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Reformiertes Trauerspiel: Die Hintergründe des Locher-Rücktritts
Aus Rundschau vom 10.06.2020.
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Krise in reformierter Kirche Jetzt spricht Lochers Vize

Bei der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz ist Feuer im Dach: Nach dem Rücktritt von Präsident Gottfried Locher gerät die ganze Kirchenleitung unter Druck – sie habe in der Krise komplett versagt, sagen Kritiker. Nun wehrt sich die Vizepräsidentin und macht Locher schwere Vorwürfe.

«Es ist ein Scherbenhaufen», bilanziert der Aargauer Kirchenratspräsident Christoph Weber-Berg. Die Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz (EKS) ist im Krisenmodus. Präsident Gottfried Locher trat Ende Mai zurück, nachdem Medien berichtet hatten, dass ihm von einer ehemaligen Angestellten «Grenzverletzungen» vorgeworfen werden. Die EKS hielt fest: «Der Sachverhalt ist nicht erstellt oder erhärtet und wird nun erst abgeklärt.»

Zu den Hintergründen schwieg die Kirchenleitung. Für Weber-Berg hat die Exekutive der EKS, der Rat, in der Krisenkommunikation versagt. «Der Rat hat Nebelpetarden geworfen und gemauert. Dadurch entsteht der Eindruck, dass die Leitung die Sache vertuscht.»

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Christoph Weber-Berg, Kirchenratspräsident Reformierte Kirche AG: Rat hat nicht kommuniziert
Aus News-Clip vom 09.06.2020.
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Gegen Aufklärung gesträubt

Diese Kritik gilt auch Esther Gaillard. Sie ist Vizepräsidentin und Mitglied der Kirchenleitung, des Rates. Gegenüber der «Rundschau» spricht sie erstmals und wehrt sich. Nicht der Rat habe die Sache vertuschen wollen, sondern der Präsident. Bereits in der ersten Sitzung zum Thema sei Locher mit seiner Anwältin erschienen, diese habe Ratsmitgliedern mit Konsequenzen gedroht. «Wir durften nicht mehr kommunizieren.»

Gaillard hatte mit der Beschwerdeführerin gesprochen. «Was die Frau erzählt hat, hat mich erschüttert. Ich wusste: Jetzt muss etwas geschehen.» Aber Locher habe sich gegen eine Aufklärung der Vorwürfe gesträubt. Stattdessen habe seine Anwältin vorgeschlagen, eine Aussprache mit der Beschwerdeführerin zu suchen – ohne dass deren Vorwürfe untersucht würden.

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Esther Gaillard, Vize-Präsidentin Evang.-ref. Kirche Schweiz: Keine Kooperation des Präsidenten
Aus News-Clip vom 09.06.2020.
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Weitere Vorwürfe

Inzwischen wurde bekannt, dass sechs weitere Frauen Gottfried Locher «Grenzverletzungen» vorwerfen. Die Kirchenrätin Catherine Berger hat ihnen zugehört. Details will sie nicht erzählen, aber sie beschreibt das Muster. «Wenn ein Amt oder ein Seelsorgeverhältnis dazu benutzt wird, eine Beziehung entstehen zu lassen oder aufrechtzuerhalten, kommt es zu einem Machtgefälle – und da wird ein Verhalten zur Grenzverletzung.» Solche Vorwürfe seien auf dem Tisch.

Gottfried Locher nimmt auf Anfrage nicht Stellung zu den Vorwürfen aber schreibt der «Rundschau», er sei zurückgetreten, um die Arbeit der EKS nicht durch Diskussionen um seine Person zu erschweren. Und: «Ich möchte festhalten, dass weder ein zivil- noch ein strafrechtliches Verfahren gegen mich läuft.»

Vorwürfe gegen Beschwerdeführerinnen

Vehement verteidigt ihn Pfarrer Josef Hochstrasser. Dieser hat 2016 ein Buch über Locher geschrieben. Dort machte Locher Aussagen zu Sex und Prostitution, die Kritik auslösten. Die aktuellen Vorwürfe kämen aus derselben Ecke, sagt Hochstrasser.

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Josef Hochstrasser, reformierter Pfarrer, übt Kritik
Aus News-Clip vom 09.06.2020.
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«Ich sehe da Feministinnen, die es nicht ertragen, dass ein Mann an der Spitze der Kirche ist – und dass er auch noch gut ist und gut aussieht.» Dazu gesellten sich Moralisten, die bei jeder Verfehlung den Zeigefinger erhöben. Für Hochstrasser ist klar: Locher ist Opfer eines Komplotts.

Diesen Vorwurf weist Catherine Berger zurück: Es seien sehr verschiedene Frauen mit ganz unterschiedlichen Geschichten. «Ich sehe keinen gemeinsamen Nenner. Das ist nicht orchestriert, auf keinen Fall.»

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Catherine Berger, Kirchenrätin Reformierte Kirche AG: «Das ist nicht orchestriert»
Aus News-Clip vom 09.06.2020.
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«Rundschau»

«Rundschau»

Mehr zum Thema in der «Rundschau» um 20.05 Uhr auf SRF 1.

Rundschau, 09.06.2020, 20.05 Uhr

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19 Kommentare

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  • Kommentar von Denise Casagrande  (begulide)
    Natürlich "mänschelets" in den Kirchen/angeblichen Gotteshäusern, da es sich weder um "Heilige, noch Götter" handelt, sondern um gewöhnliche Menschen "Homo sapiens"! Diese werden immer noch viel zu oft als "Übermenschen" angesehen, behandelt! Die scheinhheilige Welt der "Kirchen- und selbsternannten Gottes-Vetreter" der Schweiz! Da gibt es nur ein Mittel: beten, hoffen, glauben, dass sich diese "Kirchen-Menschheit" irgendwann doch noch einsichtig zeigt......!
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  • Kommentar von Sebastian Demlgruber  (SeDem)
    Wenn die Fassade Risse zeigt, weil die Fundamente schadhaft sind, dann reagieren stets manche empört auf jene, die auf die Risse aufmerksam machen. Man möchte sich seine Illusionen nicht verderben lassen. Dabei sollten die Empörten ihre Energie lieber darauf verwenden, sich an die Reparatur der Fundamente zu machen. Persönlich untadeliges und integres Führungspersonal ist gerade für ein Organisation unverzichtbar, die den Menschen vorgeben will, wie ethisch korrektes Verhalten auszusehen habe.
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    1. Antwort von Ueli Lang  (Wochenaufenthalter)
      Nun die Führung, wo immer sie auch lag - offensichtlich weiss das auch niemand so genau - hat sich hier sicher nicht mit Ruhm bekleckert. Ethik und Moral würde ich im Rahmen dieser Affäre schon aus Gründen möglicher Bigotterie nicht in den Mund nehmen. Hier scheint Mobbing und Machtkampf zu herrschen. Das Fundament ist ziemlich aus den Fugen geraten - bei fast allen Akteuren, Opfern, Angeschuldigten und in Anonymität verweilenden Whistle Blowern!
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  • Kommentar von Beat R. von Wartburg  (Beat R. von Wartburg)
    @SRF: Dieser Beitrag enthält keinerlei Infotmation und ist nur als Basis für unbewiesene Gerüchte geeignet. Ich frage mich, was die Redaktion veranlasst diesen Bericht trotzdem zu veröffentlichen. Ist das seriöser Journalismus?
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