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Kritische Lage in den Alpen Lawinengefahr: Goms, Lötschen- & Saastal gesperrt – die Übersicht

Viel Schnee und Sturm sorgen für eine kritische Lawinensituation in der Schweiz. Im Wallis wurden Menschen evakuiert. Der Überblick.

Mehrere Täler im Wallis gesperrt: Im Goms ist die Strasse zwischen Niederwald und Obergesteln gesperrt. Auch die Züge der Matterhorn-Gotthard-Bahn befahren die Strecke nicht. Der Autoverlad zwischen Realp und Oberwald ist ebenfalls ausgesetzt. Denn in Oberwald im Wallis, können die Züge nicht weiterfahren: Bahnlinie und Strasse wurden aufgrund der Lawinengefahr gesperrt. Saastal: Die Kantonsstrasse zwischen Saas-Balen und Stalden ist seit Montagabend wegen erhöhter Lawinengefahr gesperrt. Betroffen sind alle Dörfer ab Saas-Balen – auch Saas-Fee. An diversen Orten bleiben zudem touristische Infrastrukturen geschlossen. Die Strasse ins Lötschental ist ebenfalls gesperrt.

Erhöhte Lawinengefahr: Die Lawinensituation in den Schweizer Alpen ist kritisch. Vor allem am nördlichen Alpenkamm und im Wallis können die spontanen Schneeabgänge sehr gross werden, wie das WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung (SLF) mitteilte. Abseits gesicherter Pisten sind die Verhältnisse gefährlich, auch Verkehrswege sind teils gefährdet. Auch in Graubünden und im Tessin könne es zu mittelgrossen und grossen Lawinenabgängen kommen, schreibt das SLF.

Wo mussten Menschen evakuiert werden? In der Walliser Gemeinde Orsières haben am Montag rund 50 Personen aus Sicherheitsgründen ihre Häuser verlassen müssen. Der Evakuierungsbefehl gilt bis mindestens Mittwochmorgen. Betroffen sind mehrere Gebäude in La Fouly sowie die Weiler Le Clou und Les Granges und das Dorf Ferret. Laut der Gemeinde handelt es sich um eine präventive Massnahme aufgrund von Unwettern und erwarteten starken Niederschlägen. Alle Personen konnten erreicht und andernorts untergebracht werden. Nur sehr wenige Gebäude befänden sich in der roten Zone und seien von Lawinen gefährdet. Rund 30 von der Anordnung betroffene Gebäude weiter oben im Tal seien zudem im Winter in der Regel ohnehin nicht zugänglich.

Entgleister Zug in Goppenstein: Bereits am Montagmorgen ging bei Goppenstein VS eine Lawine nieder und führte zu einer Zugsentgleisung . Fünf Personen wurden verletzt. Die Bahnstrecke zwischen Goppenstein und Brig ist unterbrochen. Es verkehrten Ersatzbusse. Der Abschnitt bleibe voraussichtlich bis Samstagmorgen gesperrt, sagt die BLS. Der Regionale Sicherheitsdienst Lötschental sperrte zudem die Strasse zwischen Goppenstein und Gampel-Steg, wie die BLS mitteilt.

38-jähriger Snowboarder stirbt in Lawine bei Davos

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Ein 38-jähriger Snowboarder ist am Sonntagnachmittag in Davos GR von einer Lawine verschüttet und getötet worden. Der Schweizer war zusammen mit einer weiteren Person abseits der Piste unterwegs. Die Lawine löste sich gegen 13.30 Uhr unterhalb des Schwarzhorns im Skigebiet Parsenn, wie die Kantonspolizei Graubünden am Montag mitteilte.

Die Begleitperson habe umgehend die Rettungskräfte alarmiert und mit der Suche nach dem Verschütteten begonnen. Dieser konnte schliesslich nur noch tot geborgen werden. Unzählige Helfer, darunter 16 Mitarbeitende der Sportbahnen, fünf Mitglieder der SOS-Rettungsstation, Bergretter des SAC mit drei Lawinensuchhunden, 20 Freiwillige, eine Rega-Crew und die Alpinpolizei standen im Einsatz.

Der 38-Jährige ist bereits der zwölfte Lawinentote in dieser Wintersaison, wie der Webseite des WSL-Instituts für Schnee- und Lawinenforschung SLF zu entnehmen ist.

Warum ist die Situation so kritisch? Viel Neuschnee und stürmische Winde haben im Norden und im Wallis zu grossen Mengen an Triebschnee geführt. In diesem Neu- und Triebschnee können Lawinen sehr leicht ausgelöst werden oder spontan abgehen, wie es im SLF-Bulletin heisst. Werden tiefere Schneeschichten mitgerissen, können sie sehr gross werden.

Experte rechnet mit weiteren Evakuierungen

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Verschneite Strasse mit Schranke und Tannenbäumen.
Legende: Diverse Ortschaften im Val Ferret befinden sich teilweise in Gefahrenzonen. So kommt es immer wieder zu Evakuierungen und Sperrungen. (29.1.2021) Archiv/Keystone/JEAN-CHRISTOPHE BOTT

«Die Lage im Wallis ist nicht einfach, es sind bereits mehrere grosse Lawinen niedergegangen und wir erwarten weitere», erklärt Pascal Stoebener, Ingenieur Naturgefahren im Unterwallis.

Praktisch im ganzen Kantonsgebiet gelte die Lawinenwarnstufe 4 von 5. Der Naturgefahrenexperte rechnet damit, dass bis am Dienstag weitere kleinere Dörfer oder Weiler evakuiert werden müssen und dass gewisse Strassen gesperrt werden: «Exponierte Strassen, zum Beispiel im Goms, werden bereits am Montagnachmittag gesperrt.» Auch die Strasse Steg – Goppenstein könne noch gesperrt werden.

Die aktuelle Lage gebe es im Kanton Wallis etwa alle zwei bis drei Jahre. «Das ist nicht so aussergewöhnlich», sagt Pascal Stoebener.

Wie ist die Prognose? Laut SRF Meteo fällt am Dienstag verbreitet weiter viel Neuschnee. Am Dienstag sinkt die Schneefallgrenze auf 500 bis 700 Meter. Zudem werden weiter stürmische Winde erwartet. Das SLF prognostiziert, dass die Lawinengefahr auch am Dienstag weiter steigen wird. Bereits am Montagabend wurde für Grossteile der Alpen vom Wallis bis Graubünden die hohe Gefahrenstufe 4 (von 5) ausgerufen. Nördlich des Alpenkamms und im Wallis seien weiterhin grosse Lawinenabgänge möglich. Mittlere bis grosse Lawinen könne es im Graubünden geben. Erst am Dienstagabend sollen die Niederschläge nachlassen. Dadurch nimmt die Lawinengefahr am Mittwoch zwar voraussichtlich etwas ab, die Situation dürfte laut dem SLF aber angespannt bleiben.

Lawinengefahr in der Schweiz am Montagabend.
Legende: In weiten Teilen der Schweizer Alpen herrscht sehr grosse Lawinengefahr. 10vor10

SRF 4 News, 16.02.2026, 6:23 Uhr ; 

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