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Krankenkassen werden teurer Das grösste Problem ist das «Mehr, Mehr, Mehr»

Die Pause beim Prämienanstieg dürfte von kurzer Dauer sein, so lautet die Analyse.

Legende: Audio Krankenkassenprämien: Vorerst eine gute Nachricht abspielen. Laufzeit 03:10 Minuten.
03:10 min, aus Echo der Zeit vom 24.09.2018.

Schon 2020 könnte Gesundheit wieder deutlich mehr kosten. Dazu ein Witz: Es kommt einer zum Arzt, weil er einen üblen Ausschlag hat. Der Arzt aber hat keine Ahnung, was dem Patienten fehlt. Also sagt er: «Kommen Sie morgen wieder, die Medizin macht täglich Fortschritte.»

Tatsächlich heisst «Medizin» auch, dass immer mehr und immer Neues auf den Markt kommt. Nicht selten ist egal, ob es dem Patienten, der Prämienzahlerin hilft oder nicht.

Beispiele gefällig?

Nehmen wir beispielsweise die Spitäler: Gerade wurde bekannt, dass das Kantonsspital Aarau neu auch Herzen operieren möchte – dabei macht das in Aarau bereits die Hirslanden-Klinik. Schweizweit werden in 16 Zentren Herzoperationen durchgeführt. Brauchen würde es wohl nicht einmal halb so viele.

Nehmen wir die Ärzte: Seit Jahren ist klar, dass manche zu viel verdienen, andere zu wenig. Aber immer noch beharren die Ärzte darauf, dass sie das Geld nicht umverteilen können. Stattdessen fordern sie mehr Geld und sehen sich gerne als Opfer.

Nehmen wir die Kantone: Sie planen ihre Spitäler oft immer noch so, als gäbe es kein Leben jenseits der Kantonsgrenzen. Vor kurzem hat Appenzell Innerrhoden beschlossen, ein neues Spital zu bauen. Dabei ist Sankt Gallen ganz nah. Und schon seit einiger Zeit gilt: Jeder kann das Spital frei wählen, in der ganzen Schweiz.

Dieses ungebrochene «Mehr, Mehr, Mehr» ist das grösste Problem. Es dürfte dafür sorgen, dass die Krankenkassenprämien bald wieder deutlich stärker steigen.

Und was macht die Politik?

Gesundheitsminister Alain Berset gibt sich Mühe. Zugegeben. Er hat punktuell die Löhne der Ärzte gekürzt, er möchte die Preise für Medikamente weiter senken, er sorgt dafür, dass die Krankenkassen stärker mitreden können, wo es sinnvoll ist.

Aber sobald das Parlament entscheidet oder das Volk abstimmt, verwässern, versickern, versanden die guten Ideen. Stattdessen treten Vorschriften in Kraft, die nur einer bestimmten Klientel helfen. Bezahlen müssen alle anderen.

So hat das Parlament beschlossen, dass junge Erwachsene zwischen 19 und 26 Jahren weniger Prämien bezahlen sollen. Bezahlen müssen die älteren Erwachsenen und die Kinder.

Die SP hat eine Initiative lanciert, die Folgendes will: Kein Haushalt soll mehr als zehn Prozent des Einkommens für Prämien ausgeben. Bezahlen müssen die Steuerzahler.

Solange es so läuft, kann ein Arzt seinem Patienten getrost sagen: «Kommen Sie morgen wieder. Auch wenn es nichts bringt, verdiene ich wenigstens gut daran.»

Sarah Nowotny

Sarah Nowotny

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Sarah Nowotny ist seit 2014 als Inlandredaktorin bei Radio SRF tätig. Zuvor arbeitete sie für die «NZZ am Sonntag» und «Der Bund». Sie studierte englische und französische Literatur sowie Philosophie.

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44 Kommentare

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  • Kommentar von antigone kunz (antigonekunz)
    Nehmen wir die Arzneimittel. Ein Gut, dass eminent wichtig ist. Eine Quelle von riesiger Mehrwertschaffung. Warum überlassen wir diese ein paar anonymen, globalisierten Konzernen/ Akteuren? Als Gemeingüter müssten Firmen solche herstellen, die von der Arbeiterschaft geführt werden. Wo Menschen für Mitandere produzieren und auch direkt davon etwas haben, teilhaben und nicht ein paar anonyme Irgendwers, denen es wurst ist was, wer, wie und für wen produziert. Die nur Kohle sehen wollen?
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  • Kommentar von Tom Duran (Tom Duran)
    Ich will ja nicht gleich motzen, wir werden relativ gut versorgt wenn ich nach Deutschland oder Frankreich schaue. Allerdings zu welchem Preis? Müssen wir die schleichende Privatisierung und gleichzeitige Verteuerung a la Kantonsspital schliessen, Luxus Privatklinik aufnehmen, hinnehmen? Wozu brauchen wir dutzende Kassen die alle das Selbe tun, aber jede ein teures Kader, Werbung und Glaspalast haben will? WIR haben es in der Hand richtig abzustimmen statt kopfnickend alles durchzuwinken.
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  • Kommentar von Robert Mechera (Robenius)
    Willkommen in der 2 Klassenmedizin. Die USA lassen grüssen
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    1. Antwort von Marco Jans (Jansi)
      Ich gebe zu, die Folge meines Vorschlags wird eine Zweiklassenmedizin sein, aber über kurz oder lang werden wir wohl nicht drumherum kommen. Einheitskasse und andere Zentralisierungsbemühungen werden das Kostenproblem nicht lösen, nicht bei gleichem Leistungsumfang. An dieser und jener Stelle herumdoktern wird nicht helfen sondern nur die Kosten von einem Bereich zum andern hin und her schieben. Die explodierende Nachfrage nach Leistungen ist das Problem und dort muss auch angesetzt werden.
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    2. Antwort von Verena Schär (Nachdenklich)
      Was heisst hier 2 Klassenmedizin. Da hätte es nicht zu einer Operation gereicht! Oder! Ich habe nach meinem Armbruch die 2 Klassenmedizin gewählt und der Versicherung 2 Operationen in der Grössenordnung von Fr. 20'000.-- erspart. Glücklicherweise habe ich nicht auf die Ärzte gehört, denn die Reaktion meines Körpers mit Sudeck (Ärzte wissen nicht woher das kommt) an der Hand war schön happig. Es ist nicht immer das was die Ärzte wollen das Beste.
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