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OP-Schwester pocht auf Hygiene – Chirurg entlässt sie
Aus Kassensturz vom 16.06.2020.
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Kündigung aus Rache? OP-Schwester pocht auf Hygiene – Chirurg entlässt sie

Ein Arzt lässt in seiner Praxis Oberflächen mit Glasreiniger putzen. Als sich eine Angestellte wehrt, entlässt er sie.

Gekündigt wegen eines Glasreinigers? Gibt’s nicht? Gibt’s doch! Gabriele M. hat es erlebt. Die 62jährige OP-Pflegefachfrau will mit ihrem Chef die Umsetzung von Schutzmassnahmen in der Praxis während des Lockdowns besprechen. Als Risikopatientin liegt das in ihrem eigenen Interesse. Der Arbeitgeber hält an seinem Reinigungskonzept fest. Der üblicherweise verwendete Oberflächen- und Glasreiniger genüge, sagte er laut M..

Schutz von Patienten

Eine Haltung, die Gabriele M. mit ihrer beruflichen Verantwortung nicht vereinbaren kann. Ihre Anliegen und Bedenken hält sie schriftlich fest und schickt den Brief ihrem Arbeitgeber. Daraufhin kündigt ihr der Arzt. In der Kündigung verweist er explizit auf ihren Brief und das Gespräch mit ihr. Und auch auf sein Reinigungskonzept. «Es hat mich schon sehr erschrocken, dass ich meine Kündigung gekriegt habe», sagt Gabriele M. Sie denke, dass sie korrekt gehandelt habe – im Sinne der Praxis und zum Schutz der Patienten.

Die Ärztevereinigung FMH und die Gesellschaft für Handchirurgie SGH haben für ihre Mitglieder Covid-19-Schutzkonzepte ausgearbeitet. Punkto Desinfektion nach der Behandlung halten diese fest: «Desinfizieren von Liegen, Geräten, Türklinken, Tischflächen und Stuhlarmlehnen, mit denen die Patientinnen und Patienten direkt in Berührung gekommen sind.»

Stellungnahme Ärztevereinigung FMH

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«Selbstverständlich erwarten wir von unseren Mitgliedern, dass sie sich an die Weisungen des Bundesrats halten und ihre Verantwortung in dieser schwierigen Situation zum Schutze ihrer Patientinnen und Patienten, sowie auch zum Schutze ihrer Angestellten und ihrer selbst wahrnehmen.»

«Keine sichere Desinfektionswirkung»

Der in der Praxis verwendete Reiniger ist aber kein Desinfektionsmittel. Auch nicht nach den gelockerten und befristeten Covid-Bestimmungen des Bundes. Das Bundesamt für Gesundheit schreibt, dass mit dem Reiniger «keine sichere Desinfektionswirkung erzielt» werde. Auch Hersteller Diversey bezieht in Sachen Desinfektionswirkung des eingesetzten Produktes klar Stellung: «Taski Sprint Glass Reiniger ist nicht für den desinfizierenden Einsatz vorgesehen, da der Alkoholgehalt hierfür nicht ausreicht.»

Stellungnahme Gesellschaft für Handchirurgie SGH

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«Was die Einhaltung der Bestimmungen bezüglich Praxisbetrieb, Hygiene, Schutz der Mitarbeitenden und der Patienten anbelangt, haben wir aufgrund der uns vorliegenden Informationen, Gespräche mit dem Arzt und weiterer Abklärungen keinerlei Veranlassung, dem langjährigen Mitglied unserer Gesellschaft etwas vorzuwerfen.»

Missbräuchliche Kündigung

Roger Rudolph, Professor für Arbeitsrecht an der Universität Zürich, hat sich Umstände und Kündigung für «Kassensturz» genauer angeschaut. Für ihn ist der Fall schon fast lehrbuchmässig. «Es spricht vieles dafür, dass es sich um eine missbräuchliche Kündigung, eine sogenannte Rachekündigung, handelt», so Rudolph. Als Reaktion auf ihr Verhalten erhalte die Mitarbeiterin die Kündigung, so der Arbeitsrechtsexperte. «Das ist eigentlich der klassische Tatbestand der missbräuchlichen Kündigung.» Bitter: Eine solche bleibe aber, auch wenn missbräuchlich, gültig.

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Roger Rudolph, Universität Zürich: «Es spricht vieles für eine missbräuchliche Kündigung.»
Aus Kassensturz vom 16.06.2020.
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Der Arzt schreibt «Kassensturz» in einer Stellungnahme, die Kündigung sei aus seiner Sicht gerechtfertigt. Über eine allfällige Missbräuchlichkeit müsste ein Arbeitsgericht entscheiden. Ausserdem habe es zum Zeitpunkt der Kündigung keine Reinigungsvorschriften oder Empfehlungen für Arztpraxen gegeben.

Gabriele M. hat bei ihrem Arbeitgeber eine Einsprache zur Kündigung deponiert. Nach Ablauf des Arbeitsverhältnisses hat sie 180 Tage Zeit auf Entschädigung zu klagen. Bis zu sechs Monatslöhne sieht das Gesetz vor. Viel wichtiger wäre Gabriele M. aber eine neue Stelle.

Kassensturz, 16.06.20, 21:05 Uhr

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30 Kommentare

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  • Kommentar von Peter P. Odermatt  (Peter P. Odermatt)
    Weshalb arbeitet die OP-Hilfe als Risikopatientin überhaupt? Die soll zu Hause bleiben - dann hätte es auch keine Auseinandersetzung gegeben.
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  • Kommentar von Margrit Holzhammer  (Margrit Holzhammer)
    Dieser Arzt könnte froh und dankbar sein, dass sich Angestellte um die Hygiene kümmern! Mich wundert das nicht! Als ich im Universitäts-Kinderspital Zürich - unter Anderem auch wegen mangelnder Hygiene - den Mund öffnete, wurde ich vom damaligen Spitaldirektor unter massivsten Druck gesetzt. Die Kündigung schrieb ich - noch zu 100% krank geschrieben - selber!
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    1. Antwort von Margrit Holzhammer  (Margrit Holzhammer)
      Bei Herzchirurg A.S. wartete das KISPI, bis er nicht mehr krank geschrieben war, bis ihm gekündigt wurde! Danach trat er in den Hungerstreik........ Fortsetzung an der Öffentlichkeit!!!
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  • Kommentar von Mark Weber  (mark779)
    Die Gesellschaft für Handchirurgie hat keinerlei Veranlassung dem Arzt etwas vorzuwerfen - natürlich nicht, schliesslich wurde ja mitten im Corona-Hype auch nur ein vom Hersteller als nichtdesinfizierend deklarierter Glasreiniger als Desinfektionsmittel benutzt... sind wir bei Kassensturz oder Verstehen sie Spass? Wo ist die versteckte Kamera?
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