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Bericht über Vetternwirtschaft und Korruption und wie die Schweiz abschneidet
Aus HeuteMorgen vom 28.01.2021.
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Korruptionsranking 2020 Auch in der Schweiz gibt es Probleme mit der Korruption

Zwei Fachleute sagen, dass fehlende Unternehmenstransparenz in der Schweiz zu Bevorzugung und Korruption führen könne.

Jedes Jahr veröffentlicht «Transparency International» einen Bericht zur Lage der weltweiten Korruption. Die Nichtregierungsorganisation hat auch in der Schweiz eine Geschäftsstelle mit Martin Hilti an der Spitze.

Wir erfahren regelmässig von Beschaffungsskandalen und das auf allen drei föderalen Stufen
Autor: Martin HiltiGeschäftsleiter von Transparency Schweiz

Er fasst den gerade erschienenen Rückblick aufs Jahr 2020 und das Abschneiden der Schweiz im internationalen Vergleich wie folgt zusammen: «Es ist richtig, die Schweiz schneidet im Ländervergleich zwar gut ab, aber bei uns gibt es ebenfalls Korruptionsprobleme – auch im öffentlichen Sektor. Wir erfahren regelmässig von Beschaffungsskandalen und das auf allen drei föderalen Stufen.»

Korruption komme letztlich in jedem Verwaltungszweig in der Schweiz vor. So sei gerade etwa ein kantonaler Kriminalpolizeichef wegen schwerer Bestechung angeklagt. Er soll über mehrere Jahre hinweg einem italienischen Zigarettenschmuggler laufend Informationen über Polizeioperationen verraten haben.

Korruptionsranking 2020 – die 10 Länder mit am wenigsten Korruption

LANDBEWERTUNG
Dänemark88
Neuseeland88
Finnland85
Schweiz85
Singapur85
Schweden85
Norwegen84
Niederlande82
Luxemburg80
Deutschland80

Wie ist Korruption in der Schweiz möglich?

In der Schweiz kennt man sich und ist vernetzt, weil man die gleiche Schule besucht hat oder im gleichen Verein aktiv war. Das kann dazu führen, dass es Bekanntschaften mit Personen gibt, die in einem Unternehmen oder in öffentlichen Ämtern darüber entscheiden, wer einen Zuschlag für einen Auftrag oder sogar einen Job erhält.

Vernetzung sei nicht per se schlecht, könne aber zu Interessenskonflikten führen, sagt Hilti weiter. Für ihn sind öffentliche Verwaltungen gerade deswegen anfällig für Vetternwirtschaft. Das ist problematisch, denn es dürfe nicht sein, dass nicht die am besten geeignete Person einen Auftrag oder eine Anstellung erhalte, sondern jene mit einer persönlichen Beziehung zur Unternehmensführung.

Dehnbare Regeln für öffentliche Ausschreibungen

Zwar gibt es für öffentliche Aufträge und Stellenausschreibungen gewisse Spielregeln, die können aber dehnbar sein. Diese elastische Auslegbarkeit jener Regeln sei ein Problem, sagt auch Caroline Brüesch, die Leiterin des Instituts für Verwaltungsmanagement an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften.

Sie sieht noch an einem anderen Ort eine Anfälligkeit für Vetternwirtschaft: «Den grössten Handlungsbedarf sehe ich beim Verhältnis, wie der Staat seine eigenen, öffentlichen Unternehmen führt.» Damit meint die Wissenschaftlerin zum Beispiel die Post oder die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB).

Diesen Unternehmen gibt Brüesch zwar gute Noten, nicht aber kleineren Unternehmen, die für Städte und Gemeinden tätig sind – also zum Beispiel Abfallentsorgung oder Abwasseranlagen. Damit meint sie transparente Ziele und Kosten. Zurzeit arbeiten zahlreiche Verwaltungen daran, ihre Transparenz zu verbessern. Das ist wichtig, denn die Erfahrungen zeigen: Transparenz verhindert auch Korruption.

Korruptionskiller Corona – im Gegenteil

Hilti sieht als Kern von Korruption immer auch einen Missbrauch der jemandem anvertrauten Macht. In Zeiten von Corona konzentriere sich die Macht nochmals aufs Neue. Dementsprechend ist für den Geschäftsleiter von Transparency International Schweiz klar: Die Gefahren für Missbrauch werden durch die Pandemie nicht kleiner – im Gegenteil.

HeuteMorgen, 28.01.2021, 06:00 Uhr

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17 Kommentare

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  • Kommentar von Patrik Müller  (P.Müller)
    Mir gefällt das Wort "Vorteilsnahme" besser als "Korruption"... Tönt doch irgendwie schweizerischer. Das ander kennt man so von 3. Welt-Staaten oder Bananenrepubliken.
  • Kommentar von René Baron  (René Baron)
    Bestes Beispiel ist das Referendum zur E-ID: Anstatt Kantone und Private sich dem freien Wettbewerb um den kostengünstigsten, innovativsten und attraktivsten Service im Rahmen von durch den Bund definierten Qualitätsparametern stellen zu lassen, wollen viele (notabene oft durch den Bund besoldete) Wortführer, die Grundlage für einen explizit durch den Bund beauftragen, weiteren PRIVATEN Amts-Monopolisten schaffen, der sich nach Parteifarbe und Stallgeruch statt fachlicher Güte empfehlen wird.
  • Kommentar von Mike Steiner  (M. Steiner)
    bezieht man die lobbyistenzutritte in der wandelhalle des bundeshauses mit ein, müsste das schweizer ranking unter null sein...