche. Wechseln Gutbetuchte den Kanton, fehlt dieses Geld und diese müssen wieder mit der nächsten Steuersenkung angelockt werden. Eigentlich ist das eine Art Schneeballsystem mit Abwärtsspirale. Die gleichen Kreise wollen die Einwanderung der Menschen begrenzen, aber nicht die Firmen und sind dann erstaunt, sobald es an Fachkräften mangelt.